Pater Álvarez Ossorio, SSCC , der Generalobere der Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes, ist für dezentrale Lösungen in der Pastoral.

„Ich hoffe, wir finden aus unserem üblichen, etwas klerikalen Sprechstil heraus, der weit weg ist von der Realität des Volkes Gottes“, sagt der Generalobere im Gespräch mit Radio Vatikan über die Weltbischofskonferenz. „Ich hoffe sehr auf neue Dynamiken in verschiedenen Weltgegenden – Kontinenten, Bischofskonferenzen –, weil die Lösungen für konkrete Probleme oft nur auf lokaler Ebene gefunden werden können!“ Da sei sehr vieles möglich, glaubt Pater Ossorio, und zwar ohne gleich an den Grundpfeilern der Kirche zu rütteln. „Ich sehe da kein Problem der Lehre, wenn wir zeigen wollen, dass die Kirche offen ist, um alle aufzunehmen – zum Beispiel wenn wir über den Sakramentenempfang reden. Denken wir doch an Jesus selbst, wie er das machte, wie er sich hingeben hat, damit alle das Heil erlangen! Ich bin überzeugt, dass wir die Freiheit haben, die Disziplin zu ändern, ohne auch nur im geringsten an die Lehre zu rühren. […] Dezentralisieren bedeutet: Die Bischöfe haben die Freiheit, für ihre Gläubigen praktische, konkrete Lösungen zu finden, um das Leben des Evangeliums da, wo sie sind, zu erleichtern. Für die Disziplin sollten wir nicht mehr nur universelle Lösungen vom Papst oder vom Heiligen Stuhl erwarten. Auch die Bischöfe haben die pastorale Macht, wenn ich das mal so formulieren darf, spezielle regionale Lösungen zu suchen!“ Der Spanier denkt bei den Worten „regionale Lösungen“ ausdrücklich auch an eine mögliche Erlaubnis auf ortskirchlicher Ebene, wiederverheiratete Geschiedene – natürlich unter gewissen Bedingungen – zur Kommunion zuzulassen. „Wir sind auf einem Weg. Eine Diversität von Praktiken zuzulassen. […] Wir alle sind Sünder. Darum sehe ich kein Problem, wenn es verschiedene Praktiken in der Kirche gibt. Wir haben doch alle denselben Blick auf Jesus gerichtet und auf Gottes Liebe, die immer größer ist als wir und als unsere historischen Realisierungen. […] Aus meiner Sicht ist es vielleicht gar nicht nötig, hier [auf der Synode] zu einer Einigungsformel zu kommen. Gut wäre, wenn diese Synode dem Volk Gottes einen etwas besseren Weg freimachen würde. Und sie ist ja nicht der Ende des Prozesses, sondern kann die Etappe auf einem Weg sein, der immer weitergehen muss.“ (de.radiovaticana.va vom 23.10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Papst Franziskus hat Kirche in Bangladesch zur Friedensarbeit gemeinsam mit anderen Religionen ermutigt. Die Bischöfe sollten unablässig das Gespräch und den Kontakt mit anderen Religionsgemeinschaft suchen und mittels Bildungsarbeit zur interreligiösen Verständigung beitragen, sagte der Papst in einer Rede am Sitz des Erzbischofs von Dhaka. „Bemüht euch unablässig, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern. Das erleichtert nicht nur die Verständigung zwischen verschiedenen religiösen Gruppen, sondern weckt auch neu die geistlichen Kräfte, die für die Aufbauarbeit des Landes in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden nötig sind. […] Wenn die religiösen Oberhäupter sich öffentlich mit einer einzigen Stimme gegen Gewalt unter dem Deckmantel der Religion aussprechen und danach trachten, die Kultur des Konfliktes durch die Kultur der Begegnung zu ersetzen, schöpfen sie dabei aus den tiefsten geistlichen Wurzeln ihrer verschiedenen Traditionen“, sagte der Papst. (rv v. 1. 12.; JA v. 10. 12.)

     

  • Papst Franziskus hat zwei Frauen als Untersekretärinnen der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben bestellt. Für den Bereich Leben wird die Bioethik-Professorin Gabriella Gambino zuständig sein, für den Bereich Laien die Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni, die bisher als Richterin am römischen Diözesangericht wirkte. Ghisoni studierte unter anderem in Tübingen, wo sie das Vordiplom in Philosophie und Theologie erlangte. Die 52-Jährige aus Piacenza ist zweifache Mutter. Frau Gabriella Gambino stammt aus Mailand und ist ausgebildete Politikwissenschaftlerin und Bioethikerin. Sie lehrte bisher Bioethik an der juridischen Fakultät der römischen Universität Tor Vergata. Sie ist 49 Jahre alt und hat fünf Kinder. Untersekretäre gehören zusammen mit Sekretär und Präfekt zum Leitungsteam einer päpstlichen Behörde. Derzeit wirken im Vatikan zwei weitere Frauen als Untersekretärinnen: Flaminia Giovanelli am Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen sowie Schwester Nicla Spezzati an der Ordenskongregation. Die Zahl von vier weiblichen Untersekretären wurde noch nie zuvor erreicht. (rv v. 7. 12.)

     

  • Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet worden. Bei einem Festakt in Jerusalem rief der Ökumenische Patriarch am 6. Dezember zum vertieften Dialog der Religionen und einer Kultur der Solidarität auf. Interreligiöser Dialog könne „Vorurteile abschaffen und zu gegenseitigem Verständnis sowie friedlicher Konfliktlösung beitragen“, sagte der 77-Jährige. Die Welt habe in den vergangenen Jahren „eine ernsthafte wirtschaftliche, soziale und politische, mit dem Prozess der Globalisierung und ihren Auswirkungen verbundene Krise erlebt“. Den Herausforderungen könne nur gemeinsam begegnet werden. „Wir brauchen einander, wir brauchen eine gemeinsame Mobilisierung, gemeinsame Bemühungen, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Geist“, so der Patriarch wörtlich. Die gegenwärtige komplexe Krise sei daher „eine Gelegenheit, Solidarität zu üben“. (kna u. rv v. 7. 12.)

     

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