Hoffnungszeichen August 2026 – Ökumene

von Paul Weitzer

In Niedersachsen gibt es einen neuen Religionsunterricht. 

Das neue Fach „Christliche Religion“ soll schrittweise den bisherigen evangelischen und römisch-katholischen Religionsunterricht ablösen. In Hildesheim wird in einigen Schulen bereits seit Jahren konfessionell-kooperativer Religionsunterricht erteilt. Dabei lernen evangelische und römisch-katholische Schüler zwar gemeinsam. Verantwortet wird der Unterricht aber von der jeweiligen Kirche. Nun geht Niedersachsen als erstes Bundesland einen Schritt weiter: Im nun beginnenden Schuljahr startet zunächst in den Klassen eins und fünf das neue Fach „Christliche Religion“. Entwickelt wurde es gemeinsam vom Land und den beiden Kirchen. Erstmals gibt es damit einen gemeinsamen Lehrplan für den Religionsunterricht beider Konfessionen. Es soll ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht nach dem Grundgesetz bleiben, aber stärker ökumenisch, dialogisch und an der Lebenswelt junger Menschen ausgerichtet sein. Christliche Themen will man mit jüdischen, muslimischen und anderen religiösen Perspektiven verknüpfen. So soll etwa das Vaterunser mit dem jüdischen Kaddisch und mit der ersten Sure des Korans verglichen werden. Diese interreligiösen Bezüge herzustellen, ist aus Sicht der Lehrerin Katharina Barthold-Knegendorf. eine große Herausforderung. Als Katholikin werde sie etwa Themen wie die Eucharistie oder die Marienverehrung aus ihrer eigenen Glaubenstradition heraus vermitteln. Zugleich wolle sie erläutern, warum evangelische Christen diese Punkte anders beurteilen. Parallel dazu gibt es das weltanschaulich neutrale Fach „Werte und Normen“.  (vn v 9.8. u. domradio.de v. 13.8.)

Der Wiener Erzbischof und der evangelische Superintendent bekräftigen die ökumenische Zusammenarbeit. Nach einem Gespräch im Wiener Erzbischöflichen Palais betonten Erzbischof Josef Grünwidl und Superintendent Matthias Geist gegenüber Kathpress die Notwendigkeit, „als Kirchen so eng als möglich zusammenzurücken“, wie es Geist formulierte. Nur mit einer gemeinsam starken Stimme werde man in der Gesellschaft gehört. Zu den Themen des Gesprächs im Erzbischöflichen Palais zählten u. a. das Projekt des „Campus der Religionen“ und Entwicklungen beim Religionsunterricht. In Wien gibt es u. a. seit vielen Jahren den sogenannten „dialogisch-konfessionellen“ Religionsunterricht. Sechs christliche Kirchen (katholisch, evangelisch, orthodox, altkatholisch, freikirchlich, neuapostolisch) haben sich darauf geeinigt, dass sie, wenn es die Klassensituation nahelegt, den Religionsunterricht an eine jeweils andere Kirche gleichsam „delegieren“ können. Die Lehrenden müssen dabei verschiedenen Lehrpläne beachten. Mehr als 160 Schulklassen in Wien setzten dieses Modell bereits um. Geist sprach von der „gemeinsamen Seelsorge an Orten, an denen die Gesellschaft uns wirklich braucht“. Ein Beispiel sei hier die Gefängnisseelsorge. Zur Eucharistiegemeinschaft zwischen Katholiken und Evangelischen meinte Grünwidl: „Die ökumenische Neugier und die Bereitschaft, auch im spirituellen und im liturgischen Bereich aufeinander zu schauen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu feiern, ist grundsätzlich da.“ Er sei überzeugt: „Wir sind auf einem guten Weg.“ (kap v. 14. 8.)

In Syrien gab es ein ökumenisches Gebet anlässlich der Wiedererrichtung der Säule des hl. Simeon. Im orthodoxen Simeonskloster im Nordwesten Syriens wurde eine ökumenische Feier abgehalten, wie „Pro Oriente“ berichtete. Ein Oberteil der Säule des Heiligen Simeon Stylites wurde im Kloster auf den noch vorhandenen Stumpf der Säule aufgesetzt. Zur ökumenischen Feierstunde konnte der orthodoxe Metropolit von Aleppo, Ephrem Maalouli, zahlreiche hochrangige Kirchenvertreter begrüßen: u. a. den syrisch-orthodoxen Metropoliten Boutros Kassis, den melkitischen Metropoliten Georges Masri und den maronitischen Erzbischof Joseph Tobji. Auch hochrangige Vertreter der Behörden waren gekommen. Teile des Klosterkomplexes und die Säule wurden während der Kriegsjahre beschädigt. Der hl. Simeon der Ältere wurde um 390 geboren und verbrachte fast 40 Jahre seines Lebens als strenger Asket auf dieser Säule. Er gilt als erster Säulenheiliger. Über die Säule wurde nach seinem Tod ein großer Klosterkomplex für bis zu 300 Mönche errichtet. Die Stätte war schon zu Lebzeiten des Heiligen eines der bekanntesten Pilgerziele. Die Ruinen des Klosters wurden zum UNESCO-Welterbe erklärt. (kap v 17. 8.)

Papst Leo XIV. schrieb ein Grußwort an die Waldenser. Die Synode der „Union der methodistischen und waldensischen Kirchen“ findet in Torre Pellice in der Provinz Turin statt. Die Versammlung beschäftigt sich außer mit KI noch mit vielen anderen Themen, darunter soziale Gerechtigkeit und Ökumene. Papst Franziskus besuchte 2015 als erster Papst in der Geschichte in Turin ein waldensisches Gebetshaus („Tempel“) und bat um Entschuldigung für „unchristliche Haltungen und Verhaltensweisen“ in der Vergangenheit. Er begann außerdem damit, der Synode der Waldenser regelmäßig ein Grußwort zu schicken. Papst Leo XIV. setzt diese Tradition nun fort. Das Christentum der Waldenser orientiert sich an einer mittelalterlichen Armutsbewegung, die im 13. Jahrhundert unter Papst Innozenz III. starker Verfolgung ausgesetzt war. 1975 ging sie eine Union mit der methodistischen Kirche Italiens ein. (vn v. 24. 8.)

Die Kirchen im Irak rücken zusammen. Der chaldäische Patriarch Paul III. Nona hat im Nordirak das historische syrisch-orthodoxe Kloster Mar Mattai besucht und dabei die Notwendigkeit der christlichen Einheit bekräftigt, wie „Pro Oriente“ berichtete. Patriarch Nona wurde vom chaldäisch-katholischen Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, begleitet. Im Kloster wurden sie von den syrisch-orthodoxen Erzbischöfen Timotheus Mousa al-Shamani und Nicodemus Daoud Matti Sharaf sowie weiteren Bischöfen, Priestern und Mönchen empfangen. Erzbischof al-Shamani unterstrich die tief verwurzelten historischen Verbindungen zwischen der Chaldäisch-katholischen und der Syrisch-orthodoxen Kirche im Irak und hob die Bedeutung ihrer langjährigen Beziehung hervor. Patriarch Nona betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen zum Wohle der Gläubigen. Nona lobte das reiche Erbe des Klosters und die jahrhundertelange christliche Geschichte, die sich in diesem Ort widerspiegeln würde. Das Kloster Mar Mattai aus dem 4. Jhdt. befindet sich auf dem Berg Dschabal Alfaf, rund 35 Kilometer von Mossul entfernt und ist ein bedeutender Anziehungspunkt für Christen aller Konfessionen, genauso aber auch für Muslime. Im 9. Jahrhundert soll es 7.000 Mönche gezählt haben. (kap v. 25. 8.)

Der „Außenminister“ des Vatikan besucht Moskaus orthodoxe Kathedrale. Der zweite Tag der Moskauer Reise von Erzbischof Paul Richard Gallagher stand im Zeichen eines Besuchs der Christ-Erlöser-Kathedrale. Er wurde von Igor Jakimtschuk empfangen, dem Vizepräsidenten des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Der ursprüngliche Entwurf für die Kathedrale stammt aus dem Jahr 1812, als Zar Alexander I. sie Christus dem Erlöser weihte, um Russlands Rettung vor Napoleons Invasion zu feiern. Nach der Sprengung im Jahr 1931 wurde an ihrer Stelle nach dem Krieg das größte Schwimmbad der UdSSR errichtet. Mit dem Ende des Sowjetregimes erhielt die russisch-orthodoxe Kirche im Februar 1990 die Genehmigung zum Wiederaufbau der Kathedrale. Von der Unterkirche wurde der Erzbischof in das Obergeschoss geleitet, wo sich die große Ikonostase und 22.000 Quadratmeter Fresken befinden. Hier verweilte Monsignore Gallagher im Gebet vor der Ikone Unserer Lieben Frau von Wladimir, die dem Heiligen Lukas zugeschrieben wird. Sie gilt als bedeutendes Verehrungsobjekt für russische Gläubige. (vn v. 27. 8.)