Ihr seid nicht Christus!

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Afrikanischer Bischof redet Priesterseminaristen ins Gewissen.

Es war ein denkbar kurzer Artikel, den VATICAN_NEWS am 1. Mai 2026 über eine Feier in Kenia brachte: 5 Sätze, gerade einmal 49 Worte - jeder einzelne Artikel auf wir-sind-kirche.at ist länger. Der Inhalt der wenigen Zeilen aber ist durchaus bemerkenswert:

Mark Kadima, der Bischof der kenianischen Diözese Bungoma nahe der Grenze zu Uganda, redete bei einer Feier den Seminaristen seiner Diözese ins Gewissen. Er mahnte sie, als Priester nicht immer über Politik zu predigen, sondern über Christus, darin läge ihre eigentliche Berufung. Vor allem aber sagte er ihnen: "... was euch gegeben wurde, soll kein Grund sein, auf andere herabzuschauen." Und er ergänzte wörtlich: "Ihr seid nicht Christus."

VATICAN-NEWS ordnet die Worte von Bischof Kadima, der in Rom eine Ausbildung an der päpstlichen Universität Urbaniana sowie an der Päpstlichen Diplomatenakademie genossen hat, nicht weiter ein. Es liegt jedoch nahe, darin ein Bemühen des Bischofs gegen Klerikalismus und klerikalen Standesdünkel zu erblicken. Auffallend ist aber vor allem Kadimas Formulierung "Ihr seid nicht Christus", weil sich diese durchaus in Spannung zum Lehramt der Kirche befindet, hatte Papst Pius XI. 1935 in seiner Enzyklika "Ad catholici sacerdoti" doch erklärt: "Der Priester ist, wie man mit voller Berechtigung zu sagen pflegt, ein zweiter Christus."

Die Kirchenreformbewegungen sehen in einem solchen Priesterbild die theologischen und ideologischen Wurzeln des von Papst Franziskus gegeißelten Klerikalismus; Gerd Heizer von "Wir sind Kirche, Ö" nennt ein solches Priesterbild gar einen "zweiten Sündenfall" – angelehnt daran, dass im Buch Genesis der Sündenfall als Konsequenz dessen geschildert wird, dass Adam und Eva sein wollten wie Gott; das Priesterbild von "Ad catholici sacerdoti", demzufolge der Priester (wie) Christus wäre, würde daher ein abermaliges Erliegen dieser Versuchung und damit einen zweiten Sündenfall bedeuten.

Der Bischof von Bungoma spricht 2026 eine andere Sprache als der Bischof von Rom im Jahr 1935. Er versucht, seine Seminaristen in eine andere – offensichtlich am Gemeinwohl orientierte - Richtung zu lenken. Rückendeckung gibt ihm dabei wohl auch die von Papst Franziskus immer wieder vehement vorgebrachte Kritik am Klerikalismus.