Geöffnete Türen nicht wieder zuschlagen!
Problematische Initiative von vier emeritierten Kardinälen - Lob für österreichische Bischofskonferenz

Als krasser Gegensatz zum Anliegen des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ erscheint das vor kurzem veröffentlichte Schreiben von vier emeritierten Kardinälen, den deutschen Walter Brandmüller und Joachim Meisner, dem Amerikaner Raymond Burke und dem Italiener Carlo Caffara. Damit verunglimpfen sie nicht nur heute notwendige Reformen, sondern verweigern den Menschen Gottes Barmherzigkeit.

 

Wie aus den Medien zu erfahren ist, haben sie an den Papst appelliert, mehr Klarheit über den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten zu schaffen. Wie wohl nicht anders zu erwarten war, versuchen diese vier Kardinäle, mit ihren fünf als Fragen deklarierten Zweifeln die von Papst Johannes Paul II. und seinem damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Joseph Ratzinger in verschiedenen Dokumenten dargelegte Sicht als unabänderlich für alle Zukunft festzuschreiben. Ihnen geht es um die Existenz absoluter moralischer Normen sowie um die Kontrolle der Gewissen durch die Kirche ohne jede Ausnahme. In ihrer „Sorge um das Heil der Seelen“ gehen die vier Kardinäle von Forderungen aus, die Jesus nicht stellte und von denen schon Paulus und Matthäus ausdrücklich abgewichen sind. 

 

In der Ehe- und Sexuallehre der katholischen Kirche hat Papst Franziskus mit der Einberufung der beiden Familiensynoden und seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ jedoch eine neue Sichtweise auf die menschliche Sexualität aufgezeigt und neue pastorale Möglichkeiten gerade für die Menschen eröffnet, die durch die bisherige allzu rigide, legalistische Lehre vom Sakramentenempfang und damit auch von der vollen Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen sind. Bis jetzt ist allerdings – mit Ausnahme einer argentinischen Bischofskonferenz – wohl noch keine andere nationale Bischofskonferenz der Aufforderung des Papstes gefolgt, für den jeweiligen Kulturraum angemessene Fortschreibungen einer menschengerechten Ehe- und Familienpastoral zu entwickeln.

 

Gerade dafür ist “Wir sind Kirche” der österreichischen Bischofskonferenz dankbar. Die neue Offenheit soll nicht wieder durch Reglementierungen verunmöglicht werden. Der Sakramentenempfang von Geschiedenen Wiederverheirateten soll an der Basis von den Betroffenen selbst entschieden werden können, gemeinsam mit ihrem Seelsorger. Eine klare, einheitliche Regelung für alle ohne Rücksicht auf den Einzelfall kann es hier nicht geben. Das würde zu oft dem Anspruch der Barmherzigkeit nicht genügen. Das haben die österreichischen Bischöfe erkannt – und dafür gebührt ihnen Anerkennung.

 

Text des Schreibens der Kardinäle: www.gloria.tv/article/3ajMh1Rs2Fze2BJdG6gjeBV14

 

Papst Franziskus: "Einige verstehen es nicht"

In einem Interview in der italienischen Zeitung "Avvenire" hat Franziskus deutlich den Vorwurf zurückgewiesen, nicht klar genug im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu sein.

www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/einige-verstehen-es-nicht

 

Pope Francis dismisses critics of his teachings:
https://www.ncronline.org/news/vatican/pope-francis-dismisses-critics-his-teachings?utm_source=Nov18_+BNEWS_%28PF+dismiss+critics%29&utm_campaign=Email+Reese+9-2-16&utm_medium=email
 

 

 

Für die Plattform „Wir sind Kirche“-Österreich:

Dr. Martha Heizer, martha.heizer@inode.at, 0650 4168500

Mag. Petra Schäffer, petra.schaeffer@aon.at, 0664/5610273

 

 

Artikelempfehlungen

  Im Internet und auch per Post   Frauen und ihre Stellung in der römisch-katholischen Kirche – dieses seit Ewigkeiten...
Die heute zu Ende gegangene außerordentliche Synode hat für die gesamte Kirche einen längst über­fälligen, breiten und...
Die Plattform Wir sind Kirche hofft nicht, dass mit der Seligsprechung von Papst Paul VI. der weitere Verlauf der von...