EINSEITIG, EINÄUGIG, EINARMIG

24.01.2009, Dr. Martha Heizer & Hans Peter Hurka

 

 "Wir sind Kirche" meint zur Aufhebung der Exkommunikation der vier ultrakonservativen lefebvrianischen Bischöfe der schismatischen "Priesterbruderschaft Pius X": "Das römische Kirchenschiff hat schwere Schlagseite". 

 

 

Papst Benedikt XVI. hat also die vier ultrakonservativen lefebvrianischen Bischöfe wieder in den Schoß der Mutter Kirche aufgenommen. Sie waren vom verstorbenen Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 unerlaubt geweiht worden. Das mag als ein erfreuliches Zeichen für die Versöhnungsbereitschaft des Papstes gesehen werden. Sein Bedürfnis nach Einheit scheint ja groß.

Papst Benedikt XVI. habe seine Entscheidung nach einem längeren Dialogprozess des Heiligen Stuhls mit der schismatischen "Priesterbruderschaft Pius X." getroffen, heißt es in der Vatikan-Erklärung. Die Bitte um Wiederaufnahme und ein Schwur zur Treue und Gehorsam reichen, dass die Traditionalisten zurückgeholt werden. Der Papst streckt seinen Arm aus und heißt sie willkommen. Es bleibt aber ein schaler Geschmack: Hat Benedikt XVI. nicht zwei Hände? 

Die Lefebvrianer lehnen zahlreiche Reformen und verpflichtende Festlegungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, so das Selbstverständnis der Kirche, die Haltung zu den anderen christlichen Kirchen und zu den nichtchristlichen Religionen sowie die Aussagen zur Religionsfreiheit.

Die Aufhebung der Exkommunikation zeigt die rückwärtsgewandte Ausrichtung des Pontifikats von Benedikt XVI. Gerade am 25. Jänner erinnern wir uns an die Ankündigung Johannes XXIII. vor 50 Jahren, ein Konzil zu beginnen. Wir erinnern uns an das mutige Aggiornamento (Heutig-Machen) und an die großherzige Bereitschaft zur Öffnung. Wäre es nicht gerade jetzt an der Zeit, mit der zweiten Hand auch all jene heimzuholen, die mit Lehrverboten und Exkommunikation bestraft wurden, weil sie die gute Nachricht Jesu auch politisch-strukturell für die Armen dieser Welt einsetzen oder Frauen zu Priesterinnen weihen oder für Kondome zum Schutz vor AIDS eintreten?

Das Bild, das Benedikt XVI. vermittelt, ist keineswegs zukunftsorientiert, sondern es klebt an der Vergangenheit. Viele engagierte Christen und Christinnen aus allen Teilen der Welt wurden exkommuniziert, weil sie ungewohnte Handlungen setzten, um die Kirche „ins Heute“ zu holen. Ihnen gelten die ausgestreckten Arme des Papstes nicht, sie heißt er nach wie vor nicht willkommen.

Der Tag „Pauli Bekehrung“, den die Kirche am 25. Jänner feiert, erinnert uns auch daran, dass große Kirchenfürsten manchmal vom hohen Ross herunter müssen, um sich für das Neue zu öffnen.

                    Für den Vorstand der Plattform "Wir sind Kirche": Dr. Martha Heizer und Hans Peter Hurka

 

HINTERGRUND:

 

Dekret zur Exkommunikation vom 2. Juli 1988

Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation der 4 Lefebvre-Bischöfe vom 21. Jänner 2009

Pressemitteilung des Generaloberen der Piusbruderschaft

 

 Reaktionen aus den Pfarren:

 

Der PGR der Pfarre Puchkirchen in Oberösterreich hat Papst Benedikt XVI. einen Brief geschrieben.

Reaktion der Steyler Missionare in Österreich:

Presseaussendung der Steyler Missionare

 

Piusbrüder im Geiste

 

Ein Auszug aus einer Fülle von Medienberichten:

 

„Wir sind Kirche“ kritisiert Papst-Entscheidung, berichtet am 24. Jänner 2009 Der Standard: (http://derstandard.at/?url=/?id=1231152795620)

 

Die Süddeutsche titelt am 24. Jänner 2009: Papst rehabilitiert Holocaust-Leugner "Ein abscheulicher Lügner": (http://www.sueddeutsche.de/politik/282/455954/text/)

 

Als erster Österreichischer Bischof meldet sich Helmut Krätzl im Radio Vatikan zu Wort. Er verlangt, „Pius-Bruderschaft“ soll Zweites Vatikanum anerkennen. Einen Tag später, am 26. Jänner berichtet das auch die kathpress. (http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23806.html)

 

Zum Holocaust-Gedenktag stellt Kardinal Schönborn in einem Brief an Oberrabbiner Eisenberg fest: "Leugnung der Shoah ist beschämend und beängstigend" (http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23795.html)

 

Die katholische Presseagentur Österreichs berichtet am 26. Jänner 2009, Lefebvrianer bleiben bei ihren Überzeugungen(http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23808.html)

 

„Papst hebt Exkommunikation von Holocaust-Leugner auf“, titelt die Kleine Zeitung am 26. Jänner 2009: (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/1746293/index.do)

 

Der Standard berichtet am 27. Jänner 2009: "Holocaust-Bischof": Benedikt, der Verenger; (http://derstandard.at/?url=/?id=1231153052417)

 

Der Tagesspiegel berichtet am 27. Jänner 2009: Traditionalisten bitten beim Papst um Vergebung, Die Anhänger des Erzbischofs Lefebvre haben sich öffentlich für die Äußerungen zum Holocaust ihres Mitbruders entschuldigt. (http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Papst-Holocaust;art123,...)

 

 „Katholisches“, Magazin für Kirche und Kultur berichtet am 27. Jänner 2009: Fellay entschuldigt sich wegen Williamson beim Papst und „allen Menschen gutenWillens“ (http://www.katholisches.info/?p=2669)

 

Der Münchner Kirchenrechtler, P. Stephan Hearing meint, Lefebvrianische Priester sind weiter suspendiert, berichtet am 27. Jänner 2009 die Katholische Presseagentur Österreichs.(http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23812.html)

 

Bischof Egon Kapellari wird von Kathpress am 27. Jänner 2009 zitiert: „Die Rückkehr der lefebvrianischen Bischöfe in die katholische Kirche kann für die Kirche im Ganzen in keiner Weise als Abschied vom Zweiten Vatikanischen Konzil verstanden werden. Zum Konzil haben sich ja seither alle Päpste immer wieder bekannt"  (http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23809.html)

 

© ZEIT online, berichtet am| 27.01.2009 21:53: Verleugnung des Holocaust: Traditionalisten bitten beim Papst um Vergebung(http://www.zeit.de/news/artikel/2009/01/27/2717253.xml)

 

Die Süddeutsche berichtet am 27. Jänner 2009: Vatikan und Holocaust-Leugner, Offener Brief an den Papst, In einem Entschuldigungsschreibenwenden sich drei der rehabilitierten Lefebvre-Traditionalisten an den Papst - und bitten um Vergebung für ihren Mitbruder Williamson. (http://www.sueddeutsche.de/politik/655/456324/text/)

 

Am 27. Jänner 2009 berichtet die Süddeutsche: Papst überging zuständigen Kardinal: (http://www.sueddeutsche.de/politik/581/456250/text/)

 

Am 27. Jänner 2009 nimmt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Frankfurter, Salomon Korn, im Gespräch zur Entscheidung des Papstes Stellung: (http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E2FE9A44776...)

 

„Es ist ihnen rechtlich untersagt, ihr Bischofsamt auszuüben“, zitiert kath.net am 27. Jänner 2009 die Schweizer Bischofskonferenz: (http://www.kath.net/detail.php?id=21950)

 

Michael Prüller berichtet am 28. Jänner 2009 in Die Presse: Das verdunkelte Bild der Kirche: (http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/447496/index.do)

 

Heinz- Joachim Fischer berichtet am 28. Jänner 2009 in der Die Frankfurter Allgemeine Zeitung: Moralisch und historisch inakzeptabel: (http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E3CEFF5B7CE...)

 

Die Frankfurter Rundschau berichtet am 28. Jänner 2009 über Beifall von ganz rechts für den Papst (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1666343_Beifall-v...)

 

Die Süddeutsche berichtet am 28. Jänner 2009: „Der rätselhafte Papst“, Ein Papst sollte die Kirche nicht nur nach innen einen, sondern auch nach außen Brücken bauen - Papst Benedikt XVI. jedoch widerlegt gerade seine ehemals programmatischen Werte. Ein Kommentar von Stefan Ulrich  (http://www.sueddeutsche.de/politik/629/456298/text/)

 

Im Tagesspiegel vom 28. Jänner 2009  "Der Holocaust ist eine Lüge", Ein Porträt des britischen Bischofs Richard Willamson von Matthias Thibaut (http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Holocaust-Gedenken-Richard...)

 

„Es gibt kein Zurück hinter das Zweite Vatikanum“ stellt Bischof Scheuer am 28. Jänner in der KatholischenPresseagentor Österreichs fest: (http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/23834.html)

 

Kein „lefebvrianischer Aufschwung“ in Vorarlberg sagt Bischof Elmar Fischer lt. kathpress am 28. Jänner 2009: (http://www.kath-kirche-vorarlberg.at/organisation/bischof-von-feldkirch/...)

 

kathpress berichtet am 29. Jänner 2009: „Der Papst greift ein“ (http://www.kathpress.at/content/site/nachrichten/database/23858.html)

 

Kardinal Schönborn am 29. Jänner 2009 im ORF/ZIB 2: "Bei der Aufhebung der Exkommunikation des britischen Bischofs Richard Williams seien im Vatikan Fehler passiert" (http://wien.orf.at/stories/338793/

 

4. Feber 2009 Vatikan stellt kar: Williamson muss alles zurücknehmen

 

4. Feber 2009 Planyafsky im Standard zur Aufhebung des Exkommunikation: http://derstandard.at/?url=/?id=1233586720437

 

6. Feber 2009 Bischof Müller: Holocaustleugner raus aus dem Klerikerstand: http://www.regensburg-digital.de/?p=2220

 

 

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