OFFENER BRIEF an Weihbischof Laun

23.01.2009, Gidi Außerhofer

 

Der Salzburger Pfarrer Mag. Gidi Außerhofer antwortet auf einen Kommentar von Weihbischof Andreas Laun zur "umstrittenen Österreichischen Pastoraltagung in der Erzdiözese Salzburg".

Die Plattform "Wir sind Kirche" hat sich im Anschluss an die Pastoraltagung an die Diözesanbischöfe gewandt.

 

Mag. Außerhofer Gidi
Kirchenstr. 1
5411 Oberalm          2009 01 16

Betr.: Klartext von WB A.Laun im RB v.18.1.09

 

Sg. Herrn
Weihbischof
Dr.Andreas LAUN OSFS
Kapitelplatz 2
5020 Salzburg

 

Sehr geehrter Herr Weihbischof Laun!

Der „Klartext“ in der Kirchenzeitung ist nichts anderes als Polemik, mit der du Widerstand gegen die „Zeichen der Zeit“ leisten willst. Damit gibst du dich einmal mehr als einer zu erkennen, der den Auftrag des 2.Vat.Konzils nicht wahrhaben will. Dies ist so offensichtlich wie auch, dass du das Thema der Pastoraltagung völlig missverstanden hast. Dazu kommt dein eigenartiges Verständnis, wie die Kirche geführt wird. Schon deine Aussage, dass „der Herr Seine Kirche durch Papst Benedikt führt“ ist missverständlich. Es ist Lehre der Kirche, dass sie von Gottes Geist als Lebensprinzip geführt wird (vgl. KKK 852). In ihrer sichtbaren Gestalt steht sie auf dem Fundament der Apostel und wird durch das Papstamt im Dienst für die Einheit und durch den Hirtendienst der Bischöfe geleitet.

 

Damit am Grundauftrag der Kirche alle Getauften und Gefirmten Anteil nehmen können bedarf es immer wieder der Erneuerung der zeitbedingten Strukturen und Ämter. Darüber nachzudenken war Thema der diesjährigen Tagung des Pastoralinstitutes der österreichischen Bischofskonferenz. Kein Rütteln an Dogmen, aber Darstellung von Erkenntnissen, die für die Seelsorge und die Überwindung der Kirchenkrise vonnöten sind.

Deine Aussagen zeugen davon, wie wenig du wirklich die Gemeindeprobleme wahrnimmst. Wer als Seelsorger in 2 oder mehreren Gemeinden tagtäglich seinen Dienst tut, weiß wie not-wendend“ es wäre, wenn die angesprochenen Amtsfragen endlich ernsthaft von den Bischöfen mit Rom besprochen und einer Lösung zugeführt würden. Wenn auch nicht alle Fragen der Seelsorge mit der Veränderung der Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Amt geklärt werden können, so wäre es wenigstens wichtig diese anzugehen, weil - wie Bischöfe selbst betonen – in der "Hierarchie der Wahrheiten" die Eucharistie höher zu werten ist als die Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Amt.

 

Damit die Kirche „Nahversorgerin für die Seele“ (Bischof A.Schwarz) bleiben könne, muss sie gewährleisten, dass die entsprechenden priesterlichen Dienste ermöglicht werden. Es gibt dafür viele verheiratete wie unverheiratete Frauen und Männer, denen die Amtskirche die Ausübung ihrer Berufung nicht länger vorenthalten dürfte. Ein solcher Schritt wäre auch Ausdruck wie ernst es der Kirche insgesamt mit ihrem "JA zum Leben" ist.

Lieber WB Andreas, dein „Text“ macht „klar“, wie sehr du mit deinen Aussagen das Bischofsamt konterkarierst. Du zeigst damit, wie erstarrt und „gelähmt“ Teile der Kirchenleitung sind. Der Bischofsdienst sollte vielmehr in geisterfüllter Weise im Dienst am Reich Gottes stehen, anstatt in der Ablehnung dessen, was die Kirche braucht: das prophetische Erkennen der „Zeichen der Zeit“ und ihre Umsetzung im jesuanischen Sinn!

                                                                  Gidi Außerhofer

 

 

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