Hoffnungszeichen Jänner 2026 - Dialog mit den (Welt-)Religionen

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Ein Kurienkardinal besuchte die Pfarre in Dubai. Mehr als 30.000 Gläubige in Dubai und über 18.000 in Abu Dhabi feierten im Advent die philippinische Weihnachtsnovene „Simbang Gabi" mit dem philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle. Dieser besuchte vom 16. bis 18. Dezember das Apostolische Vikariat des südlichen Arabiens, wie Vatican News meldete. Die „Simbang Gabi" ist eine neuntägige Messreihe zur Vorbereitung auf Weihnachten und gilt im Vikariat als Höhepunkt des Kirchenjahres. In seinen Predigten forderte Tagle die Gläubigen auf, die Ankunft Christi durch konkrete Gesten der Versöhnung vorzubereiten. Mit Blick auf die oft prekären Lebensumstände der Gastarbeiter betonte er, dass Maria und Josef als Vorbilder dafür stünden, wie die Liebe Gottes den Alltag auch in der Fremde verwandeln kann. Neben den liturgischen Feiern standen auch intensive pastorale Gespräche auf dem Programm. (www.p-udo-ja v. 4. 1.)

In Zürich fand eine interreligiöse Trauerfeier für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana statt. Bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht waren 40 Menschen ums Leben gekommen. An der Gedenkfeier im Züricher Fraunmünster statt nahmen laut „kath.ch" rund 400 Menschen teil. Unter den Vertretern der Reformierten, Juden und Moslems sprach für die römisch-katholische Kirche der Generalvikar der Diözese Chur, Luis Verandas, bei der Feier: „Dieses Drama erschüttert unseren Glauben und lässt ein Gefühl der Sinnlosigkeit aufsteigen". Weitere Worte des Gedenkens sprachen u.a. Rabbiner Noam Hertig, der reformierte Fraunmünster Pfarrer Johannes Block sowie der reformierte Grossmünsterpfarrer Christian Walti. Auch in anderen Kirchen der Schweiz fanden Trauer- und Gedenkfeiern statt: In St. Gallen etwa luden die Landeskirchen unmittelbar nach dem Glockenschlag um 14.00 Uhr zum stillen Gebet auf dem Klosterplatz ein. Parallel dazu öffnete die ökumenische Cityseelsorge die Schutzengelkapelle. (kap v. 10. 1.)

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich würdigt die „Wiener Erklärung der Religionen für Frieden": „Vor einem Jahr haben wir in Wien ein bewusstes Zeichen gesetzt. Ein Zeichen der Verantwortung, ein Zeichen des Friedens. Wir haben gemeinsam gesagt, Religion darf niemals spalten." Diese Erklärung sei „kein Endpunkt", sondern bleibe „ein Auftrag, gerade heute", sagte Ümit Vural in einer Videobotschaft. Es sei notwendig „Religion als Kraft des Friedens zu leben". Religion dürfe „niemals instrumentalisiert werden. Nicht politisch, nicht ideologisch, nicht zur Spaltung unserer Gesellschaft". Am 9. Jänner 2025 hatten Kardinal Christoph Schönborn, IGGÖ-Präsident Vural und der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer im Wiener Erzbischöflichen Palais die „Wiener Erklärung" unterzeichnet. Sie sei ein Schulterschluss der drei monotheistischen Religionen für ein friedliches Miteinander dar. (kap v. 10. 1.)

Die Universität Koblenz gründet ein Institut für Islamische Theologie. Um flächendeckend in Rheinland-Pfalz einen islamischen Religionsunterricht anbieten zu können, fehlen die Lehrkräfte. Der Fachbereich „Philologie und Kulturwissenschaften“ wird für die staatliche Qualifikation islamischer Religionslehrkräfte sorgen, wie die Universität Koblenz mitteilte. Es wurden drei Professuren für Islamische Systematische Theologie, Islamische Textwissenschaften sowie für Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik ausgeschrieben. Mit diesem Institut werde „eine verlässliche Grundlage" für die Lehrerausbildung geschaffen, erklärte Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD). „Damit stärken wir die Unterrichtsqualität, die wissenschaftliche Fundierung der Islamischen Theologie und den interreligiösen Dialog in unserem Land." Bei der Besetzung der Professuren erhalten die Islamverbände ähnliche Mitspracherechte wie die großen Kirchen. (domradio.de v.13. 1.)

In Kuwait gibt es bald eine römisch-katholische Basilika. Wie das vatikanische Staatssekretariat mitteilte, wird Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Kirche „Unsere Liebe Frau von Arabien" in den Rang einer „Basilica Minor" erheben. Der feierliche Akt ist Höhepunkt eines zweitägigen offiziellen Besuchs der vatikanischen Nummer zwei in dem arabischen Land. Im Emirat Kuwait gibt es bereits seit 1961 eine „Konkathedrale“. In ihr trifft Parolin bei seinem Besuch das in der Region tätige katholische Seelsorgepersonal. Das Apostolische Vikariat Nordarabien betreut rund zwei Millionen Katholiken in Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain und Katar. Die Gemeinden setzen sich überwiegend aus ausländischen Arbeitskräften aus Asien, Afrika und Europa zusammen, feiern jedoch in verschiedenen Riten und Sprachen. (kap v. 15.1.)

Am „Tag des Judentums" bekennen sich Österreichs Kirchen zu Demut. Im Zeichen der Verbundenheit mit dem Judentum und geprägt vom Bekenntnis zum unbedingten Einsatz gegen jede Form von Antisemitismus stand ein Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ) in Wien. Der Wiener armenisch-apostolische Bischof und ÖRKÖ-Vorsitzende Tiran Petrosyan konnte dazu in der armenischen Hripsime-Kirche im 3. Bezirk zahlreiche Gläubige der Kirchen begrüßen. Ohne Judentum gäbe es kein Christentum, so der Bischof. Dessen müssten sich die Christen stets bewusst sein. Demütig gelte es, voneinander und miteinander zu lernen und entschlossen gemeinsam für den Frieden und gegen Antisemitismus aufzutreten. Mit dem armenischen Bischof standen u.a. die evangelische Bischöfin Cornelia Richter, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura und der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin, der reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld und die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, der altkatholische Altbischof Bernhard Heiz, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und die methodistische Pastorin Antje Klein dem Gottesdienst vor. Die Predigt hielt der Wiener Diözesanbeauftragte für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Dechant Ferenc Simon. Der Gottesdienst stand unter dem biblischen Motto „Lasst uns Gott lernen" aus dem biblischen Buch Hosea. Der Gottesdienst wurde vom ÖRKÖ und dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit verantwortet. (kap am 18 1.)

Eine Islamwissenschaftlerin glaubt, dass die Iranerinnen und Iraner die Trennung von Staat und Religion wollen. Die Massenproteste im Iran sind nach den Worten der schiitischen Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur der Universität Köln ein „Aufstand gegen den Gottesstaat". Die große Mehrheit der Iranerinnen und Iraner wolle keinen Einfluss des Islams auf die Politik mehr und spreche dem Revolutionsführer Ali Chamenei dessen Anspruch als Stellvertreter des schiitischen zwölften Imams ab, sagte Amirpur im Deutschlandfunk. Der Wunsch nach Trennung von Staat und Religion sei im Iran „seit Jahren und Jahrzehnten auf dem Vormarsch". Mit Blick auf die derzeitige Oppositionsbewegung sagte die Iranerin: „Inzwischen sind die säkularen Gruppen die, die am allerstärksten sind." Die rigide Auslegung des Islam lehnen inzwischen 90 Prozent der Menschen ab. Indem die Teheraner Regierung Unrecht wie die Ungleichbehandlung von Frauen und anderes Unrecht mit Verweis auf islamische Gesetze rechtfertige, habe sie selbst dafür gesorgt, dass sich die Menschen von der Religion abwendeten. (kap am 19. 1.)

Der Zayed-Preis ehrt afghanische Frauenrechtlerin. Die hochkarätig besetzte Jury in den Vereinigten Arabischen Emiraten entschied sich für eine geteilte Ehrung: Ausgezeichnet mit dem „Zayed-Preis für menschliche Brüderlichkeit 2026“ werden das historische Friedensabkommen zwischen der Republik Armenien und der Republik Aserbaidschan sowie die afghanische Aktivistin Zarqa Yaftali. Der Zayed-Preis, inspiriert durch das 2019 in Abu Dhabi unterzeichnete „Dokument über die menschliche Brüderlichkeit“, würdigt Personen und Institutionen, die sich weltweit für Frieden, Dialog und Mitgefühl einsetzen. Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan bezeichnete den Preis als „große Ehre“. Auch der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew drückte seine tiefe Wertschätzung aus. Die zweite Preisträgerin, Zarqa Yaftali, wird für ihren lebenslangen Einsatz für das Recht auf Bildung von Frauen und Kindern geehrt. Seit seiner Gründung im Jahr 2019 wurde der Preis bereits an 19 Preisträger verliehen, darunter Organisationen wie die Gemeinschaft Sant’Egidio oder Personen wie UN-Generalsekretär António Guterres. (vn v. 19. 1.)

Ein Islamwissenschaftler plädiert für eine Stärkung der „pluralitätssensiblen Haltung". Prof. Zekirija Sejdini betont bei seiner Antrittsvorlesung an der Universität Wien: Die Frage nach einer wertschätzenden Haltung innerhalb des Islam als auch im Umgang mit anderen Religionen ist eine der drängendsten Fragen, die die islamische Theologie heute zu bearbeiten hat. Er ist überzeugt, dass „eine pluralitätssensible und wertschätzende Haltung gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen aus islamisch-theologischer Perspektive" begründbar sei. Entscheidend sei dafür die theologische Entfaltung der „gottgegebenen Würde jedes Menschen", die jede Abwertung des Anderen unterbindet, sowie eine Kritik religiöser Absolutheitsansprüche im Islam. Die islamische Theologie sei herausgefordert, ihre „Wahrheitsbindung" so zu bestimmen, dass sie „Orientierung gibt und zugleich die Würde des religiösen Gegenübers schützt". Dazu gelte es, drei Leitprinzipien im Islam zu stärken: Die Tatsache, dass Vielfalt zur Schöpfungsordnung gehört, dass der Koran den Islam nicht als eine bloßen Zughörigkeit und Unterordnung versteht, sondern als eine „Haltung der Hingabe" - und schließlich, dass das Heil im Koran nicht an Zugehörigkeit zum Islam gedacht werde, sondern als Folge eines „Gottesbewusstseins". Sejdini: „Vielfalt ist nicht als Fehlform zu lesen, sondern als Teil einer von Gott intendierten pluralen Ordnung. Religiöse Zugehörigkeit kann daher nicht als Grundlage dienen, ganze Gruppen normativ abzuwerten." Sejdini ist neuer Professor für „Islam in der Gegenwartsgesellschaft“ am Institut für Islamisch-Theologische Studien der Universität Wien. Er hat an der Kairorer al-Azhar-Universität, an der Marmara-Universität in Istanbul sowie an der Universität Heidelberg studiert und war von 2014 bis 2025 Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck. (kap v. 23. 1.)

Die österreichischen Kirchen begrüßen den Wiener Religionsrat. Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften unterzeichneten im Wiener Rathaus gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig eine Grundsatzerklärung, in der sie sich u.a. gegen religiös motivierte Gewalt, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus aussprachen. Die Unterzeichnung der Grundsatzerklärung sei ein starkes Signal der Religionsgemeinschaften, sich gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben in der Stadt einzusetzen, „auf der Basis humanitärer Grundwerte, die uns verbinden", so der reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld gegenüber Kathpress. Der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist unterstrich die Notwendigkeit, „dass wir als Religionsgemeinschaften gemeinsam gegen unqualifizierte und bösartige Stimmen auftreten und im Falle von Anfeindungen füreinander eintreten". Lob kam auch vom methodistischen Superintendenten Stephan Schröckenfuchs: Die Plattform schaffe neben vielen lokalen Initiativen einen weiteren Raum für Begegnung und Austausch. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, betonte, „dass die Grundsatzerklärung alle Bereiche unseres Lebens sehr schön widerspiegelt, und dass wir gemeinsam uns dafür verständigt haben, unseren Beitrag zu leisten, dass insgesamt das Leben in Wien besser wird". Peter Zalud, der Vorsitzende des Rats der Freikirchen in Österreich, glaube, „es ist etwas Gutes, wenn man einen aktiven, praktischen Beitrag fürs Gemeinwohl setzen kann". Der Religionsrat positioniert sich ausdrücklich gegen religiös motivierte Gewalt, den politischen Missbrauch von Religionen, gegen Rassismus, Antisemitismus, Antialevitismus, antimuslimische und antichristliche Tendenzen sowie generell gegen Ausgrenzung und Feindseligkeit gegenüber Religionen. Der Wiener Religionsrat wurde von Bürgermeister Ludwig im Herbst 2023 nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel ins Leben gerufen. (kap v. 29. 1.)

Für einen Kurienkardinal sind auch sichtbare Minarette berechtigt: Kardinal Kurt Koch, seit kurzem Präsident des Hilfswerks „Kirche in Not“, meint: Wir brauchen „eine neue Offenheit für die Religion in der Öffentlichkeit“. Eine Gesellschaft, die die Religion aus ihrer Öffentlichkeit verdrängt, ist interreligiös nicht dialogfähig. „Ich kenne Muslime, die ihre Kinder in den katholischen Religionsunterricht geben. Für sie ist nicht das Christentum das Problem, sondern die Religionslosigkeit der öffentlichen Welt.» Er plädiert dafür, dass in der Öffentlichkeit Zeichen von allen Religionen sichtbar sind. „So wie ein Kirchturm sichtbar ist, sollte auch eine Moschee mit Minarett sichtbar sein dürfen. Wir können nicht ehrlich für die Glaubensfreiheit unserer eigenen Glaubensgeschwister in anderen Ländern eintreten, und dafür, dass das Christentum dort, wo es lebt, auch sichtbar sein darf, wenn wir dasselbe nicht bei uns auch tun gegenüber anderen Religionen.“ (kath.ch. v. 30. 1.)

Der Vatikan organisierte ein interreligiöses Friedensgebet in Genf. Vor dem Hintergrund eskalierender globaler Konflikte und einer Rückkehr zur „Logik roher Gewalt“ hat die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf zum 17. jährlichen interreligiösen Friedensgebet geladen. In der Genfer Kirche St. Nikolaus von Flüe versammelten sich rund 300 Diplomaten, Botschafter und Religionsvertreter, um ein Zeichen gegen die weltweit zunehmenden Kriege zu setzen. Die Veranstaltung stand unter dem Leitmotiv von Papst Leo XIV. zum Weltfriedenstag 2026: „Der Friede sei mit euch allen: Auf dem Weg zu einem ‚unbewaffneten und entwaffnenden‘ Frieden.“ Einen besonderen Akzent erhielt der Abend durch die Anwesenheit des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der ein nüchternes Bild der Realität in seiner von Konflikten zerrissenen Diözese zeichnete. Ein Beitrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz machte klar, dass es weltweit 130 aktive bewaffnete Konflikte gibt – doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. Die Feier vereinte Gebete und Reflexionen christlicher, jüdischer, muslimischer und buddhistischer Führer. (vn v. 30. 1.)