Unter der Regierung Orbán haben sich die ungarischen Bischöfe geduckt, zu seinen Vorstellungen von einer „illiberalen Demokratie“ haben sie zumindest geschwiegen und Kritikerinnen und Kritikern wie der aus Ungarn stammenden Theologin und Herbert-Haag-Preisträgerin Rita Perintfalvi haben sie nicht geholfen, sondern eher im Gegenteil ihr das Leben schwer gemacht.
Die ungarischen Bischöfe in der Regierungszeit Viktor Orbáns schienen den weltkirchlichen Blick völlig verloren zu haben. Und nicht nur das: Sie ließen auch zu, dass das Christentum politisch instrumentalisiert wurde, durchaus im Sinne der rechtspopulistischen und rechtsradikalen Strömungen aus den USA (die sich offenbar Orbán zum Vorbild genommen hatten): Auch Orbán hatte immer wieder auf christliche Symbolik gesetzt, um sein politisches System zu legitimieren.
Das war auch beim Verbot von LGBTQ-Veranstaltungen und dem Unter-Druck-Setzen zivilgesellschaftlicher Organisationen so. In der Bevölkerung regte sich heftiger Widerstand, die Bischöfe aber haben weitgehend geschwiegen.
Die absolut deutliche Abwahl Viktor Orbáns nennt Rita Perintvalvi eine „friedliche Wahlurnenrevolution“. Wir hoffen mit ihr, dass sie auch dazu führt, dass sich Ungarns Bischöfe, die sich zu kritiklosen Erfüllungsgehilfen – teils sogar zu aktiven Unterstützern – der Regierung Orbán gemacht hatten, wieder ihrer wahren Aufgabe zuwenden und künftig auf Synodalität und Vielfalt setzen.
Auch der ungarischstämmige Kardinal von Belgrad, Ladislav Német, der selbst wegen seiner Offenheit für kirchliche Reformprozesse und Synodalität mitunter Ausgrenzung erfahren hat, fordert nun eine Neubesinnung. In einem längeren Gastbeitrag im Online-Portal Szemlélek rät er den ungarischen Bischöfen, der Selbstkritik nicht auszuweichen und ihre „Rolle neu zu durchdenken, zurückzufinden zu jenem synodalen Weg, der in der Weltkirche seit Jahren beschritten wird". Es ist zu hoffen, dass die ungarischen Bischöfe seinen Rat beherzigen, damit die Katholische Kirche in Ungarn bald wieder zu ihrer Aufgabe im Dienste der Menschen zurückkehren kann.
Martha Heizer