Die Vorwürfe reichen an den Anfang der 2000er Jahre zurück und damit in eine Zeit, als der mutmaßliche Betroffene noch minderjährig war. Der Missbrauch soll im Interdiözesanen Priesterseminar in Zagreb begonnen haben, welches auch ein kirchliches Gymnasium beherbergt, in dem Jugendliche schon während der Schulzeit auf den Priesterberuf vorbereitet werden.
Über rund zehn Jahre soll sich der Missbrauch fortgesetzt haben. Während des Theologiestudiums des mutmaßlichen Betroffenen im ostkroatischen Đakovo sollen weitere Übergriffe stattgefunden haben.
2012 soll sich der mutmaßliche Betroffene, der mittlerweile in Wien studierte und für einige Zeit im Wiener Priesterseminar lebte, einem Mitstudenten anvertraut haben, der den Bischof der Diözese Požega informierte, in der der beschuldigte Geistliche tätig ist. Der Bischof leitete zwar eine interne kirchliche Untersuchung ein, deren Ergebnisse Medienberichten zufolge die Vorwürfe stützten, doch der beschuldigte Priester blieb weiterhin in der Seelsorge tätig, stieg in der kirchlichen Karriereleiter weiter auf und wurde schließlich sogar als Bischofskandidat gehandelt.
Wie katholisch.de berichtet, war der Fall offenbar schon vor Jahren über Kroatien hinaus bekannt. Kardinal Christoph Schönborn soll sowohl die kroatischen Bischöfe als auch den Vatikan über die Vorwürfe informiert haben. Ob und welche Konsequenzen das hatte, ist nicht bekannt. Gegenüber kathpress hielt Schönborn am 31. Juli 2026 fest: "Ich vertraue darauf, dass die zuständigen Stellen in Kroatien und im Vatikan die Verfahrensregeln des Apostolischen Schreibens 'Vos estis lux mundi' von Papst Franziskus ... konsequent anwenden." Das päpstliche Schreiben aus dem Jahr 2019 regelt u.a. die Aufsichts- und Rechenschaftspflicht von Bischöfen und Ordensoberen im Umgang mit Verdachtsfällen von Missbrauch.
Doch genau diese Anwendung der kirchlichen Vorgaben steht nun im Zweifel. Katholisch.de zufolge hätten mehrere Priester geäußert, dass sie die Vorwürfe nicht überraschten. Aus ihrer Sicht spreche der bisherige Umgang mit dem Fall für ein systematisches
Nun aber wurde der beschuldigte Geistliche, der zuletzt auch eine leitende Position in einer Einrichtung der kroatischen Bischofskonferenz innehatte, durch den Bischof von Požega suspendiert. Die kroatische Staatsanwaltschaft bestätigte unterdessen, Vorermittlungen aufgenommen zu haben, und die kroatische Polizeit gab bekannt, dass sich weitere Personen mit ähnlichen Vorwürfen gemeldet hätten. Auch in diesen Fällen wären die mutmaßlichen Betroffenen zum Zeitpunkt des Missbrauchs minderjährig gewesen.
3.8.2026