Ökumene

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat die Schweiz gebeten, bei den Bemühungen um die Freilassung der beiden vor fünf Jahren entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorius Youhana Ibrahim und Boulos Yazigi eine führende Rolle einzunehmen. Die beiden Metropoliten werden möglicherweise in der Provinz Idlib, dem letzten unter der Kontrolle der islamistischen Milizen stehenden Gebiet Syriens, festgehalten. An dem Treffen nahmen alle im Libanon residierenden christlichen Patriarchen teil: der maronitische Kardinal-Patriarch Mor Bechara Boutros Rai, der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan, der griechisch-katholische Patriarch Yousef Absí und der armenmisch-apostolische Katholikos von Kilikien, Aram I. Auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Joseph Spiteri, war anwesend. Bei der Begegnung wurden die guten Beziehungen zwischen dem Libanon und der Schweiz betont. (kap u. vn v. 1. 9.)

 

Orthodoxe Priester des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel sollen künftig unter bestimmten Bedingungen ein zweites Mal heiraten dürfen, wenn die erste Ehefrau gestorben ist oder den Priester von sich aus verlassen hat. Nach Angaben des griechischen orthodoxen Internetportals "Romfea" gab eine Bischofsversammlung am Wochenende in Istanbul grundsätzlich grünes Licht für eine zweite Ehe von Geistlichen. Jeder Einzelfall müsse vom Leitungsgremium der Kirche, dem Heiligen Synod, geprüft werden. Die zweite Ehe solle nur mit einem "einfachen Gebet" geschlossen werden, so die Agentur. Eine erneute Heirat ist allerdings dann ausgeschlossen, wenn sich ein Priester von seiner Ehefrau trenne. Bisher ist es orthodoxen Priestern offiziell in keinem Fall erlaubt, eine zweite Ehe zu schließen. Andere orthodoxe Kirchen lehnen es entschieden ab, dass Priester ein zweites Mal heiraten. (kathpress v. 3. 9.)

 

Einen „neuen Schwung“ in den ökumenischen Beziehungen zwischen römisch-katholischer Kirche und dem Weltkirchenrat (WKR) stellt die Gemeinsame Arbeitsgruppe JWG der beiden Institutionen fest. Sie äußerte sich in einem Statement zu Ende ihrer Vollversammlung, die seit 3. September in Ottmaring bei Augsburg tagte. Von Vatikanseite aus nahm der Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates, Bischof Brian Farrell, an den Sitzungen im Augsburger Zentrum der Fokolarbewegung teil. Im Mittelpunkt des Treffens seien die Beratungen über zwei Dokumente gestanden: zur ökumenischen Zusammenarbeit bei Friedensstiftung und Migrationsfragen. Einig seien sich die Teilnehmer darin gewesen, dass die ökumenischen Beziehungen insgesamt deutlich an Triebkraft gewonnen hätten. Diese Analyse sei auch durch die Illustrierung gemeinsamer Ansätze auf praktischer Arbeitsebene bestätigt worden. Die dabei berührten Themen betreffen den interkonfessionellen Dialog zu moralischen und doktrinären Fragen sowie interreligiösen Dialog. Diese Mission schließe ein Bekenntnis zu ökumenischem, interreligiösem und interkulturellem Dialog ein, ebenso wie zu Kooperation für Gerechtigkeit und Frieden. Der Text stelle auch praktische Handlungsempfehlungen für die Kirchen auf diesem Feld bereit. Darüber hinaus stärke die Zusammenarbeit das „gemeinsame Zeugnis der Kirchen“ in einer tief gespaltenen Welt. Migranten und Flüchtlinge stellten für unsere Gesellschaften und Kirchen „gleichzeitig eine Herausforderung und eine Gelegenheit dar“, so der Pressetext. (vn v. 7. 9.)

 

Der Dachverband der protestantischen Kirchen in Europa hat mit dem Vatikan die Aufnahme offizieller Ökumene-Gespräche vereinbart. Am 16. September wurde im Basler Münster ein entsprechendes Dokument unterzeichnet, und zwar vom Präsidenten der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE), Gottfried Locher, und Kardinal Kurt Koch, im Vatikan verantwortlich für den Dialog der christlichen Kirchen. Ziel der Gespräche und Verhandlungen ist es, zu einer gegenseitigen Anerkennung der Kirchen und Kirchengemeinschaften zu gelangen. „Bei den vorbereitenden Gesprächen haben wir gesehen, es gibt sehr viel Positives und Gemeinsames. Darauf wollen wir aufbauen", sagte Koch der Katholischen Nachrichten-Agentur. Zunächst gehe es um die sich unterscheidenden Selbstverständnisse der Kirchen, dann um das langfristige Ziel der Abendmahlgemeinschaft. „In der Ökumene müssen Leidenschaft und Geduld zusammenkommen. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", so Koch. Locher sagte, er wolle sich dafür einsetzen, dass am Dialog nicht nur Kirchenleitungen und akademische Theologen beteiligt würden, sondern auch Frauen und Männer aus dem kirchlichen Leben. Ein erster Zwischenbericht soll etwa in zwei Jahren vorliegen. (kna u. vn [=Vatican News] v. 16. 9.)

 

Papst Franziskus betonte bei der ökumenischen Begegnung in der evangelisch-lutherischen Kathedrale von Riga (Lettland) am 24. September, dass die „gelebte Ökumene“ zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen eines der besonderen Merkmale Lettlands darstelle. Der historische Dom sei „ein treuer Zeuge“ der Menschen, die hier über Jahrhunderte ihre Anliegen vor Gott getragen hätten, „um Momenten großer Ungerechtigkeit und schweren Leids zu begegnen,“ erinnerte er an die nicht einfache Vergangenheit des zweiten ehemaligen Ostblock-Landes, das er in diesen Tagen besucht. Heutzutage gehe es hingegen darum, „zu Handwerkern der Einheit“ zu werden, „damit unsere Unterschiede nicht zu Spaltungen führen. […] Möge der Heilige Geist uns mit den Waffen des Dialogs, des Verständnisses, der Suche nach gegenseitigem Respekt und der Geschwisterlichkeit bekleiden!” An der ökumenischen Feier in Rigas Dom nahmen neben dem lutherischen Erzbischof Janis Vanags auch der russisch-orthodoxe Metropolit Alexander Kudryashov und der römisch-katholische Erzbischof Zbignevs Stankevics teil. Von den rund 1,98 Millionen Letten bekannten sich Ende 2016 21,4% zur römisch-katholischen Kirche, 35% zur evangelisch-lutherischen und 18,7% zur orthodoxen Kirche. Der Anteil der Juden, Muslime lag unter 2%; knapp jeder vierte gehörte keiner Religion an. (vn u. kap v. 24. 9.)

 

Papst Franziskus hat die Ökumene in den baltischen Ländern als besonders weit fortgeschritten gewürdigt. Bei einer Audienz für die Angehörigen des Päpstlichen Einheitsrates am 28. September im Vatikan sagte das Kirchenoberhaupt: „Nie hätte ich gedacht, dass die ökumenische Bewegung in jener Region so reif sei“. Franziskus hatte vom 22. bis 25. September Litauen, Lettland und Estland besucht. Es sei ihm eine Freude gewesen, die „reife ökumenische Erfahrung“. Franziskus erwähnte besonders die ökumenische Feier in Riga, der Hauptstadt Lettlands, sowie die Begegnung am Tor der Morgenröte in Vilnius in Litauen. (vn v. 28. 9.)

 

Papst Franziskus bekräftigt seine Wertschätzung für evangelikale Gruppen und sogenannte Pfingstgemeinden. „Wir haben die Pflicht, die Anwesenheit des Heiligen Geistes in diesen Gemeinschaften zu unterscheiden und anzuerkennen“, sagte er bei einer Audienz für die Angehörigen des Päpstlichen Einheitsrates. Er ermutigte dazu, mit diesen Gruppen „Bande echter Brüderlichkeit“ zu knüpfen. Durch mehr Begegnungen es möglich, „das gegenseitige Misstrauen zu überwinden, das oft von Unwissenheit oder mangelndem Verständnis“ herrührt. Als Anknüpfungspunkte nannte er Gebet und Verkündigung sowie den Dienst an Bedürftigen. „In einer gegenseitigen geschwisterlichen Begegnung können wir Katholiken lernen, die Erfahrung vieler Gemeinschaften zu schätzen, die - oft anders als wir es gewohnt sind - ihren Glauben leben. […] Wir müssen also vermeiden, uns auf statischen und unveränderlichen Positionen auszuruhen und das Risiko eingehen, uns in der Förderung der Einheit vorzuwagen“, sagte der Papst. (vn v. 28. 9.)

 

Der Weltkirchenrat-Generalsekretär Olav Fykse Tveit würdigt die Kooperation mit dem Vatikan. Zwar ist die römisch-katholische Kirche nicht Mitglied des Weltkirchenrates (ÖRK) ist, doch ist dies auch kein Hindernis dafür, dass es zwischen der rund 350 Mitgliedskirchen des ORK und der römisch-katholischen Kirche eine sehr intensive und fruchtbare Zusammenarbeit gibt. Nicht zuletzt beim Besuch von Papst Franziskus im Juni 2018 beim Weltkirchenrat in Genf sei einmal mehr deutlich geworden, dass die Kirchen angesichts der riesigen globalen Herausforderungen ihre Kräfte bündeln müssten. Dazu bedürfe es keiner formellen Mitgliedschaft der römisch-katholischen Kirche im WKR. Man könne von der stillschweigenden Übereinkunft ausgehen, „dass es gut funktioniert, so wie es derzeit ist, und dass das beide Seiten so sehen“. 1948 gegründet, gehören dem WKR derzeit 348 evangelische, orthodoxe, anglikanische, altkatholische und altorientalische Kirchen an; rund 500 Millionen Christen auf der ganzen Welt. Anders als etwa im lokalen „Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich“ (ÖRKÖ), wo die römisch-katholische Kirche seit 1994 als Vollmitglied vertreten ist. Der Vatikan gehört aber der WRK-Kommission „Faith and Order“ (Glaube und Kirchenverfassung) als Vollmitglied an. Seit 1965 gibt es auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe für die Einheit der Christen. Angesprochen auf die jüngsten internen Turbulenzen in der Orthodoxie in der Ukraine zeigte sich Tveit besorgt und sagte: „Wir haben das Prinzip, dass wir uns in interne Angelegenheiten der einzelnen Kirchen nicht einmischen“. Vielleicht könnte der Weltkirchenrat eine Plattform bieten, „die mithilft, dass die Kirchen wieder zueinander finden“. (kap u. vn v. 29. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Das deutsche Bundesinnenministerium will stärker gegen eine ausländische Einflussnahme auf in der Bundesrepublik lebende Muslime vorgehen, kündigte Staatssekretär Markus Kerber an. In einem Interview des „Tagesspiegels“ am 3. September sagte er, „wir haben viel zu lange dabei zugesehen, wie Kräfte aus dem Ausland den deutschen Muslimen vorschreiben, wie sie ihre Religion zu leben haben. […] Wir wollen für die deutschen Muslime mehr Gesprächsformate schaffen. Auch der Minister wird die deutschen Muslime offensiv ermuntern, die Debatte um einen deutschen Islam zu führen. […] Wir wollen helfen, dass Muslime in Deutschland ihre eigene Religiosität finden. Das wird Ankara womöglich nicht gefallen und zu Konflikten führen. Aber das werden wir aushalten.“ Kerber sagte weiter, er sei „begeistert“, wie groß die Zahl der „sachkundigen muslimischen Gesprächspartner“ in der Zwischenzeit geworden sei. Sie nähmen für sich in Anspruch, „ihre deutsche Heimat“ mitzugestalten. Dabei wolle er sie unterstützen. (kna u. vn v. 3. 9.)

     

  • Für eine offene und vielfältige Kirche hat sich der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, Kardinal Marx, ausgesprochen. „Wir können keine Kirche sein, die uniform ist, sondern wir müssen eine Kirche sein, die die Vielfalt annimmt, liebt und im Glauben gestaltet“, schrieb Marx in einem Gastbeitrag für die Freiburger Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Kirche sei niemals Selbstzweck. Der christliche Glaube sei „in der Gemeinschaft ausgerichtet auf die ganze Welt“. Im Blick auf Säkularisierungstendenzen seien Christen heute besonders gefordert, ihren Glauben öffentlich zu leben und damit andere zum Christentum einzuladen, erklärte er. (kna u. vn v. 6. 9.)

     

  • Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat die Schweiz gebeten, bei den Bemühungen um die Freilassung der beiden vor fünf Jahren entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorius Youhana Ibrahim und Boulos Yazigi eine führende Rolle einzunehmen. Die beiden Metropoliten werden möglicherweise in der Provinz Idlib, dem letzten unter der Kontrolle der islamistischen Milizen stehenden Gebiet Syriens, festgehalten. An dem Treffen nahmen alle im Libanon residierenden christlichen Patriarchen teil: der maronitische Kardinal-Patriarch Mor Bechara Boutros Rai, der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan, der griechisch-katholische Patriarch Yousef Absí und der armenmisch-apostolische Katholikos von Kilikien, Aram I. Auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Joseph Spiteri, war anwesend. Bei der Begegnung wurden die guten Beziehungen zwischen dem Libanon und der Schweiz betont. (kap u. vn v. 1. 9.)

     

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