Als Katholik mag man sich freuen, wenn der neue österreichische Botschafter beim Heiligen Stuhl um ein gutes Auskommen zwischen der Republik Österreich und der Katholischen Kirche bemüht ist und die Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und dem Vatikan betont.
Als österreichischer Bürger aber bin ich empört und schockiert, dass er als Beispiel für "sehr ähnliche Positionen" gerade die Menschenrechte ins Treffen führt: Hat er vergessen, dass der Vatikan (als einziges europäisches Land außer Belarus) die Europäische Menschenrechtskonvention bis heute nicht unterzeichnet hat? Und weiß er nicht, dass in der katholischen Kirche Frauen klar diskriminiert sind - zumindest jene von ihnen, die eine Berufung als Diakonin, Priesterin oder Bischöfin verspüren? Und man könnte genug weitere Frage stellen ...
Niemand wird verlangen, dass man zu Beginn einer diplomatischen Tätigkeit gleich mit der Tür ins Haus fällt und in offenen Wunden wühlt. Aber so zu tun als ob es diese Wunden gar nicht gäbe, ist kein guter Dienst - weder an Österreich noch am Vatikan.
Harald Prinz