Hoffnungszeichen Juli 2026 - Innerkirchliche Reformansätze

Hoffnungszeichen   |
von Paul Weitzer

Frauen aus den Schweizer Diözesen bringen ihre Wünsche nach Rom.

Vom 2. bis 5. Juli 2026 reist eine Delegation von 18 Frauen aus allen Diözesen der Schweiz nach Rom. Der Anlass knüpft an das zehnjährige Jubiläum des Projekts „Kirche mit den Frauen“ an. Die Reise intendiert einen Austausch mit Vertreterinnen des Vatikan. Die Jubiläumsreise greift den Begriff „Ad-limina-Besuch“ auf und interpretiert ihn neu. Denn ursprünglich ist er für Bischöfe reserviert. Das Ziel der Schweizer Delegation ist es, die Anliegen von Frauen in der Kirche sichtbar zu machen und mit internationalen römisch-katholischen Netzwerken ins Gespräch zu kommen. Im Vatikan sind gezielt Begegnungen mit Frauen geplant, die an zentralen Stellen der Weltkirche tätig sind und Reformprozesse mitprägen. (vn v. 3. 7.)

Eine Theologin fordert mehr Frauen in Leitungsverantwortung. Für die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar ist klar: Frauen sollen selbst Verantwortung übernehmen. Das sagte die Synoden-Expertin bei einer Veranstaltung des „Netzwerk Frauen.Führen.Kirche": „Frauen sollten auch Leitungsaufgaben übernehmen, damit sie mitentscheiden können." Die Dekanin der Katholischen Privat-Universität Linz war eine der theologischen Expertinnen der Weltbischofssynoden 2023 und 2024. Es gehe um die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Mitverantwortung in Seelsorge, Leitung und Liturgie sowie um eine Kultur der Gleichberechtigung. Mit Blick auf die Zukunft sagte sie: „Momentan sehe ich, dass wir vielleicht früher Kardinälinnen haben könnten als Priesterinnen oder Diakoninnen." Die Ernennung zum Kardinal war bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht an die Priesterweihe gebunden. Csiszar plädiert für eine Frauensynode in Rom: „Was wäre zum Beispiel, wenn der Papst eine Frauensynode in Rom einberufen würde, eine Synode über die Rolle der Frauen in der Kirche. Dort könnten Frauen aus aller Welt erzählen und mitberaten, wie sie Kirche, Berufung und Taufwürde in den verschiedenen Kontexten erleben. Dort müsste es vorerst nicht unbedingt um die Frage der Weihe gehen. Es ginge darum, den Raum zu öffnen, in dem die Leitung dieser Kirche den Frauen ernsthaft zuhören will. Die weltkirchliche Perspektive sei dabei immer entscheidend, denn die Erfahrungen und Herausforderungen von Frauen würden sich je nach Kultur und Kontinent unterscheiden.“ Trotz vieler offener Fragen zeigte sich Csiszar hoffnungsvoll: „Was vom Heiligen Geist kommt, kann nicht aufgehalten werden", sagte sie mit Verweis auf das Schlussdokument der Weltsynode, Absatz 60. (kap v. 12. 7.)

Die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts verlangt Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen der Kirche. Zu den Initiatorinnen des kirchlichen Frauen-Netzwerkes „Netzwerk Frauen.Führen.Kirche", dem rund 150 Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen angehören, zählen Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des ÖPI, und Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Beide haben im Interview mit der Tageszeitung „Krone" die Veränderungen in der Kirche thematisiert und sich für weitere Schritte in Richtung Gleichberechtigung ausgesprochen. Die Österreichische Bischofskonferenz hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2028 mindestens ein Drittel der Leitungsfunktionen mit Frauen zu besetzen. Für Eder-Cakl gehe es dabei um weit mehr als um Personalpolitik. „Die Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen der Kirche sind eine wesentliche Frage der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche weltweit". Frauen sollten die gleiche Mitverantwortung übernehmen können wie Männer - in der Seelsorge, in Leitungsfunktionen und auch bei den Sakramenten. Die Initiatorinnen sprachen sich deshalb dafür aus, Frauen zum Diakonat, Priesteramt und Bischofsamt zuzulassen. (kap v. 12. 7.)

Für den künftiger Bischof von Eichstätt bleibt die Zölibatsfrage weiterhin aktuell. Bischof Christian Würtz erwartet weitere Debatten um die Ehelosigkeit von Priestern. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er: „Das wird sicherlich eine Frage sein, die uns auch in nächster Zeit noch mal stark beschäftigen wird." In Sachen Synodalität sei es wichtig, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und seine eigene Meinung nicht von vornherein absolut zu setzen. Generell gelte: „Die Kirche muss sich immer reformieren, das ist, seit es sie gibt, so. […] Wenn wir stehen bleiben und sich gar nichts ändert, dann bringt das die Kirche auch nicht voran." Würtz folgt Bischof Gregor Maria Hanke nach. (kap u. kna v. 12. 7.)

Erstmals werden zwei Frauen das römisch-katholische Dekanat Bremen-Nord leiten. Wie das Bistum Hildesheim mitteilte, übernehmen Ute Zeilmann und Agnes Dobrzynski die Nachfolge von Pfarrer Holger Baumgard als Pfarrbeauftragte. Die Theologin Zeilmann übernimmt die Pastoral und das Pastoralteam der Hauptamtlichen, Dobrzynski die Verwaltungsleitung. Dazu unterstützen noch zwei Priester das Pastoralteam. Dobrzynski und Zeilmann wollen bei ihrer Arbeit Impulse zur Synodalität geben: „Gemeinsam leiten, hören auf die Geistkraft Gottes, geistliche Unterscheidung, keine einsamen Leitungsentscheidungen mehr." (domradio.de v. 21. 7.)

Eine Theologieprofessorin in Peru engagiert sich für synodale Reformen in Lateinamerika. Mit vielen Fortbildungen und neuen synodalen Strukturen zur Reform der Priesterausbildung geht die Kirche in Lateinamerika und der Karibik ihren synodalen Weg weiter, berichtet Theologin Birgit Weiler im Portal feinschwarz.net. Die aus Duisburg stammende Ordensfrau ist Mitglied der von der Bischofskonferenz eingesetzten Nationalen Kommission für die Umsetzung der Weltsynode in Peru. Es sei – trotz mancher Widerstände – ein Bewusstsein dafür gewachsen, „dass eine spirituelle Umkehr hin zu mehr praktizierter Synodalität in der Kirche unbedingt der dafür notwendigen Strukturen und Verfahrensweisen bedarf. [… Für deren Inkulturation] ist es unerlässlich, möglichst viele Mitglieder des Volkes Gottes mit unterschiedlichen Berufungen an diesem Prozess aktiv zu beteiligen." Mit der „Kirchenkonferenz Amazoniens“ (CEAMA) sei aus der Amazoniensynode eine permanente und synodale kirchliche Konferenz hervorgegangen, die die Synodalität und gemeinsame Pastoral zwischen den Kirchen des Amazonasgebietes fördert. Laut Weiler ist sie das erste synodale kirchliche Organ dieser Art in der Weltkirche. „Die Umsetzung von Synodalität [erfordert] notwendigerweise eine Reform der Ausbildung von künftigen Priestern […], damit sie ihr Amt in einem synodalen Geist verstehen und auszuüben lernen". (domradio.de v. 23. 7.)

Ein Dogmatik-Professor fordert eine offene Diskussion über kirchliche Lehren. Es sei notwendig, „Dogmen als geschichtlich entstandene Formen kirchlicher Lehre anzusehen, nicht als endgültige Gewissheiten,“ sagte der Münchner Dogmatiker Michael Seewald anlässlich des Liborifests in Paderborn. Gott offenbare keine Dogmen, sondern einen mehrdeutigen Willen. Dieser lasse unterschiedliche Deutungen zu. Erst die Kirche gebe einer dieser Deutungen die Form eines Dogmas. So erfolge dogmatisches Lehren zeitbedingt und sei grundsätzlich kritisierbar. Der Dogmatiker warb für eine Kirche, die den Glauben so verkündet, dass er zur Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Gegenwart befähigt. Ein ängstlicher Rückzug in abgeschlossene Glaubenswelten werde dem Evangelium nicht gerecht. (domradio.de v. 25. 7.)

Das Bistum Hildesheim bezieht Gläubige bei der Bischofssuche ein. Die acht Domkapitulare des Domkapitels stellen am 15. September an acht Orten im Bistum den Ablauf bis zur Ernennung eines neuen Bischofs vor. Die Menschen in der Diözese sind dann eingeladen, sich über den Weg bis zur Wahl des neuen Bischofs auszutauschen. Es folgen gemeinsame Abendessen. Dann erstellt das Domkapitel – nach dem Preussen-Konkordat von 1929 – eine Kandidatenliste und leitet sie an den Vatikan weiter. Danach erstellt der Vatikan eine Dreierliste mit Kandidaten. Aus dieser sogenannten „Terna“ wählt das Domkapitel den neuen Bischof. Die Ernennung erfolgt durch den Papst. Auch in anderen deutschen Bistümern wurden zuletzt Laien an der Suche nach geeigneten Kandidaten beteiligt, etwa in Münster und Paderborn. (kath.ch u. kna v. 30.7.)

Eine Dogmatikerin sieht in der römisch-katholischen Kirche die Synodalität auf gutem Weg. Synodalität wirkt in der Kirche weiter, auch wenn sie leiser geworden ist, so Franca Spies in der Wochenzeitung „Die Furche". Im Interview betonte sie, es sei wichtig, gegen einen grassierenden „Wagenburgkatholizismus" anzukämpfen, der Katholizität vor allem durch die Abgrenzung von anderen verstehe. Ein solcher Begriff von Katholizität sei nicht zukunftsfähig. Katholische Identität stehe und falle nicht mit der jeweiligen Haltung zu den „heißen Eisen"-Themen wie Zölibat, Frauenweihe oder Sexualität. „Wer meint, das Christentum auf Fragen von Geschlechtlichkeit und Sexualität verengen zu können, muss schon einen großen Teil der Glaubenstradition ignorieren." Dasselbe gelte für die „heißen Themen“. Tatsächlich sei Katholizität ständig in Bewegung. Die Wandelbarkeit des Katholischen liege in der Offenbarung Gottes selber begründet: „Der Katholizismus glaubt zwar an die endgültig ergangene Offenbarung Gottes, aber auch daran, dass diese im Lauf der Geschichte immer tiefer erfasst und je neu ins Wort gebracht wird. Wir dürfen also damit rechnen, dass Überzeugungen der Kirche irgendwann besser oder gar anders verstanden werden." (Die Furche vom 30. 7.)