Angesichts der medialen Diskussionen rund um den Wiener Dompfarrer Toni Faber und sein wiederholtes Auftreten mit einer Frau an seiner Seite fordern die österreichischen Kirchenreformbewegungen eine ehrliche Diskussion über die unselige Zölibatsverpflichtung für römisch-katholische Priester und mahnen dabei Sachlichkeit und Aufrichtigkeit ein.
Nicht der Zölibat an sich ist das Problem, sondern die Verpflichtung darauf: Wer in der römisch-katholischen Kirche gegenwärtig Priester werden will, muss sich zur Ehelosigkeit verpflichten. Dabei zeigt das Beispiel vieler verheirateter Seelsorgerinnen und Seelsorger (Pastoral- und Pfarrassistent:innen, Diakone, …), dass Partnerschaft und Familie dem seelsorglichen Dienst nicht schaden, sondern im Gegenteil sogar sehr guttun können. Und es gibt sogar verheiratete Priester, die aus anderen christlichen Kirchen in die katholische Kirche übergetreten sind und dafür einen offiziellen Dispens vom Zölibat erhalten haben: Sie leben ihr Priesteramt vor aller Welt mit Frau und Kindern! Wenn sich Priesteramt und Eheleben im Fall dieser konvertierten Priester nicht ausschließen, warum soll es dann bei Männern, die immer schon römisch-katholisch waren, anders sein?
Die katholische Kirche schleppt die Probleme des selbstgemachten Zölibatsgesetzes, das noch nicht einmal halb so alt ist wie die Kirche, seit Jahrhunderten als schwere Last mit sich. Immer wieder gab es bedeutsame Versuche, die Zölibatsverpflichtung abzuschaffen. Das Kirchenvolksbegehren 1995, das allein in Österreich von einer halben Million Menschen unterschrieben wurde, forderte für die Priester eine freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform und die Amazonas-Synode 2019 in Rom hat sich für die Weihe verheirateter Männer zu Priestern ausgesprochen. Leider hat Papst Franziskus inmitten konservativer Widerstände nicht den Mut zu diesem wichtigen Schritt gehabt.
Die Folgen der Zölibatsverpflichtung sind auch hierzulande verheerend: Leere Priesterseminare, verwaiste Pfarrhöfe, immer weniger Eucharistie in sonntäglichen Gottesdiensten. Die allerschlimmste Konsequenz ist jedoch die Doppelmoral, die unsere Kirche ergriffen hat und die einen dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust bedeutet: Denn wo immer ein Priester sich offen oder gar vor Medien zu einer Frau bekennt, muss er um sein Amt fürchten; lebt er seine Beziehung aber halbwegs heimlich und ohne öffentliches Bekenntnis, wird freimütig darüber hinweggeschaut. Ehrlichkeit schaut anders aus. Und das wissen die Menschen.
Es ist längst an der Zeit, die unselige Zölibatsverpflichtung für die Priester abzuschaffen. Ohnehin wurde sie erst 1139 eingeführt und war seither in vielen Epochen und Ländern oft mehr theoretisches Konstrukt als gelebte Praxis. Vor allem aber war der Zölibat nie ein Dogma und ist es auch heute nicht, sondern hat lediglich die Gestalt eines Kirchengesetzes, das so wie es eingeführt wurde, ganz einfach auch wieder abgeschafft werden könnte. Besser heute als morgen.
Harald Prinz, Wir sind Kirche: Liebe ist nicht nur ein menschliches Bedürfnis, sondern auch ein christlicher Wert. Warum sollte das bei katholischen Priestern anders sein?
Peter Gardowsky, Priester ohne Amt: Zölibat und Zölibatsdiskussion fügen der Kirche enormen Schaden zu. Dabei hätten wir so viel wichtigere Aufgaben!
Helmut Schüler, Pfarrer-Initiative: Priester sollen sich ganz normal wie andere Menschen auch für oder gegen die Ehe entscheiden können.
Martha Heizer, Wir sind Kirche: Seelsorgliche Kompetenz muss wichtiger sein als die Lebensform des Priesters. Beziehungsfähigkeit ist ein wichtiges Kriterium für einen Priester.
Thomas Plankensteiner, Wir sind Kirche: Schon das 8. Gebot fordert Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit. Diesbezüglich sind die meisten Pfarrgemeinden schon viel weiter: Mit deutlicher Mehrheit ihrer Mitglieder akzeptieren sie einen Pfarrer, der bekannterweise in einer Beziehung lebt.
Innsbruck / Wien, 21.5.2026