96 Jahre alt werden und bis zuletzt eine zukunftsweisende, frische Vision für die Kirche und vor allem für die Gemeinden verkörpern: Das war Fritz Lobinger gegeben, dem vor kurzem in seiner Wahlheimat verstorbenen emeritierten Bischof von Aliwal in Südafrika. Seine (ganz frühkirchliche) Vision: Von den Gemeinden werden Getaufte ausgewählt und dem Bischof für die Beauftragung mit den priesterlichen und sakramentalen Diensten vorgeschlagen. Natürlich dafür ausgebildet und darin begleitet. Paul Zulehner und Peter Neuner haben dieses „Lobinger-Modell“ in den 1990er-Jahren in Europa bekannt gemacht.
Fast wäre diese Tür bei der Amazonas-Synode vor einigen Jahren in Rom aufgestoßen worden, - aber eben nur fast. Kurz davor habe ich mit Bischof Lobinger telefoniert und ihn gefragt, ob wir seitens der Pfarrer-Initiative für sein Modell "Lobbying" machen sollten. Er meinte damals, dass das nicht notwendig wäre, weil Papst und Synode ohnedies in diese Richtung gehen würden. Schließlich hatte sich auch Papst Franziskus mehrfach positiv zum "Lobinger-Modell" geäußert. Lobinger muss dann wohl sehr enttäuscht gewesen sein.
In meiner Pfarrgemeinde haben wir - noch vor der Amazonas-Synode - begonnen, konkrete Schritte in Richtung "Lobinger-Modell" zu gehen. Dazu wurden von der Gemeinde Frauen und Männer ausgewählt, die sich auf eine Beauftragung durch den Bischof zu den priesterlichen Diensten vorbereiten sollen. Mit ihnen zusammen leite ich, vorerst gemeinsam, die Eucharistiefeier. Dass es in der Kirche zu einer Öffnung in Richtung "Lobinger-Modell" kommen wird, bin ich mir ganz sicher. Nicht nur, weil dieses Modell schon ganz am Anfang der Kirche der Normalfall war. Und weil das Leben der Gemeinden seit dem Pfarrermangel ohne das de facto seelsorglich-priesterliche Engagement der Getauften/"Laien" längst zusammengebrochen wäre. Weniger sicher aber bin ich, wann die Tür zum "Lobinger-Modell" geöffnet werden wird. Für die Bemühungen darum haben wir jetzt jedenfalls einen neuen Begleiter vom Himmel her.