US-Bundesstaat: Fast 1000 missbrauchte Kinder!

Staatlicher Untersuchungsbericht zu Verbrechen in Massachusetts (USA) führt 270 Geistliche als Täter an. Schutzmaßnahmen immer noch zu lasch.

Der Bericht der Generalstaatsanwaltschaft legt Zahlen zu Sexuellem Missbrauch in den Diözesen Fall River, Springfield und Worcester von den 1950er-Jahren bis heute vor. Darüber hinaus wird im Bericht festgehalten, dass die Diözesanleitungen jahrzehntelang nicht oder zu wenig auf Vorwürfe des sexuellen Kindesmissbrauchs reagiert hätten. Beschuldigte und straffällige Priester seien in andere Pfarreien versetzt worden, ohne die Gründe für die Versetzung offenzulegen. Nach einer Therapie seien Täter ohne angemessene Aufsicht wieder im priesterlichen Dienst eingesetzt worden. Außerdem seien Vorwürfe nicht konsequent an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet worden. 

Das Thema des Sexuellen Missbrauchs erschüttert die katholische Kirche in den USA bereits seit den Enthüllungen des „Boston Globe“ im Jahr 2002. Ausgehend von einem ganz konkreten Fall hatte ein Journalistenteam tiefere Recherchen angestellt und nicht nur zahlreiche weitere Fälle an die Öffentlichkeit gebracht, sondern auch das Vertuschungssystem offengelegt, in dem straffällig gewordene Priester unter Vorspiegelung falscher Gründe einfach in andere Gemeinden versetzt wurden – durchaus in Kenntnis der Diözese und ihres Bischofs. Dieser, Kardinal Bernard Francis Law, zuvor einer der einflussreichsten Bischöfe im US-Episcopat, trat noch im gleichen Jahr von der Leitung der Diözese zurück; Papst Johannes Paul II. ernannte ihn später zum Erzpriester der römischen Basilika Santa Maria Maggiore.

Der Bostoner Missbrauchsskandal 2002 führte zu mehreren staatlichen und kirchlichen Reformen. Im Bundesstaats Massachusetts wurden die Gesetze zum Kinderschutz und zur Meldepflicht verschärft; die drei Diözesen richteten eigene Stellen für Kinderschutz sowie Opferhilfe ein und führten Schulungen sowie Überprüfungen möglicher Vorstrafen der Mitarbeitenden durch. Außerdem wurden neue Verfahren zur Meldung und Untersuchung von Vorwürfen eingerichtet. 

Der Bericht bemängelt nun aber auch die Umsetzung nach 2002. Es gebe Fortschritte, aber die Richtlinien seien nicht konsequent befolgt worden und Ausnahmen hätten häufig die Schutzmaßnahmen für die Kinder untergraben; insbesondere die Diözese Worcester habe bis heute keine öffentlich zugängliche Liste von Geistlichen, gegen die glaubhafte Vorwürfe vorliegen würden.

Der Skandal des Missbrauchs durch Geistliche beschäftigte auch Papst Leo XIV. auf seiner Frankreichreise wenige Tage vor dem neuen Bericht aus den USA. In Lourdes kam es zu einer längeren Begegnung zwischen dem Papst und sieben Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. In einem anschließenden Pressegespräch sagte ein Betroffener, dass der Papst überzeugt sei, dass das Problem eine systemische Dimension habe, die noch nicht überwunden sei. 

Auf der „fliegenden Pressekonferenz“ während des Rückflugs nach Rom bemühte sich der Papst aber, den den Begriff eines systematischen Missbrauchs in der katholischen Kirche zu vermeiden; es gebe zwar einige Organisationen innerhalb der Kirche, die „zuweilen – wenn man so will – “ als System missbräuchlich gehandelt hätten. „Aber ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden: Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem.“