Weiter keine Informationen zum Geheimverfahren gegen Marko Rupnik

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Missbrauchsopfer im Fall Rupnik werfen Vatikan Verschleppung des Verfahrens vor.

Die Missbrauchsvorwürfe um den slowenischen Priester und Ex-Jesuiten Marko Rupnik halten den Vatikan weiter in Atem. Seit gegen den bekannten Künstler, dessen Mosaike lange Zeit auch im Vatikan an prominenter Stelle zu sehen waren, im Jahr 2022 Vorwürfe im Hinblick auf sexuelle Übergriffe bekannt wurden, steht der Vatikan in der Frage der Aufarbeitung dieser Missbrauchsdelikte und seiner Strukturen unter Druck.

Im Dezember 2022 gab der Jesuitenorden bekannt, dass im Jahr 2021 mehrere Nonnen am Dikasterium für die Glaubenslehre eine Anzeige gegen Rupnik eingebracht hätten und daraufhin eine kanonische Untersuchung eingeleitet worden sei. Das Dikasterium wies den Fall schließlich aber ab, da er nach kanonischem Recht bereits verjährt war. Wenig später informierte der Generalobere der Jesuiten allerdings über einen neuerlichen Fall, auf den eine Beschwere aus dem Jahr 2019 zurück gehe und wegen dem Rupnik schließlich mit der Strafe der Exkommunikation belegt wurde: Der Jesuit hatte zuerst eine Frau zum Geschlechtsverkehr genötigt und ihr im Nachhinein in der Beichte dafür die Absolution erteilt. Nachdem Rupnik sein Vergehen eingestanden und bereut hatte, wurde er wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Auf Anordnung von Papst Franziskus wurde 2023 dennoch ein Prozess gegen ihn begonnen. Ebenfalls 2023 schlossen die Jesuiten Rupnik aus dem Orden aus, weil er „sich hartnäckig weigerte, das Gehorsamsgelübde einzuhalten“, es ablehnte, zu Vorwürfen mutmaßlicher weiterer Betroffener Stellung zu nehmen und nicht bereit gewesen sei, in einer anderen Ordensniederlassung eine neue Aufgabe anzunehmen, in der der Orden „ihm eine letzte Chance als Jesuit“ geboten hätte, „mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen und den vielen Geschädigten, die gegen ihn aussagten, ein klares Signal zu geben, um einen Weg der Wahrheit einzuschlagen." Ebenfalls 2023 verfügte das Ordensdikasterium die Auflösung der von Rupnik gegründeten Loyola-Kommunität im slowenischen Ljubljana, einer Schwestergemeinschaft, aus der im Jahr 2024 schließlich zwei ehemalige Mitglieder in Rom öffentlich darüber sprachen, was Rupnik ihnen angetan hat. Im Oktober 2025 teilte der Vatikan mit, dass das Glaubensdikasterium fünf Richter - Frauen und Kleriker ohne Amt in der Kurie - ernannt hat, die sich mit dem Fall zu befassen hätten.

Genau dieser Prozess setzt den Vatikan nun neuerlich unter Druck: Nachdem zu Beginn der Woche mehrere Online-Medien offensichtlich fälschlich verbreitet hatten, dass das Verfahren gegen Rupnik mit einem Freispruch geendet habe, wandte sich die Anwältin von fünf mutmaßlichen Opfern am Dienstag in einem Brief an den Vatikan und protestierte gegen die Geheimhaltung. Am Mittwoch erklärte das vatikanische Presseamt, dass das Verfahren noch im Gange sei und während des laufenden Verfahrens keine Informationen gegeben werden könnten. Außderdem wurde darauf hingewiesen, dass die früher zur Geltung gebrachte Verjährung aufgehoben worden sei.

Laura Sgro, die Anwältin der fünf Frauen, die dem heute 71-jährigen Priester sexuellen Missbrauch vorwerfen, hält mit ihrer Kritik nicht zurück: "Es ist haarsträubend, wie dieser Prozess verläuft. ... Wir haben seit neun Monaten keinerlei Informationen“, kritisiert sie in ihrem Brief an Kardinal Fernandez, den Präfekten des Glaubensdikasteriums. Und sie fragt: „Hat der Prozess begonnen? Wenn ja, wie ist sein Stand? Warum sind diese Frauen nicht als Zeuginnen angehört worden?“, um schließlich festzustellen „Meine Mandantinnen fühlen sich einmal mehr verlassen und verraten.“

Auch für Papst Leo XIV. könnte der Fall Rupnik noch unangenehm werden. Im November 2025 sagte er, dass der Prozess Zeit brauche: "Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren." Dass aber in neun Prozess-Monaten die Opfer offensichtlich nicht ein einziges Mal befragt wurden und keinerlei Transparenz gewährleistet scheint, wie Kritiker monieren, lässt viele an den Absichten des Vatikans zweifeln.

Im September wird Papst Leo den französischen Marienwallfahrtsort Lourdes besuchen. Auf Bitten von Betroffenen wurden Rupniks Mosaike, die die dortige Wallfahrtskirche prominent geschmückt hatten, mittlerweile abgehängt. Es könnte dennoch sein, dass der "Fall Rupnik" den Papst auch bei seiner Lourdes-Visite unangenehm heimsucht.