Selbst in reformorientierten Kirchenkreisen ist der Name Ludmila Javorová vielen kein Begriff – und das, obwohl Jovoravá seit 1970 Priesterin der katholischen Kirche war. Und damit ein Amt innehatte, dass es offiziell nicht gibt und das seit Jahrzehnten von vielen Katholik:innen vergeblich gefordert wird. Eingeweihten gilt sie daher als Vorbild und Beispiel für die Gleichberechtigung für Frauen im Weihestand der Kirche.
Geweiht wurde die Theologin, die eigentlich Nonne werden wollte, was ihr aufgrund der politischen Umstände jedoch nicht möglich war, im Dezember 1970 von Untergrundbischof Felix Maria Davídek nach geheimen synodalen Prozessen. Davídek verfolgte mit Javorovás Weihe das Ziel, eine dem kommunistischen Regime verborgen bleibende Seelsorge besonders bei inhaftierten Ordensfrauen und anderen weiblichen Gefangenen zu ermöglichen. Eine Frau würden die Kommunisten nicht als „Priester“ verdächtigen. Javorová hatte bereits seit 1964 zu Davídeks engstem Mitarbeiter:innenkreis gehört und am Aufbau der christlichen Untergrundgemeinschaft „Koinótés“ mitgewirkt; schlussendlich hatte sie bei Davídek für 20 Jahre unter schwierigen und politisch äußerst gefährlichen Umständen das Amt der Generalvikarin inne.
Nach der Wende 1989 informierte Ludmilla Javorová den Vatikan über die Umstände ihrer Weihe, ohne zunächst öffentlich darüber zu sprechen. Erst ab 1995 nahm sie öffentlich zu ihrem Priestertum und ihrer Rolle in der Untergrundkirche Stellung. 2001 erschien ihre Biographie in englischer Sprache (Miriam Therese Winter: Out of the Depths. The Story of Ludmila Javorova, Ordained Roman Catholic Priest). Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass ihr der Vatikan 1996 offiziell mitgeteilt hat, ihre Weihe wäre nie gültig gewesen sei. Dementsprechend beklagte Javorová, dass sie ihr Priestertum früher vor dem kommunistischen Regime und später vor dem Vatikan verstecken musste.
Trotz der verwehrten Anerkennung (und sogar einer Exkommunikationsandrohung durch ihren Ortsbischof) blieb sie aber stets Mitglied der römisch-katholischen Kirche und Religionslehrerin. Bis zu ihrem Lebensende war sie überzeugt, zum priesterlichen Dienst berufen und wirksam geweiht worden zu sein. Wie „Wir sind Kirche, Deutschland“ unter Berufung auf Angelika Fromm in einer Presseaussendung anlässlich Javorovás Tod bekanntgab, hat die 1932 Geborene auch den expliziten Wunsch geäußert, dass auf ihrem Grabstein “Röm.-kath. Priesterin“ stehen solle.
Ludmila Javorová war mit anderen Betroffenen von „Koinotés“ auch Trägerin des Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche. Die Anerkennung der Kirchenreformbewegungen ist ihr gewiss. In einer Presseaussendung fordert „Wir sind Kirche, Deutschland“ nun, dass endlich auch der Vatikan Javorovás Priesteramt und ihre Verdienste für die Kirche anerkennen möge.
