Nicht jede Gans ist dumm

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Gedanken von Martha Heizer zur Martinslegende

Vielleicht essen Sie heute oder morgen ein Martini-Gansl. Wissen Sie, woher der Brauch kommt? Hat er wirklich mit dem heiligen Martin zu tun?

Wir kennen die Legende, dass Martin als junger Mann, noch bevor er Ordensmann und Geistlicher wurde, seinen weitgeschwungenen Mantel entzweischnitt, um ihn mit einem Bettler zu teilen. Das brachte ihm Gelächter seiner Umgebung ein, heißt es, aber doch auch Bewunderung und Verehrung über Jahrhunderte.

Aber die Geschichte mit der Gans?

Es wird erzählt, dass Martin, inzwischen Mönch und Priester, vom Klerus und vom Volk seiner Diözese zum Bischof gewählt wurde. Er wollte das Amt aber nicht und versteckte sich in einem Stall, um dem Drängen der Menschen zu entgehen. Eine Gans aber schnatterte so laut und aufgeregt, dass sie ihn verriet. Die Gans war also mitverantwortlich, dass Martin Bischof von Tours wurde.

Er wirkte sehr segensreich, wird erzählt, wohnte selbst in einer hölzernen Zelle außerhalb der Stadt, kümmerte sich um die Armen und Kranken und vor allem: um die Nicht- und Andersgläubigen, die rundum mit Feuer und Schwert bekämpft wurden. Dagegen wandte er heftig ein, es sei gegen den Geist Jesu, sie mit Leidenschaft und Grausamkeit zu verfolgen.

Es gibt einiges abzuleiten aus dieser Geschichte:

  1. Auch ein Mann, den das Volk wählt, kann ein heiliger Bischof werden – so viel zum angeblichen Argument, dass man Bischöfe nicht wählen kann.
  2. Nicht- und Andersgläubigen ist mit Respekt zu begegnen. Überzeugungsarbeit kann nur mit Liebe und Argumentation geschehen, nicht mit Gewalt.
  3. Nicht jede Gans ist dumm.