Medjugorje: Was ist Wahrheit?

18.01.2010

 

Kardinal Schönborn besuchte zum Jahreswechsel 2009/2010 Medjugorje und war von den "Früchten" stark beeinbruckt. Schon vor 8 Jahren veröffentlichte eine englische, katholische Wochenzeitung "The Catholic Herald" eine überaus kritische Analyse über den Erscheinungsort in der Hercegovina.

"Wir sind Kirche" dokumentiert beide aus kathpress stammenden Sichtweisen: Die von Schönborn und die aus "The Catholic Herald".

28.7.02 (KAP-ID) Die englische katholische Wochenzeitung "The Catholic Herald" hat dem Phänomen  Medjugorje eine ganzseitige Analyse von Simon Caldwell gewidmet, die nicht unwidersprochen bleiben wird. Der "Kathpress"- Informationsdienst dokumentiert den Beitrag im "Catholic Herald":

 

Vor kurzem wurde die Madonna von Medjugorje volljährig. Der 21. Jahrestag der ersten Erscheinung in der Hercegovina war Anlass für eine Presseerklärung des Medjugorje-Apostolats in England und Wales.

 

In dieser Erklärung stellte die Organisation mit Genugtuung fest, dass das weltweite Interesse an den Muttergottes-Erscheinungen jährlich steige und dass "Millionen Menschen aus allen fünf Kontinenten ihre privaten Wallfahrten zum Heiligtum machen - unter ihnen viele Kardinäle, Bischöfe, Priester und Ordensfrauen".

 

Es stimmt, dass viele positive geistige "Früchte" mit den behaupteten Erscheinungen in Medjugorje in Zusammenhang stehen. Fast jeder Katholik kennt jemanden, der erklärt, sein Leben hätte sich seit dem Besuch des Heiligtums grundlegend geändert. Manche Pilger kehren heim mit Geschichten über rotierende Sonnen und Rosenkränze, die zu Gold werden, andere wiederum werden wahrhaftig und für immer bekehrt. Einige werden auch zu leidenschaftlichen Verehrern "Unserer Lieben Frau, Königin des Friedens" (ihren Anhängern als "Gospa" bekannt) und ihrer Mission, durch Versöhnung und Gebet den Weltfrieden herbeizuführen.

 

So ist es eine Ironie, dass gerade Medjugorje heute eine der größten Bedrohungen für die Einheit der katholischen Kirche darstellt. Denn viele fromme Medjugorje-Pilger nehmen vielleicht nicht zur Kenntnis, dass die Kirche gar nicht will, dass sie dorthin pilgern.

Die Glaubenskongregation hat schon 1995 alle öffentlichen Pilgerfahrten zum Heiligtum verboten. Bischof Ratko Peric von Mostar, der als Orts-Ordinarius der einzige kirchliche Autorität ist, über die Echtheit der Erscheinungen zu urteilen, ist überzeugt davon, dass es sich um Betrug handelt.

 

Derselben Meinung waren auch sein Vorgänger, Bischof Pavao Zanic, und die eins-tige Bischofskonferenz von Jugoslawien sowie die Mitglieder der drei offiziellen Kommissionen – jede von ihnen entschied negativ -, der ganze Diözesanklerus von Mostar und sogar die meisten Franziskaner dort zu Lande.

 

Es wird eine letzte, abschließende Untersuchung geben, die von Rom ausgeht und erst beendet wird, wenn entweder die Berichte über die Erscheinungen enden oder der letzte Seher gestorben ist. Die Normen der Kirche warnen davor, dass Fehler auftauchen könnten, wenn nur die "Früchte" und nicht auch die "Ereignisse" untersucht werden. Aber eine baldige, definitive Entscheidung ist eher unwahrscheinlich, da drei der ursprünglich sechs Seher erklären, dass ihnen die "Gospa" lebenslang Erscheinungen versprochen habe - und eine zweite Generation von Sehern gibt es auch schon.

 

Seher haben finanziell profitiert

Günstig ist es für die Seher allemal, da sie durch ihren Status als Seher finanziell profitieren. Sie sind berühmt geworden und einige fuhren mit der "Gospa", die sie auf Wunsch sofort herbeirufen können, durch die Welt. Sie hat eine offensichtliche Flexibilität, die sogar einige ihrer überzeugtesten Anhänger erstaunt hat.

 

Auf einer England-Tour soll der Seher Ivan Dragicevic sogar eine angekündigte "Erscheinung" verschoben haben, damit er stattdessen ein Fußballspiel sehen konnte - mit dem Versprechen, dass die Gottesmutter auch nach dem letzten Anpfiff erscheinen würde. Ivan, der übrigens mit der ehemaligen Schönheitskönigin und "Miss Massachusetts", Loreen Murphy, verheiratet ist, wurde einmal von einem amerikanischen Reiseveranstalter als eine Persönlichkeit dargestellt, die für nur 500 US-Dollar eine persönliche Bekanntschaft mit der Madonna vermitteln könne. Er besitzt einen BMW und einen Mercedes sowie eine Villa im "deutschen Stil" im lokalen Nobelviertel.

 

Sein Anwesen liegt dem Haus der Seherin Mirjana Dragicevic gegenüber, die einen Teil ihres Hauses in ein Gästehaus für Pilger umgewandelt hat - Erscheinungen sind hier im Arrangement miteinbegriffen. Alle Seher und Seherinnen sind verheiratet und bis auf einen besitzen alle Hotels in Medjugorje - im Unterschied zu Lucia Dos Santos und St. Bernadette Soubirous, die ein wesentlich weniger weltliches Leben führten, nachdem ihnen in Fatima bzw. Lourdes Marienerscheinungen zuteil geworden waren.

 

Der ehemalige Bischofs Zanic vermutete, dass die ganze Sache als Spaß begonnen habe, denn auf den ersten Blick erscheint sie auch als solcher. Die Kinder hatten nicht aufhören können, hysterisch zu lachen, z.B. als Jakov Colo während einer frühen Erscheinung der "Gospa" fragte, ob sein Fußballteam "Dynamo"-Zagreb gewinnen werde. Nach einer ersten Woche von Erscheinungen, sagten die Kinder, die "Gospa" würde "nur noch drei Tage" erscheinen und die Visionen würden somit am 4. Juli 1981 enden.

 

Aber seitdem hat sie bei mehr als 30.000 Gelegenheiten gesprochen, hat jedem Seher 10 Geheimnisse anvertraut, große Zeichen vom Himmel versprochen, die sich aber nie ereigneten und - entgegen der seit zwei Jahrtausenden bestehenden Lehre der Kirche - erklärt, dass "alle Religionen vor Gott gleich sind". Sie wurde zur ersten Apologetin einer Gruppe aufmüpfiger Franziskaner aus der Herzegovina erst, als P. Jozo Zovko, Pfarrer der Jakobskirche in Medjugorje, sich als "geistlicher Ratgeber" der Kinder etablierte.

 

Madonna in „Hercegovina-Frage“ parteiisch

Was die örtlichen Bischöfe deutlich gegen die "Gospa" einnahm, war ihre ausgesprochen parteiische Stellungnahme zur "Hercegovina-Frage". Das ist der vatikanische Ausdruck für ein De-facto-Schisma, in das eine breite Minderheit von franziskanischen Mönchen aus der Hercegovina involviert ist, die nicht nur ihrem Bischof den Gehorsam verweigern, sondern sich auch dem Ordensgeneral und Rom selbst widersetzen.

In den achtziger Jahren wurden zwei dieser Mönche, P. Ivica Vego und P. Ivan Prusina, wegen Ungehorsam aus ihrem Orden ausgeschlossen - von einem vatikanischen Tribunal, das sich mit Bischof Zanic und dem Ordensgeneral beraten hatte. Die beiden Patres feierten aber weiterhin die Sakramente. 13 Mal teilte die "Gospa" der Seherin Vicka Ivankovic mit, dass der Bischof falsch liege und ihre "Heiligen" schuldlos seien, wobei dem Bischof die "Gerechtigkeit" Gottes angedroht wurde, es sei denn, er widerrufe den Ausschluss (P. Vego zeigte bald, wie heilig er war und schwängerte eine Franziskanerin).

 

Als Bischof Zanic dann die Erscheinungen untersuchte, hätte er mit einer Kooperation seitens der Franziskaner gerechnet. Stattdessen beschimpften sie ihn öffentlich als einen "Wolf", "Satan" und einen "Heuchler". Es war kaum eine Überraschung, dass Bischof Zanic bald zum Schluss kam, dass die sechs Kinder lügen und öffentlich P. Zovko und dessen Mitbruder P. Tomislav Vlasic beschuldigte, sie hätten der "Gospa" Worte in den Mund gelegt. Natürlich war er nicht nur um die geistliche Gesundheit seiner Leute besorgt, sondern auch um ihr körperliches Wohlbefinden. 1985 schrieb er an den Theologen Rene Laurentin, der für die Echtheit der Erscheinungen eintritt, und klagte, dass "eine stolze Raserei viele der früher guten Gläubigen ergriffen hat... Man kann sich auf einen religiösen Krieg hier einstellen".

 

Bischof Zanic bezeichnete die Mönche als kroatische Nationalisten, die während der achtziger Jahre versucht hätten, das KP-Regime dadurch zu destabilisieren, dass sie die Berichte über die Erscheinungen dazu verwendeten, die religiösen und nationalistischen Überzeugungen des kroatischen Volkes zu verstärken. Der tiefste Grund des Grolls vieler Franziskaner gegen Rom war ihm bewusst. Während der 400-jährigen Geschichte waren die Franziskaner autonom gewesen; jetzt aber mussten sie auf Weisung der Kirche ihre Gemeinden abgeben - in einer Säuberungsaktion, die im Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, als sie - den Anordnungen des Vatikans zum Trotz – die Ustaschi, die kroatischen Faschisten, unterstützten, deren Grausamkeit sogar die SS schockierte.

 

In alle Ustascha-Gräueltaten, die mit der Kirche in Zusammenhang gebracht werden konnten, waren die fanatisch nationalistischen Franziskaner aus Herzegovina involviert: der berüchtigtste war P. Miroslav Filipovic, der Schlächter von Jasenovac, dem Ustascha-Konzentrationslager, in dem geschätzte 90.000 Menschen getötet wurden.

 

Papst Pius XII. ging zuerst gegen die Mönche vor, indem er es 1942 vorzog, statt einem örtlichen franziskanischen Bischof einen Bischof aus dem Weltklerus für Mostar zu ernennen. Die Rebellion, die darauf folgte, erreichte 1975 ihren Höhepunkt, als Papst Paul VI. ein Dekret herausgab, das den Mönchen die Frist von einem Jahr setzte, die umkämpften Gemeinden zu räumen.

 

Wie vorauszusehen, weigerten sie sich. Die Verteidiger von Medjugorje bestehen darauf, dass die Hercegovina-Frage und die Erscheinungen in keinem Zusammenhang stehen Die Diözese Mostar betont, dass hier sehr wohl ein sehr enger Konnex besteht. Bischof Zanic sagte, dass die "Gospa" benützt würde, den Ungehorsam der Mönche zu rechtfertigen. Don Ante Luburic, Ordinariatskanzler der Diözese, ging 1997 sogar so weit, Medjugorje als einen Ort "religiöser Unordnung, des Ungehorsam und antikirchlicher Aktivität" zu beschreiben.

 

Traurigerweise hat sich die Lage dadurch verschärft, dass "Millionen von Leuten aus allen fünf Kontinenten" die Mönche vertrauensvoll unterstützen. Die Kirche hat nur sehr kleine Fortschritte in der Hercegovina-Frage seit 1941 gemacht. Während des Bosnien-Krieges, als kroatische Flaggen von der Jakobskirche flatterten und Rosenkränze neben Nazisymbolen verkauft wurde, wurden unter der Fahne der "Königin des Friedens" geschätzte 10 Millionen Pfund (umgerechnet 15.873.000 Euro) im Westen für Kriegs-Waisen gesammelt. Aber alles, was für dieses Geld hergezeigt werden kann, ist in Medjugorje eine Krippe für 40 Kinder, deren Mütter arbeiten müssen.

 

Wenige, vor allem der Bischof von Mostar, haben eine Ahnung, wo der Rest des Geldes verblieben ist; einige Quellen vermuten, dass etwa 70 Prozent in den Händen von "Warlords" und organisierten Kriminellen gelandet sind. Das ist nicht Fantasterei: Mitte der neunziger Jahre fror die britische Charity Commission die Gelder des britischen "Medjugorje Appeal" ein, als sich herausstellte, es sollten davon Handschellen für die Miliz der kroatischen HVO in der Hercegovina gekauft werden.

 

Papst bleibt zurückhaltend

Die Bischöfe aus Ex-Jugoslawien - einhellig in ihrer Ablehnung der "Gospa" - erinnerten im Beisein des Papstes bei der letztjährigen Bischofssynode in Rom an die Hercegovina-Frage, als Kardinal Vinko Puljic aus Sarajevo vor der ernsten Bedrohung der Einheit der gesamten katholischen Kirche durch die ungehorsamen Mönche warnte, die "in Medjugorje arbeiten und ihre Meinungen mit Hilfe von Pseudocharismen anderen aufdrängen".

Der Papst seinerseits hat sich aus der Causa Medjugorje herausgehalten, indem er die Sache der Unterscheidungsgabe der lokalen Bischöfe überließ. Nachdem es weltweit ständig rund 300 Fälle behaupteter Erscheinungen gibt, könnte er sich um nichts anderes mehr kümmern, würde er sich mit jeder dieser Angelegenheiten persönlich auseinander setzen.

 

Wie auch immer, die Promotoren von Medjugorje bestehen darauf, der Papst habe in privater Form seine Zustimmung zu den Erscheinungen signalisiert. Sie zählen Bemerkungen auf, die er angeblich zu ihren Gunsten getan hat, vielleicht die bekannteste: "Lasst die Menschen nach Medjugorje pilgern, wenn sie sich bekehren, beten, beichten und Buße tun". Ein amerikanischer Katholik fragte einmal Erzbischof Pio Laghi, damals päpstlicher Nuntius in den Vereinigten Staaten, ob die Bemerkungen wahr seien und erhielt darauf folgende Antwort: "Obwohl dem Heiligen Vater und Amtsträgern des Heiligen Stuhls Bemerkungen über Medjugorje zugeschrieben werden, wurde keine einzige als authentisch anerkannt".

Vielleicht das bedeutungsvollste Zeichen setzte der Papst im April 1997 bei seinem Besuch in Bosnien, als er nicht nur den Besuch Medjugorjes ablehnte, sondern auch nicht ein einziges Mal die umstrittene heilige Stätte erwähnte.

 

Kurz gesagt, all die Argumente sprechen gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Erscheinungen von Medjugorje authentisch sind. Als das zwingendste Argument bleiben nur die sogenannten geistigen "Früchte" - die Bekehrungen, die Mehrung von Frömmigkeit und Anbetung, das Wiederfinden schon verlorenen Glaubens und vieles andere.

 

Auch zu diesem Argument hat Bischof Peric eine Meinung: "Die geistigen Früchte, von denen hier sooft die Rede ist, beweisen nicht, dass sie aus Erscheinungen oder übernatürlichen Offenbarungen der Mutter Gottes resultieren. In dem Maß, in dem sie wahrhaft christlich sind, können sie als ein Werk des normalen Wirkens der göttlichen Gnade, des Glaubens an Gott, der Fürsprache der Jungfrau Maria und der Sakramente der katholischen Kirche interpretiert werden.

 

Damit ist noch kein Wort über die negativen Früchte gesagt". Entsprechend der kirchlichen Lehre, kommen Früchte von authentischen übernatürlichen Phänomenen zuerst in jenen zum Tragen, die sie unmittelbar empfangen. Doch scheinen die zwei Männer, die den Kindern von Anfang an am nächsten waren, nicht im eigentlichen Sinn bekehrt worden zu sein.

 

P. Vlasic, der in den siebziger Jahren in einem "gemischten" Konvent in Zagreb mit einer Nonne ein Kind in die Welt gesetzt hatte, lebt nun in Italien, wo er – ironischerweise - zum zweiten Mal versucht, eine "gemischte" Kommunität ins Leben zu rufen P. Zovko wiederum ist einer jener 16 Mönchen aus der Hercegovina, die entweder durch Bischof Peric suspendiert oder überhaupt durch den Ordensgeneral P. Giacomo Bini aus dem Franziskanerorden ausgeschlossen wurden. Bini hatte während der letzten acht Jahre sogar damit gedroht, die ganze hercegovinische Provinz zu suspendieren. Wie seine rebellischen Mitbrüder ignoriert Zovko die Zensuren des Bischofs – nicht nur dadurch, dass er weiter die Messe zelebriert und die Beichte abnimmt, obwohl er dazu keine Erlaubnis hat. Außerdem errichtete er – ohne bischöfliche Genehmigung - einen großen Konvent in Siroki Brijeg, in der Nähe von Mostar.

 

Die Finanzquellen bleiben ein Mysterium. Letztes Jahr schrieb der Bischof jedem einzelnen der 120 Franziskaner in der Hercegovina, um an ihren Gehorsam zu appellieren, aber ein Drittel widersetzte sich seinem Wunsch. Davor hatten die Rebellen einen angeblichen "Erzbischof" eingeladen - Srecko Franjo Novak, einen Ex- Seminaristen, der 700 Jugendliche in drei Kirchen firmte. Die Firmungen waren natürlich ungültig und verursachten beim lokalen Klerus und beim Bischof große Sorge.

 

Für viele steht Medjugorje nicht für die Erscheinungen der Jungfrau Maria, sondern vielmehr für den Ungehorsam gegenüber der legitimen kirchlichen Autorität: Ordensleute widersetzen sich ihren Vorgesetzten, und Katholiken aus aller Welt ignorieren die kirchliche Weisung, nicht nach Medjugorje zu pilgern. Und noch viel ernster: Es verstärkt sich diese Haltung des Ungehorsams noch durch die Kardinäle und Bischöfe, die dort ebenfalls hinpilgern; durch dieses bewusste Ignorieren der Einschätzung des Ortsordinarius verstoßen sie gegen das Prinzip der Kollegialität, wie es in Abschnitt 23 der Konzilserklärung "Lumen Gentium" definiert ist.

 

Sie helfen, das weiterzuführen, was einer der subversivsten Streiche in der Geschichte der katholischen Kirche sein könnte.

 

Quelle: KATHPRESS-Info-Dienst Nr. 172 Seite 5 28.7.2002 IM INTERNET: www.kathpress.at

 

Neue Vatikan-Kommission befasst sich mit Medjugorje

Es geht weniger um die Echtheit der Visionen der "Seher von Medjugorje", sondern vielmehr um die geistliche Begleitung der Pilger, die in den hercegovinischen Ort kommen.

 

Vatikanstadt-Mostar, 18.10.09 (KAP) Der Heilige Stuhl beschäftigt sich neuerlich mit dem Phänomen Medjugorje. Nach dem Ortstermin einer vatikanischen Delegation in der hercegovinischen Gemeinde konstituiert sich voraussichtlich im November eine neue Kommission zur Untersuchung des Phänomens.

 

Hauptgegenstand der Untersuchung soll nicht die Frage der Echtheit der Visionen der "Seher von Medjugorje" sein. Stattdessen soll die neue Kommission über das geistliche Leben und die Pilgerströme in Medjugorje nachdenken - und über eine geeignete pastorale Begleitung der Pilger. Denn trotz aller offiziellen Zurückhaltung und der negativen Voten des Bischofs von Mostar kommen jährlich mehrere hunderttausend Menschen nach Medjugorje. Auch wenn Medjugorje nicht als Wallfahrtsort anerkannt ist, reisen viele Gläubige in Gruppen an, begleitet von Priestern. Diesen Pilgerströmen wolle man Orientierung anbieten.

 

Der Vatikan hat vor mehr als zehn Jahren klargestellt, dass offizielle kirchliche Pilgerfahrten nach Medjugorje verboten sind. Private Besuche seien hingegen möglich, soweit sie nicht als Anerkennung der "Ereignisse" gewertet würden. Für diese Klarstellung sorgte damals der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Tarcisio Bertone, heute Kardinal-Staatssekretär.

 

Auf der Website der Diözese Mostar wird nach wie vor negativ über das Phänomen Medjugorje berichtet. Medjugorje spielt eine Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen den Franziskanern und dem Bischof von Mostar. Die Auseinandersetzungen sind historisch begründet. Nach der osmanischen Eroberung der Hercegovina, des Herrschaftsbereichs des "Duca di San Saba", Ende des 15. Jahrhunderts beseitigten die neuen osmanischen Behörden die Diözesanstruktur der katholischen Kirche. Die Osmanen hatten den Verdacht, dass die Bischöfe über die Grenze mit der Republik Venedig kooperieren würden. Nur die Franziskaner wurden als katholische Seelsorger zugelassen. Nach der Besetzung des Landes durch die Österreicher und Ungarn 1878 wurde die katholische Diözesanstruktur wiederhergestellt, ein Bischof für Mostar wurde ernannt. In der Folge entwickelte sich ein Tauziehen um die Zuständigkeit für die Pfarrseelsorge zwischen Diözese und Franziskanern. Das Problem ist bis heute ungelöst. Mehrere Versöhnungsinitiativen - u.a. eine durch den früheren Eisenstädter Diözesanbischof Stefan Laszlo - scheiterten. Die Spannungen verschärften sich, als in den "Botschaften" an die - von Franziskanern betreuten - "Seher von Medjugorje" auch Kritik am Bischof von Mostar auftauchte.

 

Quelle: KATHPRESS-Tagesdienst Nr.243, 18. Oktober 2009 Seite 8

 

Kath.net berichtete am 30. Dezember 2009: Kardinal Schönborn in Medjugorje

 

Kathpress - Berichte von 2006 bis 2010 zu Medjugorje

 

 

 

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