Im Jahr der Barmherzigkeit muss die katholische Kirche über ihre eigenen Grenzen hinausgehen und Barmherzigkeit auch von anderen Religionen lernen.

Das betonte der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle am 24. Februar bei der Begegnung mit Studenten an der Universität Gregoriana. „Geben wir Zeichen der Barmherzigkeit für den Bruder, die Schwester, den Nachbarn, die Leidenden und Verlassenen.“ Wenn Christen die Sphäre der eigenen Religion überschreiten, könnten sie herausfinden, wie die Barmherzigkeit in anderen Glaubensrichtungen gelebt werde. Das könne man etwa am Beispiel buddhistischer Mönche sehen. Sie sammeln in den Städten Essen und stellten es dann für Arme zur Verfügung. In diesem buddhistischen Brauch könnten die Christen Jesus wiedererkennen, auch wenn es sich dabei um eine andere Religion handele. Tagle, der auch Präsident von Caritas Internationalis ist, wies auf die Glaubenssituation in Afrika hin, wo es viele Misch-Ehen mit unterschiedlichen Religionen gebe. „Eheleute unterschiedlichen Glaubens lernen den barmherzigen Umgang jeden Tag. Die Familie wird zu einer Schule der Barmherzigkeit insbesondere in interreligiösen Familien.“ Diesen Umgang mit anderen Religionen sollten sich Christen zum Vorbild nehmen und lernen, und zwar nicht aus Büchern, sondern durch die persönliche Begegnung. (www.de.radiovaticana.va vom 25. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

     

  • Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

     

  • Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

     

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