Die Freude des Evangeliums in der Slowakei
(Frantisek Miklosko, Karol Moravcik, Hg. HLBINY 2016)

František Mikloško, Karol Moravčík (Hg.), „Die Freude des Evangeliums in der Slowakei. Versuch einer Situationsanalyse der katholischen Kirche“, Verlag Hlbiny, 198 Seiten, Preis 15 €, ISBN 978-80-89743-18-6.

 

Das Buch ist der „Versuch einer Situationsanalyse der katholischen Kirche“ in der Slowakei. Wer glaubte, dass es nur in der österreichischen Kirche schlimme Zustände gebe, der weiß nach der Lektüre, dass es anderswo noch schlimmere gibt. Ein schwacher Trost.

 

Ich war erstaunt zu erfahren, dass es der Kirche während der kommunistischen Diktatur und Verfolgung oft besser ging als heute. Damals spielte das mutige Engagement der Laien eine bedeutende Rolle. Vieles musste im Geheimen geschehen und war oft riskant. So wurden heimlich etwa hundert verheiratete Katholiken nach dem griechisch-katholischen

Ritus geweiht. Nach 1990 durften sie ihr Priesteramt nicht mehr ausüben und wurden einfach vergessen.

Nur wenige Priester und Ordensleute haben zur Zeit der Diktatur ihr Priesteramt aufgegeben. Nach der Wende war das anders. Viele quittierten ihr Amt, vor allem jene, die im Ausland studiert hatten. Für sie gibt es keine wie immer geartete Hilfe von Seiten der Amtskirche.

 

Außerdem stellt man heute fest, dass sich vermehrt konservative, verschlossene und psychisch belastete Kandidaten weihen lassen, was ja auch im Westen nicht unbekannt ist.  

Es gibt eine exklusive Priesterkaste, die autoritätshörig dem Zweiten Vatikanum und der nachkonziliaren Theologie ablehnend gegenübersteht. Wichtig ist ihr Priesterkleidung, eine triumphalistische Liturgie und die Abneigung gegen Mitarbeit von Laien, besonders von Frauen. Klerikale Arroganz ist die notwendige Folge.

 

Nur wenige ausgesuchte Kleriker bekommen von den Bischöfen die Erlaubnis, die Kirche in den kirchlichen und säkularen Medien zu repräsentieren. Die Absetzung von Erzbischof Robert Bezak oder finanzielle Ungereimtheiten and der Katholischen Universität in Ruzomberok konnten so unter den Tisch gekehrt werden. Die Folge war eine massive Erosion des kirchlichen Ansehens in der Öffentlichkeit. Verstärkt wird dies durch eine primitive Auslegung des Kirchenrechts, was willkürliche Machtausübung bedeutet.

 

Priester werden ohne Rücksicht auf Verluste versetzt, wie Soldaten, die an irgendeine Front gehen müssen. Damit werden sie zu Managern, die die Liturgie rituell feiern und geistig entleert wirken. Teamarbeit und Kooperation untereinander kennen sie nicht. Vereinsamung ist die Folge.

 

Wer in Rom studiert, wird in die kirchliche Nomenklatur aufgenommen. Wer das in Österreich oder Deutschland tut, wird von der Bistumsleitung verdächtigt, von der nachkonziliaren Theologie infisziert zu sein und wird kalt gestellt.

 

Viele Priester benutzen für die Predigt lediglich Vorlagen. Sie wollen auch nicht mit Laien ins Gespräch kommen. In ihrer Überheblichkeit merken sie nicht, wie schwach ihre Predigten sind.

 

Die Autoren bieten auch Lösungen für die kirchliche Misere in der Slowakeiunter unter anderem an:

  1. Das Interesse an den Themen des Zweiten Vatikanums sei zu wecken und diese sollen umgesetzt werden.
  2. Fortbildung des Klerus und der Laien an aktuellen theologischen Themen.
  3. Kooperation slowakischer katholischer Bildungsorganisationen mit dem Ausland
  4. Die Themen der Kirche sollen mit den Themen der Gesellschaft in der Öffentlichkeit ventiliert werden.
  5. Etablierung einer lebenslangen Weiterbildungskultur für den Klerus in den unterschiedlichsten interdisziplinären Fachgebieten.
  6. Nicht unwichtig: Unterstützung von Humor in der Kirche.

 

Nicht Angst vor Fehlern soll das Leben der Kirche in der bestimmen, sondern das mutige und missionarische Eintreten für das Evangelium, so wie es Papst Franziskus im „Evangelii gaudium“ beschreibt, oder auf gut Bayrisch, die Gaudi am Evangelium wieder zu gewinnen.

 

Insgesamt ein erschütterndes, aber sehr lesenswertes Buch.

 

Gert Heizer

 

 

 

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