„Die Geduld des Kirchenvolkes ist erschöpft!“

Kirchliche Verbände und Gruppen in Deutschland warnen die Bischöfe vor einem "Weiter so …"

Kurz vor der viertägigen Herbstvesammlung der deutschen Bischöfe in Fulda haben kirchliche Verbände und Gruppen in Deutschland die katholischen Bischöfe des Landes zu weiteren Reformschritten aufgerufen. „Die Geduld des Kirchenvolks ist erschöpft“, heißt es laut Meldung der Nachrichtenagentur KNA in einem am 23. 9. 2026 veröffentlichten Appell von Katholischem Deutschen Frauenbund (KDFB), Katholischer Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und „Wir sind Kirche, Deutschland“; Ein „Weiter so innerhalb der traditionellen hierarchischen Strukturen“ führe in die Sackgasse.

Konkret wird gefordert, dass es kirchlich Engagierten und vor allem Frauen trotz der Absage aus dem Vatikan ermöglicht werde, in Gottesdiensten mit Eucharistie zu predigen. „Es braucht Mut sowie kreative und verantwortungsvolle Wege, damit Gottes Wort und die Hoffnungsbotschaft auch durch Lai*innen zu den Menschen gelangen“; zudem seien die Diözesen aufgerufen, die beim Reformdialog „Synodaler Weg“ der Kirche in Deutschland beschlossenen Vereinbarungen vor Ort umzusetzen.

Auch die aktuelle politische Situation wurde von KDFB, kfd und „Wir sind Kirche“ thematisiert: Man sehe die katholische Kirche auch in gesellschaftspolitischer Verantwortung, sich gegen Rechtsextremismus und gegen gesellschaftliche Spaltung zu stellen: „Demokratie lebt von Teilhabe, Dialog, Solidarität und Kompromissbereitschaft. Eine synodale Kirche kann und muss hier Vorbild sein“, heißt es in der Aussendung.

Dass die Sichtweise von KDFB, kfd und „Wir sind Kirche“ eine unter mehreren ist, wurde am gleichen Tag der Aussendung durch ein Interview von katholisch.de mit dem neuen Nuntius in Deutschland deutlich: Darin sprach Erzbischof Hubertus van Megen über seine ersten Eindrücke von der deutschen Kirche und mahnte Geduld ein: „Die Deutschen wollen nach meinem Eindruck oftmals zu schnell zu viel.“

Van Megen, der zuletzt Apostolischer Nuntius in Kenia war, erzählte im Interview auch, wie man Deutschland von Afrika aus sehe: Deutschland sei von Afrika aus gesehen weit weg und die Probleme in Deutschland bestünden in vielen Ländern Afrikas nicht. „Als in Afrika bekannt wurde, dass ich nach Deutschland gehe, gab es viele Reaktionen von Priestern, aber auch von Laien. Sie sagten sinngemäß: >Oh, Sie gehen nach Deutschland. Passen Sie auf! Die wollen eine Kirche, die es gar nicht geben kann.<“ Und der Nuntius ergänzte: „Diese Spannung mit Blick auf den Synodalen Weg geht durch die ganze Weltkirche.“ Demgegenüber betont „Wir sind Kirche“ immer wieder, dass viele Themen des Synodalen Weges auch in anderen Teilen der Weltkirche als dringend erlebt werden. Insbesondere die „Frauenfrage“ wird hier angeführt, was auch mit offiziellen Ergebnissen der Weltsynode (2021-2024) belegt wird.

Hubertus van Megen kritisierte im Interview mit katholisch.de auch die deutsche Fokussierung auf die Machtfrage: „Als Ausländer und jemand, der kein deutscher Muttersprachler ist: Warum sagt man >Macht< und nicht >Autorität< oder >Dienst<? Macht hat für mich etwas Negatives, etwas Unterdrückendes. Ich sehe das auch in vielen Dokumenten des Synodalen Wegs: Macht, Macht, Macht. Die Frage ist dort immer: Wer hat die Macht? Ich finde dieses Wort fast schon gefährlich.“