...mit euch bin ich Mensch

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Predigt von Frau Mag. Andrea Leisinger
© KaPilz/Pixabay

Anlässlich des 50-jährigen Dienstjubiläums von Ägidius Außerhofer, Vorstandsmitglied der Pfarrerinitiative und von Wir sind Kirche hat Frau Mag. Andrea Leisinger am 28.6. folgende Predigt gehalten:

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Lieber Gidi! Liebe Feiergemeinde!

Heute ist ein besonderer Tag – ein Tag des Dankes, der Rückschau, der Freude.
Ein halbes Jahrhundert stehst du nun im Dienst des Evangeliums, im Dienst an den Menschen, im Dienst Gottes. Und dieser Dienst lässt sich mit den Worten aus Deiner Einladung beschreiben:

„Zu euch gehöre ich: Für euch bin ich Priester, mit euch bin ich Mensch.“

Diese Worte könnten auch von einem der beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus stammen. Denn genau darum geht es in dieser österlichen Erzählung: um Gemeinschaft, um Wegbegleitung, um das Erkennen des Auferstandenen mitten im Alltag.

1. „Und sie redeten miteinander über all das, was sich ereignet hatte.“ (Lk 24,14)

Zwei Jünger, verwirrt, enttäuscht, ratlos, gehen weg von Jerusalem – weg von der
Hoffnung, die sie mit Jesus verbanden.

Wie oft bist du, lieber Gidi, diesen Weg mitgegangen – mit Trauernden, mit Suchenden, mit Zweifelnden, mit Klagenden?
Wie oft hast du Menschen in Momenten der Sprachlosigkeit zugehört, mit ihnen geredet, mit ihnen das Leben geteilt?

Ein Priester ist nicht der, der schon am Ziel ist – sondern der, der mitgeht.
Der nicht mit Antworten glänzt, sondern Fragen mitträgt. Der nicht über dem Leben steht, sondern mitten darin lebt – und ein Priester mit Herz ist einer, der auch manchmal mitweint und herzhaft lachen kann, der das Leben genießen und auch Beziehung gut leben kann – „mit euch bin ich Mensch.“

2. „Da kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.“ (Lk 24,15)

So schlicht ist das: Jesus geht mit. Ohne großen Auftritt.
Wahrscheinlich auch das Geheimnis deines priesterlichen Dienstes:
Nicht das Rampenlicht, nicht die große Bühne – sondern die stille Nähe. Die Sakramente, die Besuche, die Gespräche, das gemeinsame Gebet.

Und oft warst du es, der in der Gestalt des Wegbegleiters den Auferstandenen sichtbar gemacht hat. Nicht mit lauten Worten, sondern durch die Treue im Alltag.

So wie Jesus auf dem Weg nach Emmaus: ganz nah, ganz menschlich, ganz gegenwärtig, ganz im Augenblick.

3. „Bleib‘ doch bei uns, denn es wird Abend.“ (Lk 24,29)

Ein Ruf, der nicht nur aus Emmaus, sondern aus vielen Häusern deiner Wirkungsorte erklungen ist.
„Bleib bei uns“, Gidi – weil deine Nähe gut tut, weil deine Worte Mut machen, weil deine Gegenwart ein Segen ist.

Und du bist geblieben. 50 Jahre lang. Geblieben trotz so mancher Unzufriedenheit mit Deiner Amtskirche – mit Aussagen von Hirten, die manchmal echt daneben waren.

Du bist geblieben und versuchst zu verändern. Eine geschwisterliche Kirche aufzubauen – von einer Priesterkirche bist Du ganz weit weg. Volle Gleichberechtigung der Frauen einzufordern, freie Wahl von zölibatärer und nicht- zölibatärer Lebensform. Du setzt Dich ein für die positive Bewertung der Sexualität und für die Frohbotschaft. Du nimmst Stellung und setzt Dich ein – auch für mich.

Denn wir alle sind Kirche. Du bist geblieben - nicht als einer, der von oben lehrt, sondern als einer, der da ist – „für euch bin ich Priester.“

Du hast die Eucharistie gefeiert – wie Jesus sie brach – tut dies, so oft ihr es feiert und denkt an mich – so übersetzt können wir vielleicht in diesen Gesten Christus erahnen.

Pilger der Hoffnung – diese großen Worte- von Papst Franziskus eingesetzt – sind ein geistliches Leitbild, das sowohl persönliche als auch kollektive Dimensionen anspricht. Es soll Gläubige motivieren, sich auf einen Weg des Glaubens, der Umkehr, der Versöhnung und des Engagements für eine bessere Welt zu begeben. Und dieses Engagement für eine bessere Welt Gidi, ist bei Dir immer wahrzunehmen.

Pilger: Der Glaube ist ein Weg, keine statische Realität. Christinnen und Christen sollen sich als Menschen auf dem Weg verstehen.

Hoffnung: Angesichts von Krieg, Klimakrise, sozialen Ungleichheiten und Kirchenkrisen soll der Glaube Hoffnung stiften – nicht durch Weltflucht, sondern durch aktives Tun.

Das Motto ist damit auch ein Aufruf zur Erneuerung, Barmherzigkeit, sozialer
Gerechtigkeit und Friedensstiftung. Wenn man das in Deinem Sinn weiterdenkt dann ist das einfach – unterwegs sein mit den Menschen – wenn es Spannungen gibt, diese dann in einem synodalen Prozess zu diskutieren und im besten Fall zu lösen. Es wäre einfach, ist aber nicht leicht.

4. „Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn.“ (Lk 24,31)

Wahrer priesterlicher Dienst führt nicht zu sich selbst, sondern lässt Christus sichtbar werden.
Wo du Brot geteilt hast, hast du Hoffnung geteilt. Wo du Versöhnung gespendet hast, hast du das Herz Gottes spürbar gemacht. Wo du getauft, getraut, gesegnet hast, warst du Werkzeug des lebendigen Gottes.

Du hast geholfen, dass Menschen Christus erkennen konnten – in ihrer Lebensgeschichte, in ihren Niederlagen, in ihrer Freude.

Lieber Gidi, du hast dich mit diesen einfachen, starken Worten in seinen Dienst gestellt: „Zu euch gehöre ich: Für euch bin ich Priester, mit euch bin ich Mensch.“ Das ist kein Programm, das ist ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zu den Menschen, zu Gott, zum Leben.

Ein Bekenntnis, das wir heute dankbar hören dürfen – als Gemeinde, als Kirche, als Weggefährtinnen und Weggefährten, als Freundinnen und Freunde. Und wir sagen heute – ich glaube, dass ich das auch im Namen der vielen, die heute da sind, tun darf - in großer Verbundenheit und tiefer Dankbarkeit:

Danke, dass du mit uns gegangen bist und weiterhin mitgehst – auf unseren Emmauswegen. Danke, dass du uns begleitet hast und weiterhin begleitest – durch Licht und Dunkel.

Danke für Dich – ganz Mensch – ganz nah.