Mit Bischöfen gesegnet?

Kommentare   |
Martha Heizer hat das Grußwort von Kardinal Grech beim Schlussgottesdienst des Deutschen Katholikentags im Fernsehen verfolgt. Und ist darüber ins Grübeln gekommen.

Den Deutschen Katholikentag 2026 habe ich krankheitsbedingt verpasst. Leider! Aber die eine oder andere Veranstaltung verfolgte ich über die Medien und als in Würzburg der Abschlussgottesdienst gefeiert wurde, war ich immerhin am Fernseher dabei. Mit dabei – und zwar live vor Ort – auch Kardinal Mario Grech. Mit ihm war erstmals ein Vertreter des Vatikans offiziell beim Deutschen Katholikentag vertreten. Ich freute mich darüber – und erschrak dann doch, als er seine Grußbotschaft verlas!

Laut Transskript sagte Kardinal Grech: "We are truly gifted with the ministry of the bishop for the local Church and the Petrine ministry for the whole Church — ministries that can guarantee that we are fulfilling God’s will.” (Wir sind wahrhaft gesegnet mit dem Bischofsamt für die Ortskirche und dem Petrusamt für die gesamte Kirche – Ämter, die gewährleisten können, dass wir Gottes Willen erfüllen).

Nun, ich bin erschrocken, weil ich ein kleines, aber wichtiges Wörtchen nicht gehört habe: “can”. Und im Kontext dieses Satzes ändert es viel, es geht um nicht weniger als die Diskrepanz zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit. War es nicht da, dieses "can"? Wurde es verschluckt? Wurde es später in die Rede eingefügt? Oder habe ich einfach nicht gut hingehört?

Wie auch immer: Diese Aussage brachte meine Gedanken natürlich sofort zu den österreichischen Bischöfen rund um Kardinal Innitzer und ihren Aufruf an alle Gläubigen, bei der Volksabstimmung 1938 für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu stimmen sowie zu bestimmten Bischofsernennungen der 1980er-Jahre (Kurt Krenn, Hans Hermann Groër, …). Diesen Bischöfen zu folgen – was viele ja auch getan haben - hätte also geheißen, Gottes Willen zu erfüllen?? Tatsächlich??? Aber auch heute: Was haben wir inzwischen nicht alles schon erlebt an Machtmissbrauch, an Missbrauchsvertuschung, an Ignoranz gegenüber Benachteiligten, an Arroganz, an Selbsterhöhung??

Und da stellt sich Kardinal Grech hin und behauptet generell und allgemein, wir wären „gesegnet mit dem Bischofsamt“! Nein, so leicht geht es nicht: Wohl ist Leitung wichtig und kann auch ein Bischofsamt Segen bringen, aber es braucht immer auch Kontrolle. Und die ist kaum vorgesehen in unserem gegenwärtigen kirchlichen System. Und das beschädigt das Bischofsamt – und auch den Segen, den es eigentlich bringen könnte.

Ich bin froh darüber, dass sich viele Menschen von automatischem Gehorsam verabschiedet haben und immer zuerst auch noch ihr Gewissen befragen, bevor sie „dem Bischof“ oder „dem Petrusamt“ einfach folgen. Am ehesten garantiert doch noch der „sensus fidelium“, also der Glaubenssinn des gesamten Gottesvolkes, dass wir dem Willen Gottes folgen. Und selbst da sollten wir das Gewissen nicht außen vor lassen. Das ist alte katholische Lehre. Bitte auch in Rom wieder einmal studieren!

Foto (© Martha Heizer): Bischöfe auf der europäischen Kontinentalversammlung der Weltsynode in Prag 2023