Hoffnungszeichen Jänner 2026 - Innerkirchliche Reformansätze

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Nach dem Salzburger Erzbischof muss die römisch-katholische Kirche wandelbar bleiben. Die Kirche könne „Jesus nicht eins zu eins übersetzen", sie müsse immer um ein bestmögliches „Aggiornamento" („Verheutigung") ringen, so Erzbischof Franz Lankner im Interview im „Rupertusblatt". Wandelbarkeit müsse daher stets ein Thema sein. Er verwies auf einen notwendigen Transformationsprozess der Kirche, der organisch verlaufen müsse. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz – ein Franziskaner – erinnerte daran, dass sich bereits die frühe franziskanische Bewegung neuen Aufgaben geöffnet habe: Franziskaner hätten schon eine Generation nach Franz von Assisi als Professoren an der Pariser Sorbonne gelehrt, obwohl Wissenschaft nicht zu den ursprünglichen Anliegen gezählt habe. Gerade diese Fähigkeit zur Weiterentwicklung habe das Charisma lebendig gehalten. (kap v. 3. 1.)

Nach Ansicht der neuen Opferschutzanwältin sollte die römisch-katholische Kirche ein Ende des Zölibats in Erwägung ziehen. Viele des Missbrauchs Beschuldigte seien Ordensleute oder Priester, sagte Caroline List, die Vorsitzende der „Unabhängigen Opferschutzkommission für minderjährige Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch durch Angehörige der römisch-katholischen Kirche“, in einem ORF-Interview. Ein zu sexueller Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit verpflichtetes Leben könne mitunter zu einem „einsamen Leben" führen. Schon nach ihrer Ernennung im Herbst hatte die Juristin den Ansatz, den Zölibat für katholische Priester freizustellen, als Option genannt. Insgesamt wurden bisher 37,9 Millionen Euro an Betroffene ausbezahlt. Karoline List gehört der Opferschutzkommission seit Gründung an. Immer noch meldeten sich viele Menschen, sagte sie. Viele Menschen schilderten, dass sie erst durch Medienberichte zu Missbrauchsfällen begonnen hätten darüber nachzudenken, was ihnen in ihrer Jugend passiert ist. In Heimen und Internaten sei es besonders häufig zu Missbrauch gekommen sei, so die Opferschutzanwältin. (kap v. 6. 1.)

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche" kritisiert das jüngste Kardinal-Konsistorium in Rom: In den letzten beiden Tagen beriet eine Gruppe von Kardinälen um Papst Leo XIV. in einem „außerordentlichen Konsistorium" über die Zukunft der Kirche. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche” sieht in einer Aussendung darin ein Problem: Das Treffen der Kardinäle offenbare „strukturelle Defizite der römisch-katholischen Weltkirche". Wenn diese „relativ homogene Gruppe überwiegend älterer Männer" über die Zukunft der römisch-katholischen Kirche berate, stehe das im Widerspruch „zu den Forderungen nach Geschwisterlichkeit, Transparenz, Partizipation und echter Synodalität". Die Laienbewegung bemängelt eine „Repräsentationslücke" bezüglich Frauen, jungen Gläubigen aller Geschlechter und Laien. Mangelnde Partizipation durch Beratungen hinter verschlossenen Türen schwächten das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Kirche. So blockiere die kirchliche Hierarchie „dringend notwendige Erneuerungen". (vn u. domradio.de v. 9. 1.)

Ehemalige Anglikaner sind ein Drittel des römisch-katholischen Klerus in England, die meisten davon verheiratet. Seit 2011 ist es anglikanischen Priestern möglich, zum Katholizismus zu konvertieren, ohne ihre anglikanische Tradition völlig aufzugeben. Konkret wurden zwischen 1992 und 2024 522 anglikanische Priester für die römisch-katholische Kirche geweiht. Laut der Anordnung des von Papst Benedikt XIV. eingerichteten Personalordinariats „Unserer Lieben Frau von Walsingham" können anglikanische Priester, die wieder mit Rom in Gemeinschaft getreten sind, bestimmte liturgische Traditionen beibehalten, darunter die Feier der Messe in altem Englisch. Das Nebeneinander von Zölibatären und verheirateten Priestern schaffe eine besondere Dynamik im englischen Presbyterium. (kap v. 16. 1.)

Eine „Bischöfliche Beauftragte für Synodalität" soll das Bistum Limburg synodaler machen. Die Theologin Dewi Maria Suharjanto soll in dieser Position neue Strukturen entwickeln, um im Bistum künftig wichtige Entscheidungen unter Beteiligung aller Katholikinnen und Katholiken zu treffen. Das Bistum sprach von einer strukturellen Weichenstellung, um Beteiligung und gemeinsame Entscheidungsfindung zu stärken. Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, gehört zu den treibenden Kräften für neue Strukturen der Mitbestimmung in der römisch-katholischen Kirche. Ihre Vorgängerin war Hildegard Wustmans. Diese trägt – auch als „Bischöfliche Bevollmächtigte" – gemeinsam mit Generalvikar Wolfgang Pax Leitungsverantwortung für die Diözese. (domradio v. 19. 1.)

Die Frauenkommission der Diözese Linz will priesterliche Berufungen nicht auf Männer beschränken. Die Kommission hat das neue Quereinsteiger-Modell für Priester - ein neues berufsbegleitendes Ausbildungsmodell der römisch-katholischen Kirche in Österreich für sogenannte „Spätberufene" - zum Anlass für erneute Kritik genommen. Das Modell richtet sich an Männer zwischen 45 und 60 Jahren, die neben ihrem Zivilberuf auf das Priesteramt vorbereitet werden können. Die Frauenkommission begrüßte in einer Stellungnahme zwar grundsätzlich die Suche nach neuen Wegen, kritisierte jedoch, dass Frauen nach wie vor vom Priesteramt ausgeschlossen sind: „Berufungen gibt es auch bei Frauen und diese werden nach wie vor nicht ernst genommen. […] Dass Berufungen von Frauen nicht einmal geprüft werden, ist ein schmerzlicher Missstand, den sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich in der Kirche tätige Frauen und Männer bitter beklagen". Die Kommission verwies auf das Neue Testament, das die gleiche Würde und Wertigkeit aller Menschen betont. „Die Frauenkommission der Diözese Linz ist jederzeit gerne bereit mitzudenken, wenn es darum geht, neue Wege und Möglichkeiten zu beschreiten, damit Männer und Frauen ihre Berufung im Dienst der Kirche verwirklichen können", heißt es in einer Stellungnahme. Die erste Kärntner „Bischöfliche Vikarin“ Österreichs, Barbara Velik-Frank, bezeichnete in „Die Furche" (Ausgabe 3/2026) die neue Form der Priesterausbildung als Zeichen des sich wandelnden kirchlichen Selbstverständnisses. Ziel müsse die Stärkung und Entscheidung für Laien in Leitungspositionen sein. (kap v. 29. 1.; Die Furche 3/2026)

Papst Leo XIV ermuntert die „Legionäre Christi“ zu neuen Leitungsformen. Die Papstansprache an die Laien-Bewegung „Regnum Christi“ der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christi“ kreiste um die Begriffe Charisma, Leitung und Gemeinschaft: „Heute ist es wichtiger denn je, zu wissen, wer wir sind, wenn wir einen authentischen Dialog mit der Gesellschaft führen wollen“. Damit verbunden sieht der Papst die Frage der Leitung, die die Gemeinschaft brauche, „um reife Entscheidungsprozesse einleiten zu können. […] Eine wahrhaft evangelische Leitung ist stets auf den Dienst ausgerichtet. Sie unterstützt, begleitet und hilft jedem Mitglied, dem Bild des Erlösers immer ähnlicher zu werden.“ In diesem Sinne sei eine „gemeinschaftliche Entscheidungsfindung der ideale Raum, in dem gemeinsame Entscheidungen reifen und Gemeinschaft und Mitverantwortung entstehen können. […] Scheuen Sie sich nicht, neue Leitungsformen auszuprobieren; es ist wichtig, stets zu bedenken, dass die gemeinsame Suche nach einem unverwechselbaren Stil der Autoritätsausübung Wege eröffnet, die nicht nur die Gemeinden und ihre einzelnen Mitglieder bereichern, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl und die Teilhabe an der gemeinsamen Mission stärken.“ Die „Legionäre Christi“ zählen rund 1.540 Mitglieder in 21 Ländern. Sie sind überwiegend in der Kinder-, Jugend- und Familienseelsorge sowie in katholischen Bildungseinrichtungen tätig. (vn v. 29. 1.)

Die deutsche „Synodalkonferenz“ soll Kirchenreformen fortführen. In einer Abschlusserklärung in Stuttgart fassen die Teilnehmer des deutschen „Synodalen Wegs“ ihre Erfahrungen nach sechs Jahren Dialog zusammen. Sie wollen das Bemühen um Reformen, Missbrauchsaufarbeitung und eine glaubwürdige Vermittlung christlicher Werte weiter vorantreiben. In der Erklärung hält die Versammlung von Bischöfen, Ordensleuten und Laien fest: „Eine hoffnungsfrohe Kirche, die nichts mehr verschleiert und sich erneuert, kann wirksamer eintreten für eine Welt, die Zukunft hat. […] Ein neues Miteinander, neue Formen von Synodalität, die Bedeutung von Rechenschaftslegung und Transparenz und die Ermöglichung von mehr Teilhabe wurden auf den Weg gebracht." Für Bistümer, Pfarreien, Verbände und kirchliche Gemeinschaften seien Impulse gesetzt worden. Mit der „Synodalkonferenz“, einem neuen nationalen Beratungs- und Beschlussgremium von Bischöfen und Laien, werde die Kirche in Deutschland ein Instrument gewinnen, „um dauerhaft die systemischen Dimensionen des Machtmissbrauchs zu bekämpfen". Die Synodalkonferenz soll, nach der Zustimmung des Vatikan, im November an den Start gehen. (domradio.de v. 31. 1.)