Hoffnungszeichen Mai 2026 - Interreligiöser Dialog

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Für einen Bonner Theologen spielt die Mutter Jesu im Islam eine herausragende Rolle. Im Koran ist Maryam/Maria die einzige Frau, die namentlich erwähnt wird, so Klaus von Stosch in einem Buch mit der islamischen Theologin Muna Tatari: Maria erscheint im Koran als tiefgläubige, von Gott erwählte Frau, der sogar eine eigene Sure gewidmet ist. Auch inhaltlich gibt es bemerkenswerte Parallelen zum Christentum: Die Jungfrauengeburt Jesu oder die besondere Erwählung Marias. Maria gilt als die „Gebärerin des Wortes Gottes". „Da ist ganz viel Wertschätzung, an der man merkt, dass auch der Prophet Mohammed sie persönlich als Vorbild gesehen hat", so von Stosch im Interview. Daher habe sich im Laufe der Geschichte des Islam auch eine marianische Frömmigkeit ausgebildet. Auffällig ist die unterschiedliche Darstellung der Geburt Jesu: Während die christliche Tradition von der Geburt im Stall erzählt, beschreibt der Koran Maria, wie sie allein in der Wüste ist – ohne Familie, ohne Beistand und ohne Josef. Sie wünscht sich sogar den Tod. Bis heute beten muslimische Frauen in Not oder wenn sie keine Kinder bekommen können zu Maria. Auch viele Marienwallfahrtsorte würden von Musliminnen besucht. „Das Interessante ist, dass der Prophet, als er verzweifelt war und befürchtete, getötet zu werden, sich selbst mit Maria identifizierte. […Klar ist,] wie inklusiv der Koran selbst und der frühe Islam […] gegenüber anderen Religionen eingestellt waren. Wie der Islam Judentum und Christentum miteinander versöhnen anstatt überwinden wollte". Daher wäre Maria eine Figur, die verbindet. (domradio.de v. 1. 5.)

Für eine Islamische Theologin ist der interreligiöse Dialog für die Demokratie wichtig. Frau Hamideh Mohagheghi unterstrich: Ein ernsthafter und auf gegenseitigem Wissen aufbauender Dialog fördere „Pluralitätsfähigkeit". Insofern würden „interreligiöse Lernprozesse zum Kernauftrag einer zukunftsfähigen Bildung" gehören, sagte die frühere Mitarbeiterin am Zentrum für islamische Theologie an der Universität Paderborn bei einer „Feierstunde“ an der Universität Innsbruck. Interreligiöses Lernen baue u.a. auf gegenseitiger Wertschätzung, gemeinsamer Würdigung von Vielfalt, „Ambiguitätstoleranz" und auf der Bereitschaft, sich selber vom jeweils Anderen verändern zu lassen, auf. Anlässlich der Emeritierungen der Innsbrucker Religionspädagogen Prof. Martina Kraml (70) und Prof. Matthias Scharer (80) würdigte inzwischen an der Universität Wien islamische Theologie lehrende Prof. Zekirija Sejdini die beiden Emeriti. In der Zusammenarbeit mit beiden in Innsbruck habe er gelernt, wie „echte interreligiöse Religionspädagogik" funktioniere. Martina Kraml (em. 2023) wurde 2014 Nachfolgerin Scharers, und ist weiterhin im Bereich der Lehrer- und Lehrerinnenbildung der Universität Innsbruck tätig. (kap v. 7. 5.)

Islam-Vertreter Senegals und Papst Leo XIV. warnen vor Extremismus. Papst Leo XIV. hat eine Delegation von Vertretern muslimischer Bruderschaften und Gemeinschaften aus dem Senegal sowie Repräsentanten der dortigen römisch-katholischen Kirche empfangen. Er beschrieb den Senegal als ein Land friedlicher Koexistenz zwischen Christen, Muslimen und Anhängern anderer Traditionen. In dem vielfach instabilen Umfeld in Afrika seien die Werte des interreligiösen Dialogs ein unverzichtbares Mittel, um Spannungen abzumildern. Er betonte die Überzeugung von Christen und Muslimen, dass jeder Mensch eine gottgegebene Würde besitze. Er warnte vor der Instrumentalisierung des Namens Gottes für militärische oder politische Zwecke. Der Senegal gilt in Westafrika als ein Musterbeispiel für den sozialen Frieden zwischen der muslimischen Mehrheit (etwa 95 Prozent der Bevölkerung) und der christlichen Minderheit. (vn v. 9. 5.)

Der Vatikan ruft zum buddhistischen Vesakh-Fest zum interreligiösen Dialog auf. „Als Bürger und Gläubige teilen wir die Verantwortung, den Frieden zu fördern, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und diejenigen in Machtpositionen dazu aufzufordern, Spaltungen nicht zu schüren, sondern den Dialog statt Konfrontation zu suchen", hieß es in der Grußbotschaft von der Vatikanbehörde für interreligiösen Dialog mit dem Titel „Buddhisten und Christen für einen ‚unbewaffneten und entwaffnenden' Frieden": „Religiöse Führer sind dazu aufgerufen, authentische Partner im Dialog und wahre Vermittler der Versöhnung zu sein. Gemeinsam mit allen Gläubigen sollten sie zu Friedensstiftern werden. […] Möge eure Vesakh-Feier von Gelassenheit und Freude erfüllt sein und uns alle dazu inspirieren, diesen Weg gemeinsam zu gehen." (kap u. vn v. 11. 5.)

Ein Bischof von Mosambik dankt den Muslimen für ihre Solidarität nach Attentaten. Nach dem Terror-Angriff auf eine römisch-katholische Kirche im Norden Mosambiks hat Bischof Antonio Juliasse Ferreira Sandramo der Diözese Pemba die Solidarität muslimischer Vertreter als „Zeichen der Hoffnung“ gewürdigt. Muslimische Vertreter erklärten: „Die islamische Gemeinschaft Mosambiks bringt ihre tiefe Besorgnis über die jüngsten Angriffe in der Provinz Cabo Delgado zum Ausdruck.“ Sie verurteile „alle Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung sowie die Zerstörung religiöser Orte – unabhängig von deren Glaubenszugehörigkeit“, berichtet das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“. Der Bischof antwortete: „Ich danke unseren muslimischen Brüdern für ihre Botschaft. Sie hilft uns, konkret zwischen der muslimischen Religion und jenen zu unterscheiden, die sie radikalisieren und für Hass, Tod und Zerstörung missbrauchen.“ Während der Angriffsserie der Dschihadisten wurden 118 Kirchen und Kapellen zerstört, über 6300 Menschen starben, mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben. Von den ca. 32Mio Einwohnern sind ca. 30% Muslime und 52% Christen. (vn v. 13. 5.)

In Wien gibt es einen interreligiösen Pavillon im ESC-Village. Unter dem Motto "United in Humanity - Connected by Music" steht der „Begegnungsraum" am Rathausplatz Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtung offen. Unter den ersten Gästen waren Bürgermeister Michael Ludwig und Vertreter aus zwölf Religionsgemeinschaften; darunter Bischofsvikar Dariusz Schutzki, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch, der evangelische Superintendent Mathias Geist, der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft Gerhard Weißgrab, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, Imam Ermin Sehic sowie Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche. „Gerade in bewegten Zeiten sind Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt und der Dialog wichtiger denn je", so Ludwig. Initiiert wurde das Projekt von Mitarbeiterinnen des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften, etwa dem Buddhismus, Judentum, Bahá'í, Sikhismus, Islam sowie unterschiedlichen christlichen Konfessionen. Umgesetzt wurde es in Kooperation mit der Stadt Wien und der kirchlichen Initiative „Denk Dich Neu". (kap v. 13. 5.)

Jordanien eröffnet eine Jubiläumsprogramm zu 2.000 Jahre Taufe Jesu. Kirchenführer und der jordanische König Abdullah II. gaben den Auftakt zur „Initiative 2030", wie das arabischsprachige christliche Portal „Abouna" berichtete. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa meinte: Die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte Al-Maghtas am jordanischen Ufer des Jordan müsse als lebendiger Ort bewahrt werden, an dem die Menschen Gott begegnen und die Tiefe ihrer Taufe neu entdecken können. Jordaniens König Abdullah II. eröffnete dort zum Auftakt der Initiative eine internationale orthodoxe Universität. Er sagte, diese erste akademische Einrichtung an der Taufstelle stärke die symbolische Bedeutung des Ortes und stehe im Zeichen der Rolle des haschemitischen Königreichs als Vorbild für interreligiöse Harmonie. Sie bietet Raum für 40 Bewohner und sieht zudem die Möglichkeit eines Fernstudiums vor. Ziel ist laut Patriarch Theophilos III., Studierende aus Jordanien und der ganzen Welt aufzunehmen. Sie soll den christlich-muslimischen Dialog fördern und steht Männern wie Frauen offen. (kap v. 18. 5.)

Der irakische Regierungschef besucht den neugewählten Patriarchen der Chaldäisch-katholischen Kirche. Die Begegnung von Patriarch Paul III. Nona mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi fand am Sitz des Patriarchen in Bagdad statt. Der 58-jährige Patriarch wird Ende Mai in der St.-Joseph-Kathedrale offiziell in sein Amt eingeführt. Al-Saidi (40) gratulierte dem Oberhaupt der größten christlichen Minderheit im Irak zur Wahl und bekräftigte laut staatlicher Nachrichtenagentur INA seine Entschlossenheit, mit allen Parteien zusammenzuarbeiten, um das nationale Gefüge des Irak zu stärken. Er betonte, dass die Christen ein fester Bestandteil des irakischen Volkes seien. Paul III. wünsche sich laut Mitteilung des Patriarchats, die Vielfalt der Religionen im Irak zu bewahren. Der Patriarch und die weiteren anwesenden Bischöfe der chaldäischen Kirchen hätten die für die Christen im Land bestehenden Schwierigkeiten dargelegt. Wegen Krieg, Verfolgung und fehlender Zukunftsperspektiven haben seit 2023 rund eine Million Christen den Irak verlassen. Die Synode der chaldäisch-katholischen Bischöfe hatten Nona, langjähriger Erzbischof der Chaldäer in Sydney (2015-2026), am 12. April in Rom zum Nachfolger von Patriarch Louis Raphael I. Sako gewählt. Der neue Patriarch erlebte 2014 als damaliger Erzbischof von Mossul den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat" mit. Seine eigene Gemeinde wurde damals vollständig vertrieben. (kap v. 26. 5.)

In Wien wurde zum zweiten Mal der „Hillel-Award" für christlich-jüdische Verständigung vergeben. Prämiert wurden im Rahmen einer Feierstunde in der Zwi-Perez-Chajes-Schule herausragende vorwissenschaftliche Arbeiten von Schülerinnen und Schülern. Der vom Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit vergebene und mit 1.200 Euro dotierte Preis soll junge Menschen dazu ermutigen, sich intensiver mit der Thematik jüdischen Lebens in Österreich zu befassen und sich verstärkt gegen Antisemitismus einzusetzen, so der Tenor des Abends. Grußworte kamen u. a. von Ministerin Claudia Bauer, Bischof Tiran Petrosyan, dem Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und Natalie Neubauer, der Bildungsbeauftragten Israelitische Kultusgemeinde Wien. Drei Arbeiten wurden ausgezeichnet. Für zwei Arbeiten gab es Ehrungen. Der Hillel-Award sei etwas Besonderes, so Bischof Petrosyan in seinem Grußwort. Der Preis „bringt Menschen zusammen und zeigt, wie wichtig Respekt, Verständnis und Dialog zwischen Religionen und Kulturen sind". Hirsch (auch Zwi) Perez Chajes, 1876 in Brody in Galizien geboren, war Oberrabbiner von Wien. Im Oktober 1939 schlossen die Nationalsozialisten das Chajes-Gymnasium. Danach diente es bis 1945 als Sammellager für Juden zum Transport in Konzentrationslager. Namensgeber des Awards ist der legendäre jüdische Tora-Gelehrte „Hillel der Ältere" aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Im Talmud wird berichtet, dass er den Kern der Tora in einem Satz zusammengefasst hat: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht an. […] Das ist die ganze Tora. Alles andere sind Hinzufügungen. Geh und lern sie!" (kap v. 28. 5.)

Ein islamischer Theologe will im Internet Influencer für weltoffenen Islam ausbilden. In den Sozialen Netzwerken fänden insbesondere junge Muslime problematische Inhalte, die auf Spaltung setzten, sagte Mouhanad Khorchide, der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster der Zeitung „Welt". Selbsternannte Prediger verbreiteten auf TikTok oder in Podcasts kurze, emotionalisierende, aber fragwürdige Botschaften. Den Jugendlichen werde eingeredet, es gäbe den „bösen Westen". Die Botschaft ist: „Schließe dich mit anderen Muslimen gegen die Gefahr von außen zusammen!" Khorchide baut deshalb am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster das Netzwerk „Muslim Aktiv und Weltoffen" auf und will Influencer für einen weltoffenen Islam schulen. „Wer Fragen zum Islam hat, soll zukünftig uns ansteuern. Wir arbeiten mit jungen Studierenden der Universität als Hosts und planen Kooperationen, etwa mit Persönlichkeiten aus dem Sport." Khorchide betonte, dass ein rein intellektuelles Angebot nicht ausreiche. „Wir müssen die Menschen auch emotional erreichen. Glaubwürdige Multiplikatoren sind entscheidend. […] Es geht, Deutscher und Muslim zu sein. Man kann Muslim sein und gleichzeitig die Werte einer demokratischen Gesellschaft vertreten. Diese Vereinbarkeit müssen wir sichtbar machen und wissenschaftlich fundieren." Als erste deutsche Hochschule wird die Universität Münster am 1. Juli eine „Islamisch-Theologische Fakultät" haben, dessen Gründungsdekan Khorchide ist. „Wir wollen zeigen, wie ein zeitgemäßer Islam in Europa gelebt und gedacht werden kann. […] Wir bilden hier Imame und Religionspädagogen aus, die später Multiplikatoren sind." (domradio.de v. 29. 5.)

Ein islamischer Theologe will eine Neudefinition palästinensischer Identität. Aus Sicht von Mouhanad Khorchide solle diese sich nicht in Abgrenzung oder Feindschaft zu Israel und zum Judentum verstehen, sagte der künftige Dekan der in Münster geplanten ersten islamisch-theologischen Fakultät an einer staatlichen Hochschule am Rande einer Studientagung in Bonn. Er sprach sich für eine proisraelische und projüdische Identität aus, die aber auch palästinensisch sei. Wenn man schaue, wie Mohammed den Islam verkündet habe, sehe man, dass er sich auf jüdische Traditionen berufen habe: „Die Grundlagen der Verkündigung Mohammeds liegen im Judentum". Der Schutz und die Förderung jüdischen Lebens müssten aus Sicht Khorchides zum Selbstverständnis von Muslimen und auch zur islamischen Praxis gehören – „aus Gründen der Wertschätzung der eigenen Tradition, die ja auch auf jüdischen Narrativen aufbaut". Im Bildungssystem müsse es gelingen, dass nicht mehr von zwei Lagern gesprochen werde. Stattdessen gebe es eine dritte Erzählung, in der es nicht mehr um ein „entweder oder" gehe. Diese dritte Erzählung soll in der religiösen Bildung auch von Imamen, in Moscheen und in der Jugendarbeit vermittelt werden. (kap u. kna v. 30. 5.)