Nicht zurück und nicht nach rechts!

Kommentare   |
Der Salzburger Priester Ignaz Steinwender beklagt die angebliche Anbiederung der Kirche an den Zeitgeist. Sein Priesterkollege Gidi Außerhofer hält dagegen.

Es ist irritierend, dass Ignaz Steinwender, Dekan des Salzburger Anteils des Zillertales, als Seelsorger spaltende Gesten des klerikalen Machtmissbrauchs setzt: Er verwendet den Youtube-Kanal um seine pessimistischen Eindrücke anlässlich der Weihe des neuen Erzbischofs von Wien wiederzugeben, er trifft sich mit Vertretern einer Partei (FPÖ), die mit anerkannt rechtsextremen Gruppierungen kuschelt, und verbietet in seiner Pfarrgemeinde die missionarische Sozialaktion des Sternsingens.

Wenn er in der Kirche die Anbiederung an den Zeitgeist beklagt, dann spricht er in unzulässiger Weise gegen das Konzil, das schon vor 60 Jahren stattgefunden hat, und vor allem auch gegen die verschiedenen Synoden der letzten Jahrzehnte – offensichtlich, weil sein eigenes Kirchenbild ein sehr hierarchisch klerikales ist. Kirche hat jenseits allen Zeitgeistes in „menschennaher und gottvoller Weise“ (Prof. Zulehner) den Menschen und der Welt die Botschaft von Gottes Liebe und Heil zu verkünden. Wenn Steinwender der Kirche vorwirft, dem „Klimawahn“ verfallen zu sein, so hat er offensichtlich das Lehrschreiben von Papst Franziskus „Laudato si“ über die Notwendigkeit der Sorge um die Bewahrung der Schöpfung nicht gelesen.

Ja, unsere Kirche hat ihre Probleme, aber es sind andere als die, die Ignaz Steinwender in seiner rückwärtsgewandten Sicht ausmacht. Dies wird auch deutlich, wenn er jüngst die berührende Feier der Bischofsweihe im Stephansdom als einen sich abzeichnenden Niedergang der Kirche prophezeit. Im Gegenteil: Diese Bischofsweihe hat mit Gesten und Ritualen (Gehen zum Dom mit jungen Menschen, Innehalten am Taufbecken, zwei Frauen halten das Evangelienbuch beim Weihegebet, ökumenische Geschwisterlichkeit…) hoffnungsvolle Sichtweisen für die Zukunft der Kirche aufgetan, in der auch die Freistellung der Lebensform der Priester und die Weihe der Frauen ihren Platz haben müssen. Als der Konzilsgeneration angehöriger Priester wünsche ich mir für die Kirche, dass der Geist des Konzils fortgesetzt wird, mit dem wir uns der Freude und Hoffnung, der Trauer und Fragen aller Menschen annehmen!

Ich sehe es deswegen als sehr unsensibel, wenn Steinwender in Zeiten des wachsenden Rechtspopulismus diesem keinen Widerstand entgegenhält und sich somit auch der Gefahr der Vereinnahmung aussetzt, wo doch in der Wahlwerbung der FPÖ ganz klar christliche Werte und Worte missbraucht worden sind. Hoffentlich hat Steinwender dazu im Sinne der Kirche klärende Worte gefunden - die Gesprächsbereitschaft gegenüber allen gehört zur Sendung der Kirche –, aber es verwundert dennoch, dass er offensichtlich nichts dabei findet, mit einer Partei einen Vortragsabend zu gestalten, deren Vertreter den Holocaust relativieren, in Hassreden die Bevölkerung spalten und Prinzipien einer freien Demokratie wie Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde (bei Migrationshintergrund) und unabhängige Justiz aushöhlen. Es wäre sehr irritierend und zum Schaden für die Kirche, wenn damit eine Machtpolitik unter religiösem Deckmantel gefördert würde.