Am deutschen Katholikentag 2026 in Würzburg, der gleich mehrere Veranstaltungen dem Thema des Sexuellen Missbrauchs widmete, wurde auch über das Sakrament der Beichte diskutiert. Bei einem Podiumsgespräch unter dem Motto "Zwischen Schutz und Schweigen" räumte Bischof Dieser ein, dass Seelsorge aufgrund des gegebenen Machtgefälles ein sensibles Feld sei. Darum sollten alle Beteiligten wissen, dass Behutsamkeit angesagt sei und dem Anderen vermittelt werden solle “Ich tue nichts, was du nicht willst. Ich muss immer darauf achten, dass du eine freie Person vor Gott bist."
Als die Regensburger Pastoraltheologin Ute Leimgruber betonte, kein Priester dürfe ein Kind bei der Beichte auf seine Sexualität ansprechen und Bischof Dieser dem zustimmte, ließen Reaktionen aus dem Publikum darauf schließen, dass manche der Anwesenden aber genau solche Erfahrungen gemacht hatten oder von solchen Erfahrungen wussten. Bischof Dieser rief dazu auf, sich gegen unangemessene Fragen zur Wehr zu setzen und empfahl den Satz "Ich möchte das nicht beantworten." Die Beichte sei kein Verhör, sondern ein Raum, in dem der beichtende Mensch selbst die Themen seinem Gewissen folgend vorbringe. Das müsse dem Beichthörenden bewusst sein, denn sonst handle er im Sinne von Fremdbestimmung.
Bischof Dieser kündigte an, die bei der Veranstaltung in Würzburg geschilderten Erfahrungen persönlich mitzunehmen und sie auch im Blick auf die Priesterausbildung ins Gespräch zu bringen.