Ad-limina-Besuch: diesmal weiblich!

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Schweizer Frauen tragen ihre Perspektiven nach Rom.

Traditionellerweise versteht man unter einem Ad-limina-Besuch die alle fünf Jahre vorgeschriebene Visite der Bischöfe eines Landes beim Papst und seinen Mitarbeitern. So zumindest sieht es das Kirchenrecht in seinen Canones 399 und 400 vor; der Begriff selbst gibt dem Arbeitsbesuch freilich den Anstrich einer Pilgerfahrt, bedeutet "ad limina" doch "bei den Türschwellen", womit nicht die Türschwellen des Apostolischen Palastes, sondern explizit jene der Grabeskirchen der Apostel Petrus und Paulus gemeint sind.

Vom 2. bis 5. Juli 2026 ist es jedoch eine weibliche Delegation aus der Schweiz, die sich zu einem Ad-limina-Besuch in Rom aufhält. 18 Frauen aus allen Schweizer Diözesen bringen im Vatikan ihre Perspektiven ein, kommen mit Vertreter:innen der Kurie sowie internationalen katholischen Netzwerken ins Gespräch und machen die Anliegen von Frauen in der Kirche sichtbar.

Ihr Besuch findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums einer Pilgerreise statt, die Schweizer Frauen 2016 zu Fuß von St. Gallen nach Rom gemacht haben. Die aktuelle Reise knüpft daran an und verbindet sie mit Netzwerkarbeit.

Die Zahl der möglichen weiblichen Ansprechpartnerinnen im Vatikan ist seit der Pilgerreise 2016 deutlich gestiegen, insbesondere auch in den letzten Jahren. Aufsehen erregte die Ernennung der italienischen Ordensschwester Simona Brambilla im Jänner 2025 durch Papst Franziskus zur Präfektin des Dikasteriums für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens. Sie wurde damit zur ersten Frau in der Kirchengeschichte, die eine Vatikanbehörde leitete. Die ebenfalls italienische Ordensschwester Raffaella Petrini ist seit März 2025 als Präsidentin des Governatorats Regierungschefin der Vatikanstadt.

Auch unter Papst Leo gab es schon bemerkenswerte Ernennungen von Frauen: Im Juni 2026 wurde zunächst die gebürtige Mexikanerin Maria Montserrat Alvarado zur Präfektin des vatikanischen Kommunikationsdikasteriums ernannt und wenig später die italienische Ordensschwester Alessandra Smerilli zur Präfektin des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Die Katholische Frauenbewegung Österreichs nannte die Berufung von Sr. Alessandra Smerilli historisch und sprach von einem Tag der Freude für alle katholischen Frauen weltweit: „Drei Präfektinnen innerhalb weniger als zweier Jahre, das ist kein Zufall, sondern Programm. Hier zeigt sich ein Pontifikat, das Frauen tatsächlich Leitungsverantwortung anvertraut, nicht nur darüber spricht", betont Angelika Ritter-Grepl, die Bundesvorsitzende der KFB und ergänzt: „Als kfbö beobachten wir diese Entwicklung mit großer Hoffnung und mit der klaren Erwartung, dass ihr weitere Schritte folgen."

Die Schweizer Gruppe, die sich nun zu ihrem Ad-limina-Besuch in Rom aufhält, trifft im Vatikan mit mehreren Gesprächspartnerinnen zusammen. Unter ihnen sind Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin des Synodensekretariats, die eine der prägenden Persönlichkeiten des weltweiten synodalen Prozesses ist, Schwester Linda Pocher, Theologin und Beraterin des Papstes zu Fragen der Rolle der Frau in der Kirche und Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Das Dikasterium entwickelt unter anderem die weltkirchlichen Leitlinien zur Beteiligung von Laien, zur Familienpastoral und zur Förderung der Stellung von Frauen in der Kirche.

Neben den Gesprächen im Vatikan trifft die Delegation aber auch Frauen, die sich international für Reformen und Gleichberechtigung in der Kirche engagieren. U.a. sind dies Kate McElwee, Direktorin der Women's Ordination Conference, Sr. Maria Cimperman, Vertreterin der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG), die sich weltweit für Synodalität und die Mitwirkung von Frauen in kirchlichen Leitungsprozessen engagiert und Lavinia Rocchi Carrera, Generalsekretärin der Weltunion der katholischen Frauenverbände (WUCWO).