Leo XIV.: Der leise Mönch an der Spitze der Macht

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Der Vatikanist Andreas Englisch über das erste Jahr des Pontifikats von Leo XIV. Eine Rezension von Peter Gardowsky.

Andreas Englisch, einer der bekanntesten deutschen Vatikan-Beobachter mit rund 40 Jahren Erfahrung in Rom, legt mit seinem neuen Buch zu Leo XIV., dem ersten amerikanischen Papst, ein vielschichtiges, erzählerisch starkes, aber aus meiner persönlichen Sicht unzureichend faktenbasiertes Porträt vor.

Das Buch hat 370 Seiten und ist geprägt von Interviews, Gesprächsnotizen und persönlichen Anekdoten aus den Wirkungsstätten des Papstes in Chicago, Peru und Rom. Englisch beschreibt Leo XIV. als einen „Missionar aus der Peripherie" und „leisen Mönch", dessen größte Herausforderung darin besteht, die gespaltene katholische Kirche zu einen, ohne die Identität zu verlieren.

Der Autor verbindet die spannende Geschichte des Konklaves 2025 mit einer tiefgehenden Biografie des Augustinermönchs Prevost, der am 8. Mai 2025 zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt wurde. Wer die entsprechenden Ausführungen liest, wird sich die Frage stellen, wer dem Autor wohl die Einzelheiten des Konklaves erzählt hat und ob die Schilderungen glaubwürdig sind. Immerhin sind alle Kardinäle und Verantwortlichen an die per Eid versprochene Verschwiegenheit gebunden. Das Buch glänzt jedoch durch erzählerische Kunst und eine lebendige, atmosphärisch dichte Erzählweise. Es bietet private Einblicke in das Leben des Papstes und gewährt glaubhaften Zugriff auf Wegbegleiter aus Peru, Rom und den USA. Die Beschreibungen über die missionarischen Tätigkeiten des Augustinerpaters sind berührend, teils außerordentlich und machen sein aufrechtes Entsetzen und die Sorge um die Armen und Ausgegrenzten dieser Welt verständlich. An einigen Stellen der Erzählungen verdichten sich jedoch meine Vermutungen, dass die Ausführungen journalistischer „Erzählkunst“ zuzuordnen sind.

„Leo XIV.: Der leise Mönch an der Spitze der Macht" ist ein lesenswertes Buch für alle, die Freude an unterhaltsamen Geschichten aus dem Umfeld des Vatikans haben und dem Weg eines routinierten Vatikankenners folgen möchten. Wer jedoch präzise Analyse und faktenbasierte Substanz sucht, könnte enttäuscht werden. Das Buch ist ein persönliches, atmosphärisch dichtes Porträt des neuen Papstes, das weniger durch biografische Fakten als durch narrative Stärke und persönliche Einblicke besticht. Ein guter Einstieg, um sich dem Leben und Wirken von Papst Leo XIV. zu nähern. Das Bild des neuen Papstes wirkt menschlich und somit sympathisch, auch für weniger "Romtreue".

Andreas Englisch – Leo XIV. der leise Mönch an der Spitze der Macht - 2025 C. Bertelsmann München

Peter Karl Gardowsky