Lippenbekenntnisse

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Für Traditionalisten mögen die schismatischen Bischofsweihen der Piusbruderschaft am 1. Juli 2026 ein Fest gewesen sein. Doch es darf hinterfragt werden, ob jedes "Ja" der Weihekandidaten ehrlich war.

Die Piusbrüder haben´s wieder getan: Sie haben gegen den Willen des Papstes Bischöfe geweiht und sind mit Pomp und Trara ins Schisma gezogen. Zeitungen und Bildschirme in aller Herren Länder brachten bunte Bilder von einer Liturgie wie aus einer anderen Welt - nicht an eine himmlische Welt denke ich da, sondern an eine gestrige, vielleicht auch ewig-gestrige.

Für viele mag es durchaus etwas Faszinierendes haben, Bischöfe in wallenden Gewändern zu sehen, verbunden mit einem farbenfrohen Spektakel, das Heerscharen von Priestern zeigt, streng geordnet und getrennt von Nonnen in schwarzen und weißen Gewändern, und irgendwo - weit hinten - begleitet von Tausenden Laienchristen, die von überall hergekommen sind, das Fest ihrer Priesterbruderschaft zu begehen. Ja, die Fraternität wusste sich gut in Szene zu setzen: In ihrer Theologie antiquiert, sind die Piusbrüder in ihrer Kommunikation hochmodern, verstehen es sich zu vernetzen und mithilfe professioneller PR ihr Credo in alle Welt zu tragen.

Nur: Wie glaubwürdig ist dieses Credo? Ob es nicht doch manches Mal mehr Schein ist als Sein? - Das habe ich mich schon vor langer Zeit einmal gefragt, als ich in ihrer Pariser Kirche St. Nicolas de Chardonnay, die sie 1977 während einer Messfeier mit Gewalt erobert haben, einen Blick in die Sakristei werfen konnte und dort ein Bild von Papst Johannes Paul II. hängen sah. Ich war darüber äußerst verwirrt: Wie konnte man nach außen hin das Bild des Papstes verehren, gleichzeitig aber immer und immer wieder gegen diesen Papst agieren?

Diese Diskrepanz zwischen Sein und Schein der Piusbrüder wurde bei den Bischofsweihen am 1. Juli 2026 in Ecône auch in der Liturgie selbst mehr als deutlich: Da hieß es im Eid, den der Dienstälteste der vier Weihekandidaten stellvertretend für seine drei Kollegen vortrug: "Ich, Erwählter der Kirche, werde von nun an und für immer dem seligen Apostel Petrus, der heiligen römischen Kirche, unserem Heiligen Vater, dem Papst, und seinen rechtmässig bestellten Nachfolgern treu und gehorsam sein." Nun mag man diskutieren können, was unter Treue und Gehorsam zu verstehen ist, aber sich für diese vom Vatikan nicht erlaubte Bischofsweihe zur Verfügung zu stellen, wird man nur schwer als einen Akt der Treue und des Gehorsams gegenüber dem Papst deuten können. Hat Leo XIV. mit einem persönlichen Schreiben nicht am Vortag noch versucht, diese Weihen in letzter Minute zu verhindern?

Auch auf die Frage "Wollt ihr die Traditionen der heiligen Väter, die kanonischen Dekrete und die Konstitutionen des Apostolischen Stuhls in Ehrfurcht annehmen, lehren und bewahren?" antworteten alle vier Weihekandidaten mit "Volo": "Ich will es." Man möchte fragen: Sind nicht auch die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils Traditionen heiliger Väter, gehört zu einem Annehmen der kanonischen Dekrete nicht auch, die Canones des aktuellen Kirchenrechts zu achten und gehören zu den Konstitutionen des Apostolischen Stuhls nicht auch jene Erlässe aus dem Glaubensdikasterium, die die Bruderschaft so sehr bekämpft?!

Aber auch die Frage "Lehnt ihr auch feierlich jede Irrlehre ab, die sich gegen diese heilige katholische Kirche erhebt?" wurde von den vier Weihekandidaten mit "Ja" beantwortet. Dabei führt sie ihr "Ja" an diesem Tag doch geradewegs ins Schisma, trennt sie von der Kirche und macht sie damit - nach Meinung dieser Kirche - selbst zu Vertretern einer Irrlehre!

Warum muss man sich den Schein geben, papsttreu zu sein, wenn man es nicht ist? - Vielleicht, weil man ohne die Größe des Papsttums auch selbst relativ klein wäre. Vielleicht aber auch, weil man meint, mit einem solchen Lippenbekenntnis den Papst und die Kurie beeindrucken und die Kirche auf diese Weise doch noch nach eigener Façon herrichten zu können. Wie auch immer: Ich greife in meiner Ratlosigkeit nach dem Evangelium und finde bei Mt 5,37: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Alles andere stammt vom Bösen."

Harald Prinz