Seit vielen Jahren ist die Frage der Gleichberechtigung immer wiederkehrendes Thema auf den deutschen Katholikentagen. So auch in Würzburg im Mai 2026: Immerhin 71 der insgesamt 900 Veranstaltungen beschäftigten sich in irgendeiner Form mit der "Frauenfrage". Zwei von ihnen hat der Essener Weihbischof Ludger Schepers maßgeblich mitgestaltet.
Und - für einen Bischof eher ungewöhnlich - er scheut auch vor dem Mikrofon in dieser Frage keine Klarheit: „Wir müssen aufhören, so zu tun, als bräuchten wir noch mehr Arbeitskreise oder theologische Gutachten. Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem“, sagte er am 15. Mai im vollen Kapitelsaal des sogenannten Ökumenischen Klosters am Katholikentag. Es geht für ihn dabei nicht einfach "nur" um die Frauen. Es gehe vielmehr um „die Überlebensfähigkeit des Katholizismus in einer freien Gesellschaft“: Wer Frauen die volle Teilhabe an Ämtern, Weihen und Entscheidungen verweigere, beschädige die Glaubwürdigkeit der Kirche, so Schepers.
Für die Kirchenreformbewegung "Wir sind Kirche", die am Katholikentag auch mit einem eigenen Stand vertreten war, sind die Worte des Weihbischofs Balsam. Schon das Kirchenvolksbegehren 1995, aus dem "Wir sind Kirche" hervorgegangen ist, hatte die Gleichberechtigung von Männern und Frauen als eine der zentralen Zukunftsforderungen für die Kirche positioniert. Dass das Thema Gleichberechtigung auch in der evangelischen Kirche nach wie vor ein Arbeitsthema ist, machte die evangelische Ordensschwester Nicole Grochowina deutlich, die mit Weihbischof Schepers gemeinsam am Podium war.
Der Ruf nach Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche ist freilich kein Thema nur für Deutschland. Das wurde am Katholikentag auch beim Podium „Gott, Gender, Gerechtigkeit: Frauen in der Weltkirche“ deutlich. Dabei verwies Schwester Nirmalini Nazareth, die der indischen Frauen-Ordenskonferenz vorsteht, vor mehreren hundert Gästen im Würzburger Congress Centrum auf die Bedeutung der christlich-religiösen Frauen in Indien. „Frauen sind bei uns überall, sie feiern Gottesdienste – ob ein Priester da ist oder nicht. Wir haben die Kraft dazu in uns, diese Kraft kommt von Gott.“ Das Statement von Sr. Nirmalini Nazareth machte deutlich, dass die häufige Beschwichtigung, die Forderung nach der Frauenweihe wäre ein rein europäisches Thema und sei daher zu relativieren, absolut falsch ist. Das wurde freilich auch schon rund um die Weltsynode in Rom 2023 und 2024 sichtbar.
Die Kirchenreformbewegungen bemühen sich seit Jahren, in der Frauenfrage etwas zu bewegen. Weihbischof Schepers, der am Podium erzählte, dass viele seiner Mitbrüder im Bischofsamt mit dem Thema ringen würden, ermutigte die Menschen im Saal, bei diesem Thema dran zu bleiben und gerade auch die Bischöfe in die Pflicht zu nehmen: „Laden Sie in Ihren Gemeinden vor Ort Ihre Bischöfe zu Gesprächen und Diskussionen ein“. Seine Zuhörer:innen gingen also mit einem Arbeitsauftrag nach Hause. Aber nur so könne sich bei der Gleichberechtigung etwas ändern, so Weihbischof Schepers.
Foto: Nicole Cronauge / Bistum Essen