Meine Freundin Johanna, die seit Jahren in England lebt, wurde exkommuniziert.
Wie das?
Ihr Leben lang hat sie haupt- und ehrenamtlich für unsere Kirche gearbeitet. Sie engagiert sich auf vielfältige Weise in ihrer Pfarre, ist dort gut integriert und beliebt, - und sie arbeitet als Seelsorgerin mit den „travellers“ – also dem „fahrenden Volk“. Auf diesem Gebiet gibt es kaum bis keine Initiativen von Seiten der offiziellen Kirche und Johanna begleitet diese Menschen persönlich und religiös, bereitet sie auf Taufe, Erstkommunion und Firmung vor, ist aber auch bei Todesfällen an ihrer Seite.
Immer deutlicher wurde für Johanna Mills ihre Berufung zum Priesteramt. Ihr war klar, dass sie damit in der katholischen Kirche kein Gehör finden würde, im Gegenteil. Gerade das Buch von Soline Humbert („A divine calling. A Woman’s Life-Long Battle for Equality in the Catholic Church”, 2025) beschreibt viele Beispiele dafür, dass man als Frau mit einer solchen Berufung nicht einfach nur von der Hierarchie abgelehnt, sondern darüber hinaus auch diffamiert, beleidigt und verspottet wird.
Johanna aber wollte ihrer Berufung treu bleiben und sie auch leben. So ist sie nun altkatholische Priesterin und freut sich sehr über diese spezielle Beauftragung zu ihren priesterlichen Diensten. Natürlich wurde sie sofort aufgefordert, alle ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten in ihrer katholischen Pfarre einzustellen. Damit hatte sie gerechnet. Aber so manche Gemeindemitglieder fragen sie dennoch um ihren Beistand!
Nun ist sie darüber hinaus von der katholischen Kirche aber auch noch exkommuniziert worden. Sie selbst kann damit leben. Aber es wirft Fragen auf:
Exkommunikation ist eine Kirchenstrafe, eine „Beugestrafe“ - so haben wir gelernt -, damit man durch Leiden zur Besinnung komme und ablasse von sträflichem Verhalten. Was genau davon trifft auf Johanna zu?
„Ich bete darum, dass sie alle eins seien, so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir. So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“. (Joh 5,18; Joh 17,11). Wir alle bezeichnen uns als Christ*innen und wir nehmen den intensiven Wunsch Jesu nach Einheit ernst. Ist die Übernahme von Verantwortung (Berufung!) in der einen Kirche tatsächlich Grund, jemanden in der anderen zu exkommunizieren?
Was sagt diese Vorgangsweise über das herrschende Ökumene-Verständnis der Kirchenleitung aus? Mich erinnert das durchaus an die Praktiken der Gegenreformation, auch wenn Exkommunikation heute physisch nicht mehr weh tut. Aber sie kränkt. Und mich macht sie wieder einmal fassungslos.
Martha Heizer