Auf dem gemeinsamen Logo der österreichischen Kirchenreformbewegungen – Laien-Initiative, Pfarrer-Initiative, Priester ohne Amt und Wir sind Kirche – prangen die Worte KIRCHE NEU DENKEN. Die Reformbewegungen verbinden damit die Absage von einer Kirche, die bleiben will, wie sie ist, weil sie sich in Selbstverliebtheit selbst genügt. Sie betonen: „Quer durch die Kirchengeschichte hat es immer schon Frauen und Männer gegeben, die >Kirche neu gedacht< und der Kirche in ihrer Zeit ein jeweils neues Antlitz gegeben haben. Warum sollte es heute nicht wieder so sein??“
Dass nun ausgerechnet eine diözesane Priesterfortbildung ganz offiziell unter das gleiche Thema gestellt wird, zeigt, wie sehr es nötig ist, die Dinge weiter auszudifferenzieren und sich nicht hinter Allgemeinplätzen zu verstecken: 57 Priester der Diözese Bozen-Brixen bildeten sich Ende Jänner 2026 auf einer Tagung in Roverè Veronese unter eben dem Titel „Kirche neu denken“ fort, setzten dabei aber wohl andere Schwerpunkte als die Reformbewegungen in ihrem Nachbarland. Immerhin betonte Bischof Ivo Muser dabei: „Eine glaubwürdige Kirche lebt davon, dass sie hinhört, sich für die Menschen öffnet und nicht bei alten Mustern stehenbleibt."
Da können auch die österreichischen Kirchenreformbewegungen zustimmen, schlagen demgegenüber aber eine Öffnung der Kirche in sehr konkreten Punkten vor: Aufbau einer geschwisterlichen Kirche; volle Gleichberechtigung der Frauen; freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform auch für Priester; positive Bewertung der Sexualität; Frohbotschaft statt Drohbotschaft. Für diese Anliegen haben in Österreich schon vor 30 Jahren 505.000 Menschen unterschrieben, in Deutschland waren es gar 1,8 Millionen, in Südtirol immerhin auch über 18.000. „Kirche neu denken“ ist also nichts wirklich Neues. Die Frage ist, was man darunter versteht.
Roman Fürst