Es war eine sogenannte Zukunftswerkstatt im Rahmen einer bischöflichen Visitation, auf der der hessische Pfarrer Andreas Unfried bekanntgab, dass er seinen Dienst als katholischer Priester aufgebe. In freien Worten teilte er seine Entscheidung vor etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit, die ihm dafür langen Applaus spendeten. Wenig später wurde auf der Homepage der Pfarre sein Abschiedsbrief an die Katholik:innen der Großpfarre veröffentlicht, in dem er den Grund seines Ausscheidens aus dem priesterlichen Dienst offen kommuniziert: "Der Grund ist, dass ich heiraten werde. Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe. Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen. Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt ist zwingend und mir bewusst."
Unfried geht nicht in Streit oder Bitternis: "Ich bin meiner Kirche dankbar, dass sie mein Talent in so reicher Weise erkannt und gefördert hat. Ich durfte in 37 Dienstjahren und auch in den Jahren der Vorbereitung darauf wachsen und reifen und habe meine Kirche stets als förderlich und wohlwollend erfahren. Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin." Um die Ehelosigkeit, die die röm.kath. Kirche von ihren Priestern verlange, habe er sich bemüht, er müsse aber anerkennen, dass er dieses Charisma nicht in sich trage und wende sich nun der Frau zu, die lange auf ihn gewartet habe.
Nun beendet Unfried die Zeit, in der er einerseits das öffentlich sichtbare Leben des Priesters und Pfarrers führte und andererseits doch auch bereits ein privates Leben mit einer Frau kannte, die er seine "große Liebe" nennt. Laut Bistum ist Unfried mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert. Wie es für ihn beruflich weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Unfried ist 63 Jahre alt und gehört zu den über Jahre erfahrenen Geistlichen des Bistums Limburg. Er ist aber nicht der erste, der wegen des Zölibats geht: Laut katholisch.de verlor das Bistum in den vergangenen 15 Jahren sechs Priester wegen "Verstößen gegen die Zölibatsverpflichtung."
Im Synodalen Weg hat sich die Katholische Kirche Deutschlands bereits 2022 mit großer Mehrheit für eine Lockerung der priesterlichen Zölibatsverpflichtung ausgesprochen. Auch das Kirchenvolkbegehren 1995 hatte die Freiwilligkeit des Zölibats auf der Agenda und 1970 unterzeichneten neun prominente katholische Theologen - unter ihnen auch der spätere Papst Benedikt XVI. sowie die späteren Kardinäle Walter Kaspar und Karl Lehmann - ein sogenanntes Memorandum, in dem sie die deutschen Bischöfe baten, den Pflichtzölibat für Priester auf den Prüfstand zu stellen.