Hoffnungszeichen Juni 2026 - Ökumene

Hoffnungszeichen   |
von Paul Weitzer

Die koptisch-orthodoxe Kirche hat den theologischen Dialog mit der römisch-katholischen Kirche wieder aufgenommen. Grund dafür sind die Klarstellungen von Papst Leo XIV. zur Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, berichtet die Internetseite „Catholic Culture". Die koptisch-orthodoxe Kirche hatte den Dialog im März 2024 ausgesetzt, nachdem die vatikanische Erklärung „Fiducia supplicans" veröffentlicht worden war. Dieses Dokument, das unter bestimmten Umständen Segnungen auch für homosexuelle Paare ermöglicht, war bei den Kopten auf deutliche Ablehnung gestoßen. (kap u. kna v. 4. 6.)

Deutschlands Kirchen würdigen die ökumenische Krankenhausseelsorge. Anlässlich der Vorstellung eines gemeinsamen Logos dankten der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, und Landesbischof Friedrich Kramer von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland rund 2.000 Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorgern für ihren Dienst: „Im Krankenhaus wird Ökumene nicht zuerst diskutiert, sondern gelebt“, so Bischof Kohlgraf. Landesbischof Kramer betonte: „In den Kliniken unseres Landes ist die Ökumene tägliche, vertrauensvolle Praxis.“ Das neue Logo wurde von einer ökumenischen Arbeitsgruppe entwickelt. Inspiriert von frühchristlichen Christusmonogrammen kombiniert es ein Kreuz mit dem Schriftzug der Krankenhausseelsorge. Die ökumenische Zusammenarbeit bedeutet die gemeinsame Betreuung von Stationen, Rufbereitschaften, Mitwirkung in klinischen Ethikkomitees u. a. m. Evangelische und römisch-katholische Angebote ergänzen sich und stehen nicht in Konkurrenz zueinander. (vn v. 8. 6.)

Die Kirchen Österreichs gedenken der „Mutter der Ökumene" Oberin Gleixner. Vor 100 Jahren wurde die Ökumene-Pionierin Sr. Christine Gleixner geboren. Die Ordensfrau war über Jahrzehnte eine der prägendsten Gestalten der Kirchen in Österreich und trug maßgeblich dazu bei, die Einheit der Kirchen in Österreich voranzubringen. An ihrem Geburtstag, dem 22. Juni, laden deshalb die Erzdiözese Wien, der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich und die Stiftung Pro Oriente zu einem ökumenischen Gottesdienst in den Wiener Stephansdom Mit dabei sind neben Erzbischof Josef Grünwidl u. a. die evangelischen Altbischöfe Michael Bünker und Michael Chalupka, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopus Emmanuel Aydin, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler und die methodistische Pastorin Esther Handschin. Der Wiener Ostkirchen- und Ökumene-Experte Prof. Rudolf Prokschi hat in einer Aussendung die Verdienste von Oberin Gleixner gewürdigt: „Sie war überzeugt von der notwendigen Einheit der Kirchen als Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft.“ Als Theologin trat sie für eine „Ökumene auf Augenhöhe" ein und fand in den 1960er Jahren in Kardinal Franz König, dem orthodoxen Metropoliten Chrysostomos Tsiter und dem evangelisch-lutherischen Bischof Gerhard May kongeniale Partner. (kap v. 8. 6.)

Die Kirchen in Oberösterreich betonen den gemeinsamen Einsatz. Das war der Tenor des Ökumene-Empfangs im Linzer Bischofshaus, zu dem Bischof Manfred Scheuer und die Linzer Sektion der Stiftung „Pro Oriente" geladen hatten. Sie konnten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen in Oberösterreich begrüßen, darunter aus der Evangelischen, der Griechisch-, Rumänisch- und Serbisch-orthodoxen Kirche, von Baptisten sowie der Altkatholischen sowie der Neuapostolischen Kirche. Pro-Oriente-Obmann Josef Pühringer erinnerte an die Begegnung von Papst Leo XIV. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im vergangenen Jahr in Nicäa (Nizäa) und bezeichnete dies als „Sternstunde der Ökumene". Nicht weniger bedeutsam seien freilich die kleinen ökumenischen Schritte, „die in unseren Pfarren passieren". Der Linzer Bischof Scheuer meinte: Die römisch-katholische Kirche verstehe sich heute als Partnerin im Dialog mit anderen Kirchen und Religionen im gemeinsamen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. (kap v. 11. 6.)

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien empfing den neuen Apostolischen Nuntius für Syrien. Erzbischof Luigi Roberto Cona versicherte dem Patriarchen Johannes X. die Unterstützung des Papstes für die Präsenz der Christen im Nahen Osten, insbesondere in Syrien. Während des Treffens unterstrich der Patriarch, dass eine gute Zukunft des Landes untrennbar verbunden ist mit einer friedlichen Koexistenz und gleichen Rechten und Pflichten für alle Bürgerinnen und Bürger. Er erinnerte an die langjährigen historischen Verbindungen zwischen dem Orthodoxen Patriarchat von Antiochien und dem Heiligen Stuhl. (kap v. 18. 6.)

Der Jerusalemer Kardinal und der griechisch-orthodoxe Patriarch besuchen gemeinsam Gaza. Kardinal Pierbattista Pizzaballa und der Patriarch von Jerusalem, Theophilos III. wollen „das Gebet Jerusalems zu den verwundeten Gläubigen in Gaza und zu allen Leidenden" bringen, formulierte das Lateinische Patriarchat von Jerusalem. Der Besuch drücke eine pastorale Verantwortung der Kirchen von Jerusalem gegenüber den Ortskirchen in Gaza aus. Vor Ort wollen Theophilos und Pizzaballa durch Gebet, persönliche Begegnungen und seelsorgerische Präsenz „inmitten des tiefen Leids geistige Kraft, Trost und Hoffnung spenden". (kap u. kna u. vn v. 22. 6.)

Die ökumenischen Beratungen über die Unfehlbarkeit des Papstes werden intensiviert. der Koordinierungsausschuss der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den Theologischen Dialog zwischen der Römisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche tagte vom 15. bis 19. Juni in der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma. Der Pressedienst der Wiener Stiftung Pro Oriente berichtet: Die Delegierten tagten unter dem Vorsitz des Präfekten des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und des Metropoliten Job (Getcha) vom orthodoxen Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Die beiden teilten sich den Vorsitz in der seit 1980 bestehenden offiziellen Dialogkommission. Im Kommuniqué heißt es: „Die Mitglieder des Ausschusses führten eine intensive und fruchtbare Diskussion über den Text. Es wurde beschlossen, dass einige Elemente des Textes einer weiteren Überarbeitung und Klarstellung bedürfen, bevor er auf einer Plenarsitzung der Kommission behandelt werden kann." Daher ist eine weitere Sitzung des Koordinierungsausschusses vorgesehen, die im Juni 2027 stattfinden soll. In mehrjährigen Abständen finden Vollversammlungen des aus je 30 römisch-katholischen bzw. orthodoxen Mitgliedern bestehenden Gremiums statt, zuletzt 2023 in Alexandria (Ägypten). Zwischen den Vollversammlungen findet die Arbeit im Rahmen des Koordinierungsausschusses statt, der die Vollversammlungen inhaltlich vorbereitet. (kap v. 26. 6.)

Papst Leo XIV. ruft die Kirche zu Einheit in Verschiedenheit auf. Er betonte, dass der Vatikan nicht auf Herrschaft, sondern auf Dienst angelegt sei, sagte er beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz und betonte die Unterschiedlichkeit von Petrus und Paulus in Bezug auf Herkunft, Ausbildung und Charakter. Auch in der Verkündigung des Evangeliums seien sie unterschiedlich gewesen. Dennoch seien sie keine Gegner gewesen, sondern seien „fast zum Symbol für viele andere Unterschiede (geworden), die der eine Geist zur Einheit zusammenfügt". Ihr Zeugnis habe entscheidend dazu beigetragen, dass „die christliche Präsenz in der Geschichte nicht auf Herrschaft, sondern auf Dienst, Einheit und Versöhnung ausgerichtet" sei. Die Gläubigen rief der Papst auf, „alles [zu] vermeiden, was die Gemeinschaft zermürbt oder verletzt". (kap v. 29. 6.)

Für Papst Leo XIV. sollen die Kirchen Baumeister der Einheit sein. Mit einem eindringlichen Appell zur Einheit hat Leo XIV. die Gläubigen beim Festgottesdienst zum Hochfest Peter und Paul aufgerufen, sich wie die Apostelfürsten für Versöhnung und Einheit einzusetzen. Vor allem in Rom – dem Sterbeort der beiden Apostel – hat dieses Fest große Bedeutung. In seiner Predigt beschrieb der Papst die beiden Apostelfürsten als Vorbilder für Versöhnung. Petrus, der Hüter des Volkes Gottes, habe sich im Neuen Testament „immer wieder als jemand gezeigt, der sich dafür einsetzt, die Gemeinschaft unter den Brüdern und Schwestern zu bewahren.“ Doch Petrus sei nicht vollkommen gewesen. Aber er habe seine Fehler erkannt und sei seiner Sendung, die Herde Christi zu sammeln, nie untreu geworden. Als Sinnbild für den Dienst des Petrus deutete Leo XIV. dessen „Schlüsselgewalt“ neu. Die Schlüssel Petri seien kein Werkzeug der Macht oder des Zwangs. „Ein Schlüssel reißt keine Türen nieder, sondern öffnet und schließt sie, indem er in ihrem Inneren nach den richtigen Mechanismen sucht und deren Bewegungen begleitet, damit sich die Verriegelungen lösen, […] sodass die Räume miteinander verbunden werden und aus vielen isolierten Zimmern ein einziges, einladendes Haus entsteht“. So solle auch der Dienst des Petrus und seiner Nachfolger verstanden werden. Auch Paulus, den „unermüdlichen Verkünder der Frohen Botschaft“, stellte der Papst als Vorbild für die Kirche heraus. Dessen Schwert stehe nicht für Gewalt, sondern für die Kraft des Wortes Gottes, das den Menschen im Innersten verwandle. Mit einem herzlichen Gruß an die Delegation des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel unterstrich Papst Leo die Bedeutung des ökumenischen Dialogs. Die Kirchen von Ost und West feiern dieses Patronatsfest seit 1969 gemeinsam: Das orthodoxe Patriarchat Konstantinopel entsendet eine hochrangige Delegation nach Rom. Der Vatikan seinerseits entsendet jeweils zum Andreasfest am 30. November eine Delegation zu den Feiern am Patronatsfest des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul. (vn v. 29. 6.)

Papst Leo XIV. würdigt beim Empfang einer orthodoxen Delegation den Weg zur Einheit. Nach den Feierlichkeiten zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus hat der Papst eine jährliche Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel im Vatikan empfangen. Er drückte seine Dankbarkeit gegenüber dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem Heiligen Synod für die Entsendung der Vertretung aus, welche die Verbundenheit zwischen den beiden Kirchen zum Ausdruck bringe. In seiner Ansprache erinnerte er an seine Teilnahme am Fest des heiligen Andreas 2025 in der patriarchalischen Georgskirche im Phanar in Istanbul. Die dortigen Begegnungen mit Bartholomaios I. hätten der Vertiefung der Freundschaft und dem Austausch über den gemeinsamen Weg zur vollständigen Einheit der Christen gedient. Und die Feier in Iznik 2025 zum 1700. Jahrestag des Ersten Konzils von Nizäa war „ein beredtes Zeugnis für die Gemeinschaft, die bereits unter jenen besteht, die den Glauben an Gott, den Vater aller, teilen und an Jesus Christus als Herrn und Sohn Gottes sowie an den Heiligen Geist glauben.“ Die Delegation des Ökumenischen Patriarchats wurde von Emmanuel, dem Metropoliten von Chalcedon, geleitet. Jeweils am 30. November nimmt eine römisch-katholische Delegation in Konstantinopel an den Feierlichkeiten zum Fest des Heiligen Andreas teil. Zum Abschluss dankte der Papst der Delegation für ihren Einsatz zur Förderung der christlichen Einheit und sicherte sein Gebet unter der Anrufung der Apostel Petrus und Andreas zu. (vn v. 30. 6.)