Predigt zum Abgewöhnen

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Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner kritisiert in der Frage der "Laienpredigt" sowohl die deutschen Bischöfe als auch den Vatikan. Und stellt fest, dass manche Predigt geradezu eine "Gottesdienstentwöhnungsmaßnahme" sei.

Im Juni 2026 antwortete der Vatikan in der Person von Kardinal Arthur Roche auf die Bitte der deutschen Bischöfe um Zulassung der "Laienpredigt" im Rahmen der Messe. Der deutshce Synodale Weg hatte sich dafür ausgesprochen und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hatte in Rom dafür ein sogenanntes "Indult" beantragt. Doch die Antwort aus Rom war negativ, wie die deutsche Bischofskonferenz am 23. Juni bekanntgab.

In Deutschland löste das römische Nein eine Vielzahl an Reaktionen aus. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Christian Gärtner, meinte, das Verbot aus Rom gehe an der Realität in Deutschland vorbei, "Wir sind Kirche, Deutschland" sprach von einer "völlig realitätsfernen Prinzipienentscheidung."

In der Sommerausgabe von "KIRCHE IN" nahm nun auch der emeritierte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner in einem ausführlichen Interview zum römischen Statement Stellung. Dabei kritisierte er nicht nur Rom, sondern auch die deutschen Bischöfe, die die Anfrage erst gar nicht nach Rom schicken hätten sollen: "Sie waren sosehr auf die vorsynodale zentralistische Rolle Roms fixiert, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie das alles selbst hätten entscheiden können. Noch mehr: Sie hätten einfach den Entwicklungen in den Gemeinden vertrauen können und gar nichts fragen sollen."

Zulehner geht aber auch auf den Status quo ein und stellt fest, dass die Qualität der Predigt gegenwärtig vielfach zu wünschen lasse, was er mit einer kürzlich durchgeführten Studie der Universität Wien belegt. Und weiter: "Die Predigt erscheint als eine Art Gottesdienstentwöhnungsmaßnahme. Ich gestehe, dass ich mich nicht selten mit autogenem Training über eine Predigt hinwegretten muss."

Schließlich legt der Emeritus den Finger in die Wunde: "Es gilt ... abzuwägen, was für das gläubige Feiern und Leben wichtiger ist: Dass überhaupt gepredigt wird oder dass die gläubige Predigt wegen des Mangels an tauglichen Ordinierten ganz entfällt. Aber wenn manchen Verantwortlichen (auch in Rom) diese Notlösung nicht gefällt: Es wäre leicht, den Weihemangel zu beheben."

Damit spielt Zulehner den Ball doch wieder Rom zu. Den österreichischen Bischöfen aber empfiehlt er, in dieser Frage gar nichts zu tun: "Die Praxis, also die Normativität des Faktischen, wird langfristig erweisen, dass ein römisches Verbot nichts nützen wird. Reform beginnt meistens von unten."

Foto: Christoph Huemer