Wer in der Kirche hat die höchste Autorität?

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Die österreichische Theologin Sr. Martha Zechmeister sagt: die Leidenden.

Der "Theologische Preis für ein Lebenswerk" der Salzburger Hochschulwochen geht 2026 an Martha Zechmeister. Die gebürtige Niederösterreicherin und habilitierte Theologin ist Mitglied der "Congregatio Jesu" (Maria Ward Schwestern) und lehrt an der Universidad Centroamericana "José Simeón Cañas" in San Salvador, wo sie auch Direktorin des Masterstudiengangs "Teología Latinoamericana" ist. Mit ihrem Preis an Zechmeister würdigen die Salzburger Hochschulwochen deren langjährigen Einsatz für die "Option für die Armen" und eine "Mystik der offenen Augen", wie es in der Jury-Begründung heißt.

Im Hinblick auf die Preisverleihung an Martha Zechmeister veröffentlichte die Universität Wien, an der sie sich 1997 habilitiert hat, ein Video-Interview mit Zechmeister, das der Wiener Fundamentaltheologe Wolfgang Treitler mit ihr geführt hat. In diesem betonte die Ordensschwester, dass die höchste Autorität in der Kirche nicht dem Papst zukomme, sondern den Leidenden. Religiöser Gehorsam in der Nachfolge Jesu bedeute nicht, sich blind der Hierarchie zu beugen, sondern sich ganz in den Dienst des leidenden Nächsten nehmen zu lassen, so Sr. Zechmeister: "Unter dieser Autorität der Leidenden stehen alle hierarchischen Instanzen der Kirche – auch der Papst. Und ich glaube, das ist Leo wie Franziskus bewusst."

Die Befreiungstheologin erinnerte auch an den Münsteraner Theologen Johann Baptist Metz (1928-2019), dem sie nicht nur die Rede von der Autorität der Leidenden verdanke, sondern der auch auf den Ruf in die praktische Nachfolge hingewiesen habe: "Ohne den engagierten, konkreten, auch politischen Einsatz für die, die unten sind, hast du von Gott keine Ahnung. Punkt."

Theologie sei heute gefordert, durch die Verzweiflung angesichts der Weltlage hindurch zur Hoffnung zu befähigen. "Diese Hoffnung ist immer ein sozialer Akt, eine theologische Tugend. Nie ein einsamer Akt. Alles andere ist Optimismus", so Zechmeister. Auch wenn ein Einzelner die Welt "nicht aus den Angeln heben" werde, so sei die umgekehrte Option – Apathie und Resignation – keine Alternative. "Ich habe als Christin immer einen Handlungsspielraum - und den muss ich nutzen."

Foto: Sr. Anna Schenck CJ