Werden Priesterinnen die Kirche verändern?

10.02.2011, Mary E. Hunt

 

Ein neuer Dokumentarfilm „Rosa Rauch über dem Vatikan“ von Jules Hart startet eine Auseinandersetzung.

Ein Beitrag von Mary E. Hunt, der in: Religion Versand Magazine, Review, am 8. Februar 2011 erschienen ist.

 

Katholische Priesterinnen sind ein Widerspruch und eine Herausforderung für den Vatikan. Er hält sie automatisch für exkommuniziert, noch bevor das heilige Öl an ihren Händen trocken ist. Andere Katholiken erkennen sie als sakramentale Amtsträgerinnen an und sind begeistert von der Innovation. Doch andere, mich eingeschlossen, wünschen viel tiefere strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche, sodass Priesterschaft seinen besonderen „Palatschinken-Charme“ verliert und dieser Dienst die erhoffte Aufgabe erwachsener Mitglieder wird. Dies ist eine wichtige theologische Auseinandersetzung, von welcher der Vatikan wünscht, dass es sie nicht gäbe. Doch eine Information für den Vatikan: Die Auseinandersetzung hat gerade erst anfangen.

 

“Rosa Rauch über dem Vatikan“ ist ein neuer Dokumentarfilm, der derzeit die Runde macht bei vielen Film-Festivals (Er hat in New York am 12. Februar an der Athena Filmfestival sein Debüt, veranstaltet vom Barnard College). Der Titel des Films bezieht sich auf Proteste in Kirchen in allen Ländern während des Papstwahl-Konklaves im Jahr 2005, nachdem Papst Benedikt XVI gewählt wurde.  Frauen erzeugen rosa Rauch anstelle des traditionellen weißen Rauches, der die Aufmerksamkeit auf die Tatsache der erfolgten Wahl eines Papstes lenkt. Die Frauen richten dadurch die Aufmerksamkeit darauf, dass die Wahl nur eine Männer-Club-Angelegenheit wäre. (Nur Kardinäle unter achtzig Jahre dürfen wählen und es gibt noch keine Frauen als Kardinälinnen.)

 

Katholische Frauen haben bei der Beseitigung von Sexismus aus der Kirche schon seit Jahrzehnten gearbeitet. In diesem gut gemachten Film beschreibt Regisseur und Produzent Jules Hart einige der Höhepunkte dieses Kampfes, besonders den Aspekt der Apartheid am Altar. Ich wünschte, der Film würde mehr von der Geschichte dieses Kampfes erzählen, denn dieser ist komplexer und inhaltsreicher und verdient eine vollständigere Darstellung.

 

Apartheid am Altar: 
Der Film erzählt die Geschichte von Frauen, die gewählt haben, als Teil dessen ordiniert zu werden, was die „Bewegung für römisch-katholisches Frauen-Priestertum“ genannt wird. (Priesterin ist ja nur eine Bezeichnung.) Eine Bewegung, deren Ziel es ist, "ein neues Modell des ordinierten Amtes in einer erneuerten römisch-katholischen Kirche“ zu erreichen. Es gibt schon viele Vorbilder von Frauen in Führungspositionen im Katholizismus. Ich glaube, es wäre wichtig, den Film im Rahmen der größeren Bewegung für Veränderung des Katholizismus zu sehen, die für das 21. Jahrhundert charakteristisch ist, damit die Zuschauer kein unvollständiges Bild erhalten: Ein Teil der Bewegung konzentriert sich in der Tat auf die Ordination von Frauen. Dieser Mangel ist eine der offensichtlichsten Beweise dafür, dass der institutionelle Katholizismus Frauen zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. In dem Film beschreiben viele wunderbare Frauen ihre priesterlichen Berufungen seit der Kindheit, ihren inneren Ruf zum Priester-Dienst und wie sie gekämpft haben, diesem Ruf gerecht zu werden: Patricia Fresen, jetzt eine Bischöfin in der RCWP Gruppe, spricht sachlich-nüchtern über ihre Zeit als Professorin für Homiletik (Predigtlehre) in einem Priester-Ausbildungsinstitut, während sie andererseits vom Predigen wegen ihres Geschlechts ausgeschlossen war. Sie vergleicht die Apartheid in ihrer Heimat Südafrika mit dieser Apartheid am Altar. Alta Jacko stützt sich auf die Gruppe „Sojourner Truth“, die Teil ihrer Inspiration geworden ist, das zu erhalten, was ihr von einer patriarchalischen Kirche verboten wurde. Victoria Rue erzählt lachend über die Verteilung von Necco-Waffeln an die Kinder ihrer Nachbarschaft, nachdem sie die Messe gefeiert hatte.

 

Es gibt eine Menge von Elementen der Ordinationszeremonien: Frauen in bunten Gewändern legen einander die Hände auf, um einander das Sakrament zu bestätigen – es duftet familiär-katholisch und Glocken läuten – aber es betrifft nur Frauen. Dazwischen im Laufe des Films gibt es Kommentare von Ronald P. Lengwin, Priester-Sprecher der Diözese Pittsburgh, der eine wöchentliche Radio-Show namens Amplify hat. Er wiederholt und wiederholt den Standpunkt der Institution Kirche, dass es einfach nicht möglich ist, Frauen zu ordinieren, weil es Jesus nicht tat, dass im „Glaubensschatz“ der Kirche die Frauenweihe nicht enthalten sei, dass die "Einheit der Kirche" auseinander brechen werde sowie verschiedene weitere diskreditierende theologische Behauptungen. Er tut dies mit der Geduld und Gleichmut von jemandem, der die gleichen alten Ideen für einige Zeit immer wieder sagt, komme was wolle. Ich kann mir vorstellen, dass er vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt genauso gut sagen wird: "Da wir immer wieder und überall in der Fülle der Offenbarung gelehrt haben, dass Frauen zum Priestertum ordiniert werden können…..“ – falls dies von höchster Stelle so angewiesen wird. 

 

Das hierarchische System der Kirche ist das Herzstück des Problems. Die Macht ist in den Händen von ein paar (geweihten) Männern konzentriert und das eigenständige Denken ist kein Kriterium für eine Anstellung in der katholischen Kirche. Der Priester Maryknoll Roy Bourgeoise, der wegen seiner Predigt bei einer bekämpften Frauen-Ordination exkommuniziert wurde, zeigt, dass dies vor allem von denjenigen getan werden kann und sollte, die bereits die klerikalen Privilegien genießen. 

 

Der Film enthält einige wichtige historische Tatsachen: So ist die Studie von Dorothy Irvin über die Fresken der Katakomben von Interesse, die Bilder von Frauen zeigen. So ist auch die Geschichte von Ludmila Javorova wichtig, die 1970 von Felix Davidek, einem Bischof der Untergrundkirche Kirche in der Tschechoslowakei, zum Priester geweiht wurde. Da viele Priester und Nonnen im Gefängnis waren, benötigte die tschechische Kirche mehr sakramentale Priester. Leider registrierte der Vatikan ihre Ordination derart, dass er im Jahr 1990 für Ludmila ein Verbot der priesterlichen Funktionen aussprach, als es wieder reichlich männlichen Priesternachwuchs gab. Was ihnen aber entgangen ist, ist eine zeitgemäße Sakramenten-Theologie, dass nicht die Anwesenheit einer ordinierten Person, sondern die feiernde Gemeinde für eine gültige Eucharistie konstitutiv und notwendig ist. Aber diese Theologie würde den römischen Kurien-Beamten ihr Geschäft nehmen.

 

Im Jahr 2002 wurden sieben Frauen auf einem Schiff auf der Donau von einem Bischof "gültig, aber unerlaubt" geweiht, aber ausreichend für die Frauen zu behaupten, in der apostolischen Sukzession zu sein. (Auf der Donau deshalb, um die Zuständigkeit eines deutschen oder österreichischen Bischofs zu vermeiden). Zwei dieser Frauen wurden schließlich zu Bischöfinnen geweiht von noch namentlich geheim gehaltenen männlichen Bischöfen. Diese Frauen-Bischöfe haben daraufhin weitere Dutzende von Frauen zu Priesterinnen und Bischöfinnen in ähnlichen Zeremonien ordiniert. Dies ist der Anfang von dem, was in diesem Film als Weihe der katholischen Frauen bezeichnet wird. Allerdings ist die Bewegung viel älter und vielfältiger. Diese Teleskop-Sicht vermittelt nicht das vollständige Bild.

 

Die Ursprünge des Kampfes für die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche 

 

St. Joan's International Alliance, eine im Jahre 1911 gegründete Wahlrechtsgruppe in London, war nach der belgischem Schriftstellerin Anne Marie Pelzer die erste Gruppe, die die Frauen-Ordinationsfrage aufwarfen. Die Allianz brachte ihre erste offizielle Bitte an den Heiligen Vater ein, dass Frauen Diakoninnen werden (1961), dann für Männer und Frauen, um als Laien als Beobachter und Experten am Konzil teilnehmen zu dürfen (1962). Im Jahr 1963 legte die Allianz sehr vorsichtig und respektvoll dem Papst eine Entschließung über die Zulassung von Frauen zum Priesteramt vor.  Wegweisende feministische Gelehrte wie Mary Daly, Catherina Halkes, Gertrud Heinzelmann, Joan Morris und Ida Raming hatten sich der Allianz angeschlossen. Ihre Schriften legten den Grundstein für die spätere Bewegung. Das amerikanische Mitglied Mary B. Lynch setzte die Frage der Frauenordination auf die Liste ihrer Weihnachtskarten im Jahr 1974. Die begeisterten Reaktionen ihrer Freunde ermunterten Wissenschaftler und Aktivisten zu einer nationalen Versammlung, obwohl diese Idee damals noch als abwegig galt. Als eine Frucht dieser temperamentvollen Veranstaltung fand im November 1975 die Women's Ordination Conference (WOC) in Detroit, Michigan, statt. WOC sponserte ein weiteres Treffen 1978 in Baltimore, auf den sich die Frauen sehr spezifisch mit einer Art des erneuerten priesterlichen Dienstes beschäftigten, der akzeptabel war: ein Amt ohne Klerikalismus, ohne zwingenden Zölibat, ohne Hierarchie, aber mit der Einbeziehung aller und mit einer Konzentration auf die soziale Gerechtigkeit. 

 

WOC wurde die maßgebliche Organisation in diesen Fragen, hielt in der folgenden Zeit zahlreiche Sitzungen und Beratungen ab, veröffentlichte Werke über theologische und das sakramentale Amt betreffende Fragen und arbeitete mit Frauen zusammen, die dieselbe Amt-Option verfolgten. Der Vatikan brachte verschiedene Dokumente gegen die Ordination von Frauen heraus, jedes nacheinander defensiver als das jeweils letzte. Komitees von Bischöfen traten zusammen, um über diese Fragen nachzudenken und Dampf abzulassen. Dies zeigt, wie skandalös die ganze Idee von Priesterinnen damals wirklich war. Die Frauen aber schritten einfach weiter voran in ihren priesterlichen Dienst. Feministische Theologinnen legten die geistigen Konturen einer erneuerten Kirche dar. In vielen Orten entstand Women's Ordination Worldwide (WOW) als nationale und regionale Bewegung.

Die erste Frauensynode fand 1996 in Gmunden/Oberösterreich statt.  In vielen Orten entstand Women's Ordination Worldwide (WOW) Gruppen als nationale und regionale Bewegung.

Die Idee einer Europäischen Frauensynode entstand in den 80er Jahren im christlich-ökumenischen Kontext. Den Begriff Synode verstehen wir in seiner ursprünglichen Bedeutung: «miteinander auf dem Weg sein». Bewusst wird auf das Delegationsprinzip verzichtet. Jede Teilnehmerin repräsentiert sich selbst. Jede interessierte Frau, Frauengruppe oder Frauenorganisation, die an der Verwirklichung eines gerechten Europas mitarbeiten will, ist eingeladen. So kommt eine große Vielfalt an Erfahrungen und Kompetenzen zusammen.

 

Die Erste Europäische Frauensynode in Gmunden/Österreich 1996 war ein bisher einmaliges Ereignis, dass über 1000 Frauen aus ganz Europa und darüber hinaus (43 Länder waren vertreten) eine Woche lang miteinander arbeiteten und lebten. Während der Tagung wurden Resolutionen erarbeitet und zum Schluss verabschiedet zu den Bereichen Politik, Spiritualität, Ökonomie und Identität/Persönliche Entwicklung.

 

Frauensynoden auf nationaler Ebene gingen diesem Prozess voraus. Zwischen 1987 und heute haben Frauensynoden in den Niederlanden, Österreich, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Italien und in Skandinavien stattgefunden. 

 

Die Zweite Europäische Frauensynode fand vom 5. - 10. August 2003 in Barcelona statt. Das Thema war: Zusammen Vielfalt leben (daring diversity - Vielfalt wagen). In Referaten, Workshops und bei vielen Gelegenheiten konnte die multikulturelle und multi-religiöse Realität in Europa diskutiert und praktisch erfahren werden. Zahlreiche Kontakte und Vernetzungen über nationale und kulturelle Grenzen wurden geknüpft, Initiativen initiiert und Begeisterung weitergetragen.  Mehr dazu unter www.synodalia.net.

 

Ich fand es seltsam, dass fast keiner dieser Tatsachen, vor allem die Arbeit von WOC und sehr wenig von der theologischen Vorarbeit in der Dokumentation des Films enthalten war. Zugegeben, das ist nicht unbedingt der interessanteste Stoff eines großartigen Videos, aber es ist ein integraler Bestandteil der Geschichte. Und es ist mehr.

 

Wie geht es mit der Frauenordination weiter?

 

Einige katholische Frauen waren so empört über der Ablehnung durch die römisch-katholische Kirche, dass sie sich in anderen christlichen Kirchen weihen ließen. Für mich gelten sie weiterhin als katholische Priesterinnen. Wieder andere haben die katholische Kirche angewidert verlassen. Viele katholische Frauen besuchten Lehrgänge und absolvierten Graduierten-Programme in Theologie. Auf diesem Weg entdeckten sie, dass die Frauen-Ordination kein Wundermittel wäre, dass der priesterliche Dienst viele herausfordernde Formen hätte und dass das hierarchisches Modell der Kirche den christlichen Ansprüchen auf Gleichheit und Gegenseitigkeit widerspricht. Für viele Frauen in geistlichen Gemeinschaften und Orden, Nonnen oder Schwestern, wurde die Frage noch komplizierter, als sich die Widersprüche häuften: Wie kann man Mitglied einer Gruppe sein, die eine die Frauen degradierende Struktur hat, wo Frauen einen minderwertigen Status besitzen? Wie kann eine Eucharistie geschätzt werden, wenn Frauen nicht mitentscheiden können, wie und wann sie angemessen gefeiert werden kann? Wie ist eine gefühlsmäßige Bindung an eine Institution möglich, die eine eklatante Geringschätzung von Frauen, ihrer Talente, Einsichten und Entscheidungsfindungen zeigt? 

 

Viele Frauen, mich eingeschlossen, begannen über die Koordinierung neuer Formen von Kirche nachzudenken, was die Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza so treffend "eine Nachfolge von Gleichen" genannt hat. Diese so genannten kirchlichen Frauengruppen bildeten lose Netzwerke von kleinen Basisgemeinden (in den USA, die „Frauen-Kirche-Konvergenz“ u.a.). Sie funktionieren ganz gut ohne die Hilfe des Klerus und mit breiter Beteiligung ihrer Mitglieder. Es gibt viele andere Hauskirchen, ungebundene Kirchengemeinden, auch gelegentlich kreativ-verbundene Gemeinden, die Treffpunkte für postmoderne Katholiken sind. Viele sehen uns als gut "katholisch" – mit kleinem k – weil wir ein Teil der weit verbreiteten religiös motivierten Bemühungen um Liebe und Gerechtigkeit sind, und nicht wie „Katholisch“ – mit großem K. Der Katholizismus ist im Wandel begriffen.

 

Es gibt viele themenspezifische katholische Gruppen. Die Koalition, welche „Katholische Organisationen für Erneuerung“ (COR) genannt wird, umfasst „Dignity“ („Würde“, mit einem Schwerpunkt auf LGBTIQ Personen), „Catholics for Choice“ (sich vermehrende GerechtigkeitsaktivistInnen), „Call to Action“ (für Gerechtigkeit und Gleichheit), WOC, „Frauen-Kirche-Konvergenz" u.a.m. Kein Zweifel: Der Vatikan hat Grund genug, sich Sorgen zu machen – mehr als die Priesterinnen sich Sorgen machen müssten. Das ganze einstürzende römische Kartenhaus wird deutlich durch das Ausmaß der Fälle von sexuellem Missbrauch, als man mit den Fingern nach oben auf die Spitze der kirchlichen Mittäterschaft zeigte. Über diese Sache sollte ein weiterer Film gemacht werden, in dem die von Priestern Missbrauchten (vom „Netzwerk der Überlebenden“ SNAP) die Hauptrolle spielen. 

 

Das Dienstamt als Herausforderung für die Gemeinde

 

Es ist wichtig, dass sich Frauen als Priesterinnen in Gesellschaft von vielen KollegInnen wissen, deren Liebe zur katholischen Gemeinde genug groß ist, um diese Herausforderungen und Veränderungen zu bewältigen. Sonst fürchte ich, dass die Frauen als Priesterinnen – trotz ihrer bewundernswerten Absichten und ihrer Entschlossenheit, ein sexistisches System zu ändern –  in Gefahr sind, bloß zu einer Notlösung als Antwort auf den Mangel an männlichen Priestern im 21. Jahrhundert reduziert zu werden wie früher unsere Schwester in der Tschechoslowakei. Ich fürchte, sie werden dann von den gleichen Kurien-Beamten angenommen, die sie jetzt denunzieren. Das machen die Kirchenmänner immer so. Statt diese Frauen zu ignorieren und diese Kleinigkeiten reifen zu lassen, wo es geht, haben die römischen Kurien-Beamten die Frauen als Priesterinnen exkommuniziert und dadurch eine bequeme Möglichkeit gefunden, von den kriminellen Aktivitäten pädophiler Priester und Bischöfe abzulenken und ihre Verbrechen zu vertuschten. Beachten Sie, dass jede Priesterin exkommuniziert worden ist, nicht ein einziger jener Männer.

 

Zeitgemäße Auffassungen von Priestertum ändern sich. Das veraltete biologistischen Verständnis der apostolischen Sukzession – die Hände werden aufgelegt auf Hände, die wiederum auf Hände, die weiter auf Hände usw. usw. –  weicht einem tieferen Verständnis von der ganzen dem Geist der Jesus-Bewegung folgenden Gemeinde. Eucharistie ist die Sache aller, nicht nur der Priester, die die heiligen Mysterien verrichten. Liturgische Führung ist nur eine Komponente des Priester-Dienstamtes. Lehre, Predigt, Organisationsfähigkeit, auch Lobbying und Verständnis für den sozialen Wandel der Arbeit sind Teil der Stellenbeschreibung. Niemand kann alles tun; der Priesterdienst ist eine Herausforderung der ganzen Gemeinde. 

 

Symbole sind zu ändern. Die Weihekandidaten, die sich individuell niederwerfen bei der Weihe, tun sich schwer, mit dieser neuen Theologie umzugehen. Das Priestertum des alten Modells –  mit Gewändern, klerikalem Kollar und einem Anspruch auf einem besonderen Status – geht rasch den Bach hinunter. Es ist nicht mehr notwendig, dieses Modell wiederzubeleben oder zu stärken. 

 

Die beklagenswerten Bedürfnisse unserer multireligiösen Welt und nicht die kleinkarierten Bedürfnisse irgendeiner religiösen Gruppe setzen jetzt die Eckpunkte für ein Priester-Dienstamt. Viele Feministinnen arbeiten als Seelsorgerinnen in Krankenhäusern und Hospizen, und zwar nicht nur für Katholiken. Sie dienen in Universitäten und in Gefängnissen allen Menschen, die ihre Aufmerksamkeit brauchen. Dies ist das neue "Priestertum aller Gläubigen" und es hat eine weit umfassendere Aufgabe als jemals zuvor. Eine Menge der gleichen Leute, die am Kampf für die Gleichberechtigung der katholischen Frauen beteiligt sind, engagieren sich ebenfalls in Bewegungen für Gerechtigkeit und Frieden. „School of the Americas Watch“, reproduktive Gerechtigkeitsstrukturen, LGBTIQ Fragen, Bekämpfung der Armut und Anti-Kriegs-Bemühungen zählen auf ihren wegweisenden Einsatz. Obdachlosenheime, sichere Häuser für misshandelte Frauen und Kinder sowie Mahlzeit Programme sind nur einige der Orte, wo diese Leute arbeiten. Dies ist das neue Gesicht des Katholizismus und dieses Gesicht wird nicht von einem klerikalen Kollar umkränzt. – Also genießen Sie den Film, aber bitte seien Sie bereit für die Fortsetzungen. 

 

                                                                         Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Paul Weitzer

 

Der Original-Beitrag von Mary E. Hunt, ist in: Religion Versand Magazine, Review, am 8. Februar 2011 erschienen.
 

Zur Autorin: Mary E. Hunt, Ph.D. ist eine feministische Theologin, Mitbegründerin und Co-Direktorin der Women's Alliance for Theology, Ethics and Ritual („WATER“: Frauenallianz für Theologie, Ethik und Liturgie) in Silver Spring, Maryland, USA, eine römisch-katholische Aktivistin in der kirchlichen Frauenbewegung. Sie hält Vorträge und schreibt theologische und ethische Werke mit besonderem Augenmerk auf Fragen der Befreiung.

 

Mary E. Hunt, Mitbegründerin, Co-Direktorin von WATER; e-mail-Adresse: mhunt@hers.com 

 

„WATER“: Wir sind eine internationale Gemeinschaft für Menschen, die Gerechtigkeit suchen, die den Einsatz von feministischen Werten, religiöse und soziale Veränderungen versuchen und fördern. Wir laden Sie ein, weiterhin mit uns auf den Wellen im Feminismus, Religionen und Gesellschaften zu gehen! 

 

 

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