Ein Satz voraus: Mein heuriges Weihnachtsbild, ein Schnappschuss, stellt nicht den heiligen Josef dar, aber ich erlaube mir, Josef nicht als älteren Mann, sondern als einen jungen liebevollen Vater zu denken.
In der Tradition wird Josef, weil er nicht der leibliche Vater von Jesus ist, treffend als „Nährvater“ bezeichnet. Er sorgt fürs Nötige, in jeder Hinsicht. In der Bibel erscheint Josef als ein „Gerechter“. Er ist ein Hörender, auf das, was das Leben (und Gott) von ihm verlangt, und er handelt dementsprechend:
Er steht zu seiner Frau, auch wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllt hat.
Er steht zu seinem Kind, selbst wenn es nicht sein leibliches sein sollte.
Auf dem Bild hat er gerade die Wäsche aufgehängt. Nun trägt er das Kind herum, das Blähungen hat, oder auch sonst getragen werden will, sodass sich seine Frau ausruhen kann.
Und er organisiert die Reise. Endlich können sie nach einer Geburt in schwierigen Umständen nach Hause, nach Nazareth, aber die Verfolgungslage macht es nötig, von dort wieder aufzubrechen, mit unsicherem Ziel. Die kleine Familie kommt lange nicht zur Ruhe. Wird der Sohn deshalb als Erwachsener auch immer unterwegs sein?
Es dauert ein paar Jahre, bis Eltern und Kind sich in ihrer Heimat wieder niederlassen können, Wohnung und Arbeit finden, denn die Familie wächst. Auch für die weiteren Kinder wird Josef gesorgt haben, nach der Arbeit Wäsche aufgehängt und die Kleinsten herumgetragen haben.
Ich denke an die Väter (und Großväter) unserer Zeit. Manche sind wie Josef, kümmern sich um leibliche und fremde Kinder, um alte Eltern, Menschen in Armut und auf der Flucht, bemühen sich um Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Denken als biologische und soziale Väter an eine gute Zukunft für viele und tragen Sorge dafür.
Dass Jesus später so vertrauensvoll von seinem göttlichen Vater spricht, ist wohl auch schon in seiner frühen Kindheit und Vaterbeziehung grundgelegt. Denn welcher Vater gibt seinem Kind einen Stein, wenn es um Brot bittet? (Mt 7,9)
Ich lobe auch die Väter, die Frieden stiften und, biblisch gesprochen, Waffen zu Pflugscharen und Winzermessern umschmieden. Wenn Josef, der ein Hörender war, nach der Geburt seines ersten Sohnes in großer Freude die Botschaft der Engel gehört hat, dann ist ihm klar geworden: Es geht um Frieden unter den Menschen und auf der Erde. Der väterlich-mütterliche Gott lebt unter uns und ist für alle da.
Diese weihnachtliche Erfahrung wünsche ich Dir /Euch, zum Fest und für das ganze Neue Jahr!
Maria Prieler-Woldan
Foto (Maria Prieler-Woldan): Kirchenraum in der Pfarrkirche von Pichl bei Wels, anlässlich „20 Jahre Gedenkzeichen für die ‚Fremdvölkischen‘ Kinder von Etzelsdorf“, 2.11.2025. Rauminstallation: Gefilzte Babyhemdchen, von Elke Sackel. (Näheres zum Thema: Martin Kranzl-Greinecker: Die Kinder von Etzelsdorf. Notizen über ein „Fremdvölkisches Kinderheim“. Verlag Denkmayr, Linz 2005/2018).