Unter Leo XIV. hat sich der Vatikan bislang als gut geführte Organisation gezeigt, in der nicht alles sofort an die Öffentlichkeit gespült wird. Leaks wie es sie v.a. am Ende der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. gab, liegen in weiter Ferne. Die Veröffentlichung von Leos Enzyklika "Magnifica humanitas" im Mai 2026 war ein organisatorisches Meisterstück. Bis zu ihrer Präsentation durch den Papst höchstpersönlich waren keinerlei Details über das Schreiben nach außen gedrungen.
Beim Konsistorium, das Leo XIV. für Ende Juni einberufen hat, liegen die Dinge anders. Das mag auch mit der kircheninternen Relevanz eines Konsistoriums zu tun haben: Da könnte es um Weichenstellungen für die Ausrichtung der Kirche gehen und das rechtfertigt für manchen Insider offensichtlich auch Stimmungsmache, Geschwätzigkeit oder gar Geheimnisverrat. Am 17. Juni machten laut katholisch.de verschiedene Internetblogs und Portale aus dem konservativen Spektrum ein als vertraulich gekennzeichnetes Arbeitspapier öffentlich.
Demzufolge sind für die Kardinäle vier thematische Arbeitseinheiten vorgesehen: In der ersten Sitzung geht es um die Leitfrage "In welcher Welt sind wir berufen, das Evangelium zu verkünden?". Dabei steht im Mittelpunkt, welche Spannungen, Leiden und Fragen derzeit die Völker und kirchlichen Gemeinschaften prägen.
Bei einer weiteren Sitzung geht es um "Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe"; Grundlage dieser Diskussion soll die kürzlich veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" sein; die Kardinäle sind aufgerufen darüber zu diskutieren, wie sich Kriege, gesellschaftliche Polarisierung und internationale Spannungen auf das Leben der Kirche auswirken und welche Beiträge Christen zu Frieden und Versöhnung leisten können.
Ein drittes Thema steht unter der Überschrift "Das Gute aufbauen: die Baustellen unserer Zeit"; dabei wird die Frage nach dem Gemeinwohl im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Im Arbeitspapier werden gesellschaftliche Brüche, die Erwartungen der Menschen an die Kirche sowie mögliche Initiativen der Ortskirchen und der Weltkirche als zentrale Themenfelder genannt.
In ihrer letzten Sitzung sollen sich die Kardinäle mit dem Stand der Umsetzung der von Papst Franziskus initiierten Weltsynode befassen.
Vorgesehen ist außerdem ein freier Austausch zwischen den Mitgliedern des Kardinalskollegiums und dem Papst. Dabei sind die einzelnen Wortmeldungen auf drei Minuten begrenzt.