Wie "einfach" geht Synodalität?

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Kardinal Mario Grech will einen neuen Aufbruch für die Kirche, der "nicht einfach" nur die Verbesserung von Strukturen und Prozessen bedeutet. Martha Heizer fragt nach.

Der für die synodalen Prozesse der Weltkirche zuständige maltesische Kurienkardinal Mario Grech sagte am 23.6.2026 bei einem Treffen der Spitzen der kontinentalen Bischofsversammlungen im Vatikan: "Und doch ... werde ich erst dann wirklich zufrieden sein, wenn ich das Entstehen einer breiten missionarischen Bewegung sehe, eines neuen Aufbruchs, der die Kirche hinausgehen lässt, Risiken eingehen lässt, sie den Menschen näherbringt und sie das Evangelium mit Freiheit und Kreativität bezeugen lässt"; das eigentliche Ziel der synodalen Umkehr bestehe nämlich nicht einfach darin, interne Prozesse zu verbessern oder Strukturen partizipativer zu gestalten.

Ich würde mich mit Kardinal Grech gerne darüber unterhalten, auf wen er diese Worte bezieht. Ich muss annehmen, dass er da in erster Linie seine vatikanischen Amtskollegen im Blick hat. Denn wenn ich mein kirchliches Umfeld betrachte, die Gemeinden, das „Kirchenvolk“ - wie man so schön sagt - und nicht die oberen Ränge der Kirchenleitung, dann nehme ich hier jetzt schon viele engagierte, überzeugte wie auch überzeugende Menschen wahr, die tatsächlich hinausgehen, Risiken eingehen, sich anderen Menschen näherbringen und das Evangelium mit Freiheit und Kreativität bezeugen, um die Worte von Kardinal Grech zu verwenden. Ebenso aber nehme ich wahr, dass es oft gerade die Kirchenoberen und die vatikanischen Prälaten sind, die diese Engagierten auflaufen lassen und ihnen jede Freiheit und Kreativität austreiben wollen, die über die definierten, kirchenrechtlich abgesicherten Pfade hinausgehen.

Es bleibt für mich ein Zeichen Heiligen Geistes, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die sich trotz der von Rom aufgerichteten Mauern in der Freiheit der Kinder Gottes bewegen - in einer „Freiheit“, die sie auch gegenüber der Kirchenleitung für sich in Anspruch nehmen, und mit einer „Kreativität“, die nötig ist, um die Mauern von aus der Zeit gefallenen Kirchenregeln und Kirchengesetzen zu überspringen. Wie mutig! Wie erfreulich! Und was für ein Zeichen ihres Glaubens!

Und dann möchte ich Kardinal Grech gerne noch fragen, was er denn meint, wenn er sagt , dass das eigentliche Ziel der synodalen Umkehr „nicht einfach" darin besteht, interne Prozesse zu verbessern oder Strukturen partizipativer zu gestalten. Ich stimme Kardinal Mario völlig zu, dass kirchliche Erneuerung über eine Neuordnung der Institution hinausgehen muss. Aber ich möchte dringend ergänzen, dass sich auch die internen Prozesse und Strukturen der Kirche immer am Evangelium Jesu Christi messen lassen müssen, dass es zu "einfach" wäre, Strukturen und Prozesse aus den Ansprüchen christlicher Lebensprinzipien auszusparen und dass ohne Veränderung evangelienwidriger Prozesse und Strukturen die Entstehung eines nachhaltigen missionarischen Aufbruchs der Kirche nicht gelingen wird. Ein neuer Schwung der Kirche für die heutige Zeit ist erst dann zu erhoffen, wenn die zahlreichen evangeliumswidrigen Stolpersteine, an denen die Kirche seit mindestens einem halben Jahrhundert strauchelt, weggeräumt werden. „Einfach“ geht das nicht. Das Kirchenvolk bräuchte dazu - symbolisch gesprochen - einen Bagger, die Kirchenleitung lediglich die Bereitschaft zu ein paar Änderungen im Kirchenrecht. Ob sie diese aufbringt oder nicht wird zeigen, wie ernst es der Vatikan mit dem Thema "Synodalität" überhaupt meint.

Martha Heizer

Foto: Diözese Gozo