Der "Fall Heizer" ist ein Katalysator für die gesamte Reformbewegung
Univ. Prof. Dr. Heribert F. Köck zum "Fall Heizer" und der "Kleingläubigkeit" in den eigenen Reihen

Martha und Gert Heizer hatten nach der Verkündung ihrer Exkommunikation Bischof Scheuer um ein persönliches Gespräch gebeten, zu dem es im gesamten Verlauf ihres Verfahrens nie gekommen war.

Zu der nun eingelangten Antwort des Bischofs, aber auch zur "Kleingläubigkeit" mancher Mitglieder in den eigenen Reihen nimmt Univ.Prof. Dr. Heribert F. Köck in klaren Worten Stellung:

 

Liebe Martha,

 

Nachdem Du neben dem Vorstand der Plattform Wir sind Kirche auch mich über den Dir von Bischof Scheuer zugekommenen Brief informiert hast, darf ich auf diesem Wege dazu Stellung nehmen.

 

Euer Vorschlag zu einem Gespräch mit dem Bischof hat dort kein befriedigendes Echo ausgelöst.

 

Wenn der Bischof schreibt:

 

"Bei einem Gespräch, bei dem meinerseits ein Theologe und ein Kirchenrechtler dabei sein sollten, kann es in dieser Phase nur mehr darum gehen, wie die Exkommunikation rasch ehest möglich aufgehoben werden kann. Und dazu benötigt es ein klares Zeichen von Ihnen, d.h.
glaubhafte Reue und künftige Unterlassung. D.h. es ist kein Gespräch, bei dem wir beim Punkt 0 anfangen würden. Eine Exkommunikation ist nie endgültig und bedeutet auch nicht den Abbruch der Kommunikation. Ich hoffe nach wie vor auf Ihre Einsicht.",

 

so kann ich darin kein Bemühen um eine gemeinsame Lösung erkennen. Vielmehr laufen die von mir jetzt kursiv gesetzten Stellen auf eine Aufforderung zur bedingungslosen Kapitulation hinaus. Unter diesen Umständen hätte ein Gespräch mit dem Bischof keinen Sinn. Überdies zeugen Formulierungen wie "glaubhafte Reue" und "hoffe nach wie vor auf Ihre Einsicht" von mangelndem Respekt vor aufrechten Laien, die ihrem Gewissen gefolgt sind. Das sind Formulierungen, wie wir sie aus dem Mittelalter kennen und die der Amtskirche abgewöhnt werden müssen.

 

Wenn der Bischof jetzt glaubt, "Oberwasser" zu haben, dann hat das m.E. zwei Gründe. Erstens interpretiert er Eure Bereitschaft zu und Euer Ersuchen um ein(em) Gespräch falsch und glaubt, Ihr wollt zu Kreuze kriechen. (Hier passt die Redewendung ja schon fast...) Und zweitens ist er in dieser falschen Interpretation bestärkt durch jene, die Euch innerhalb und außerhalb der Plattform Wir sind Kirche seit der Erklärung der Exkommunikation in den Rücken fallen. Hätte sich das ereignet, worauf ich gehofft habe, nämlich dass die Exkommunikation "net amol ignoriert" worden wäre, dann würde es sich der Bischof zweimal überlegen, noch weiter auf derselben herumzureiten.

 

Diese Leute haben nicht nur Euch geschadet, sondern der Reformbewegung (darunter subsumiere ich jetzt nicht nur die Plattform, sondern auch die anderen Reformbewegungen) schlechthin. Ich habe schon öfter darauf hingewiesen, dass Akte des Widerstandes (sozusagen definitionsgemäß) nicht von der Zustimmung der Obrigkeit abhängen können, gegen deren ungerechtes Verhalten (Gesetze, Anordnungen, Strafen) sich der Widerstand richtet. Insoweit ist der Widerstand immer illegal, weil er sich unter Berufung auf die (überpositive) Legitimität über das positive Recht hinwegsetzt. Daher ist auch das Vorgehen der Amtskirche gegen Euch unter Berufung auf irgendwelche Canones des Codex zwar vielleicht (formal) legal, aber (inhaltlich) nicht legitim, weil das Kirchenrecht (in diesen wie vielen anderen Punkten) objektiv "ungerecht" ist.

 

Das alles liegt auf der Hand und könnte leicht durchgezogen werden, wenn nicht in der Plattform Wir sind Kirche (und in anderen Reformbewegungen) manche Leute kalte Füße bekämen, wenn die Amtskirche die Karte "Exkommunikation" ins Spiel bringt. Wer dies ernst nimmt, glaubt offenbar noch immer, dass der Papst (und die Bischöfe) die Schlüssel zum Himmelreich in der Hand hätten und darüber nach Gutdünken verfügen könnten. Wenn wir -um die Terminologie dieser Kleingläubigen zu verwenden - der Amtskirche zugestehen festzulegen, wo die "rote Linie" verläuft, die man nicht überschreiten darf, haben wir schon verloren. Auch in der DDR haben die Behörden dauernd versucht, rote Linie zu definieren, die man nicht überschreiten dürfe, und beabsichtigt, wenn dies doch geschehen sollt, gewaltsam gegen die Dissidenten vorzugehen. Und nur, weil sich dieselben von diesen "roten Linien" nicht haben abschrecken lassen, ist die Wende in der DDR gekommen und die Mauer gefallen.

 

Wir haben weder mit der Inhaftierung in einem STASI-Gefängnis (auch wenn die Amtskirche gerne noch das bracchium saeculare gegen uns einsetzen würde) noch die Einweisung in eine Irrenanstalt zu befürchten, selbst wenn der Bischof meinen sollte (was ich bezweifle), dass die Exkommunikation mindestens genauso schlimm sei. Aber wir – die Reformbewegung – haben nicht die Exkommunikation zu fürchten, sondern das, was (damals zu Unrecht) deutschen Politikern am Ende des Erstens Weltkriegs vorgeworfen wurde, nämlich: der deutschen Armee in den Rücken gefallen zu sein. Die Agitation aus den eigenen Reihen gegen Eure "prophetische" Tat ist ein Dolchstoß, der uns alle trifft, und wird nie als "Dolchstoßlegende" zu beschönigen sein.

 

Der "Fall Heizer" ist ein Katalysator für die gesamte Reformbewegung; hier wird sich die Spreu vom Weizen scheiden, also jene, die im Zweifel lieber in Harmonie mit der Amtskirche leben und bei scharfen Protesten derselben gegebenenfalls ihre Reformziele zurückstellen (oder "neu definieren") wollen, von jenen, die den Reformweg unbeirrt vorangehen, weil sie wissen, dass die "Amtskirche" nicht die Kirche ist, und weil sie glauben, dass Reformen, wenn es sein muss (und heute muss es sein) - auch gegen die Amtskirche erzwungen werden müssen.

 

Es ist grotesk, dass (fast) jede/r in der Reformbewegung bereit ist, Proteste der Amtskirche gegen angeblich "unkirchliches" Vorgehen zu ignorieren, aber viele auf den Allerwertesten fallen, wenn die Amtskirche diese Proteste mit einer "Exkommunikation" zu überhöhen versucht. Eine solche Exkommunikation hat nur so viel Gewicht, wie die Regeln, die mit ihr durchgesetzt werden sollen; und wenn die Regeln nicht (unbedingt) beachtlich sind, dann ist auch die Exkommunikation genauso viel oder weniger beachtlich. (Für diese Position können wir uns u.a. auf die wohl auch von der Amtskirche als nicht ganz unbedeutend eingestuften Theologen Thomas von Aquin und Franciscus de Vitoria berufen.)

 

Ich werde versuchen, über den Sommer noch ein paar Gedanken über "priesterlose" Eucharistiefeiern und ihren "Wert" zusammenzustellen. Aber darauf kommt es letztlich nicht an. Gegen Christen, die ihrem Gewissen folgen (wie irrig es nach Auffassung der Amtskirche auch immer es sein mag), ist mit Argumenten, aber nicht mit Exkommunikation vorzugehen. Das ist (in der Gesellschaft und damit auch) in der Kirche von heute eine rote Linie, die wir der Amtskirche klar machen müssen.

 

Der Bischof wird das vielleicht nicht gleich einsehen (wollen) (er steht ja unter dem Druck der Kurie in Rom und der Denunzianten im eigenen Land), doch dies schadet wenig; aber wenn die ängstlichen Freunde aus unseren Reihen dies nicht einsehen, dann wirft uns das weit zurück.

 

Mit lieben Grüßen, auch an Gert,

Heribert Franz Köck

 

 

Artikelempfehlungen

20.02.2013, Thomas Plankensteiner   Der (Mit)Initiator des Kirchenvoks-Begehrens Dr. Thomas Plankensteiner hat in einem...
09.09.2014   Am 01. September 2014 hat der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, in einem 26 Seiten umfassenden Dokument...
11.03.2013, Herbert Kohlmaier   Woran die Kirche leidet  Der Apostolische Nuntius in Deutschland Erzbischof Jean-Claude...