Einen seiner Urlaubstage im Juli 2026 nützte Papst Leo für einen Ausflug zum Heiligtum der Santissima Trinità im Bergdorf Vallepietra eineinhalb Autostunden von Castel Gandolfo entfernt.
Der unangekündigte Privatbesuch des Pontifex in Vallepietra bescherte zahlreichen Wallfahrer:innen eine unverhoffte Begegnung mit dem Papst und wurde auch in den Medien entsprechend gewürdigt.
Wenig Berücksichtigung fand hingegen, dass in der Felsenkriche von Vallepietra, einem Heiligtum aus dem 5. Jahrhundert, ein Fresko aus dem 12. Jahrhundert verehrt wird, welches die heilige Dreifaltigkeit in einer Weise zeigt, die heutigen Betrachter:innen äußerst seltsam anmuten muss: Die Trinität wird dabei als drei gleich gestaltete, nebeneinander sitzende Personen dargestellt.
Nun kann man darüber nachdenken, warum der Vater, der Sohn und der Heilige Geist hier ident dargestellt wurden; man kann sich auch fragen, warum das von byzanthinischer Kunst beeinflusste Werk für die identen Darstellungen den Sohn in den Blick genommen hat und nicht den Vater oder den heiligen Geist. Oder man kann die Darstellung in die größere Kirchengeschichte einordnen und entdecken, dass solche Darstellungen der Trinität und insbesondere des heiligen Geistes durch die Autorität des Konzils von Trient (16. Jh.) eigentlich verboten wurden; in der Abgeschiedenheit der Felsenkirche von Vallepietra aber hat sich die Darstellung dem kirchlichen Verbot zum Trotz über die Jahrhunderte bis heute erhalten und wurde im Lauf der Zeit sogar zu einem beliebten Wallfahrtsziel.
Nun hat Papst Leo diese Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit mit seinem Besuch geehrt, VATICAN-NEWS zufolge betete er sogar vor ihr. Man könnte das auch als deutlichen Hinweis darauf verstehen, dass Theologie und Glaubenslehre niemals zeitlos sind und dass Inhalte, die die Kirche einmal verboten hat, irgendwann sogar für einen Papst wieder interessant werden können.
Roman Fürst, 28.7.2026
Foto: Around Rome