Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der ehemalige muslimische Berater des Großimams der Kairoer Universität al-Azhar wird mit einer hohen päpstlichen Auszeichnung, dem päpstlichen Piusorden, geehrt. Wie der Vatikan am 3. Februar bestätigte, wird Mohamed Mahmoud Abdel Salam den „Großkomtur des Piusordens“ am 26. März für seine „hervorragende Arbeit“ im interreligiösen Dialog und für die Stärkung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und al-Azhar erhalten. Al-Azhar gilt als die höchste Autorität des sunnitischen Islam. Die Nachricht kommt am selben Tag, an dem Papst Franziskus seine Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate beginnt. Dort wird er am 4. Januar in Anwesenheit des Großimams von al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb an einem hochkarätig besetzten interreligiösen Treffen in Abu Dhabi teilnehmen. (vn v. 3. 2.; Die Furche v. 7. 2.)

 

Auch Rabbiner sind bei der interreligiösen Konferenz in Abu Dhabi dabei. Rabbi Schudrich im Interview mit „Vatican News“: „Ich möchte sehr gerne glauben, dass es ernst gemeint ist, und ich glaube auch, dass es ernst gemeint ist. Denn dieses Foto, auf dem wir alle gemeinsam zu sehen sind, bricht mit Stereotypen. Nämlich, dass ein Rabbi nicht in einem arabischen Land sein kann. Die Tatsache, dass ich hier bin, bricht mit diesem Stereotyp. Und es bricht mit der Idee, dass ein Muslim nicht mit einem Juden sprechen kann und dass ein Jude nicht mit einem Muslim sprechen kann. Deshalb ist das nicht nur eine Show, sondern es ist Wirklichkeit.“ Es komme nun darauf an, auch den nächsten und übernächsten Schritt zu gehen. Das Jahr der Toleranz und das Interesse der Vereinigten Arabischen Emirate an einer Vertiefung des Dialogs, gemeinsam mit dem Besuch des Papstes, des Großimams von al-Azhar „und sogar Rabbinern“ biete nun eine reelle Chance, „nicht nur einen, sondern zwei Schritte aufeinander zuzugehen“, meint Rabbi Schudrich hoffnungsvoll. (vn v. 4. 2.)

 

Die Berichterstattung in der arabischen Presse und Fernsehen über die Papstreise nach Abu Dhabi ist sehr positiv: Es laufen Live-Reportagen von den Auftritten von Papst Franziskus, Berichte über die katholische Gemeinschaft in den Emiraten und Interviews mit Kirchenleuten. Immer wieder sind Aufnahmen des römischen Petersdoms und der Scheich-Zayed-Moschee von Abu Dhabi ineinandergeschnitten und zwar so, dass die Ähnlichkeiten betont werden: Kuppel an Kuppel, Obelisk an Minarett. Franziskus wird als Friedensbote dargestellt. „Ich komme als ein Bruder“, titelt die englischsprachige „Khaleej Times“ und zeigt wie fast alle Zeitungen den Händedruck des Kronprinzen mit dem Papst auf der Titelseite. Die arabischsprachige „El-Etihad“ berichtet auf dreizehn Farbseiten über den Gast aus Rom; ein ganzseitiger Bericht gilt der römisch-katholischen Kathedrale St. Joseph, ein weiterer Artikel erzählt von den Christen, die vor dem Aufkommen des Islam auf der Arabischen Halbinsel lebten. Die „Khaleej Times“ leistet sich eine 16-Seiten-Hochglanzbeilage zum Papstbesuch. Ein ausführliches Porträt schildert den Papst als Reformer mit einfachem Lebensstil, der Homosexualität nicht verurteile – in den Emiraten stehen auf Homosexualität schwere Strafen! – und der bisher gegen eine Priesterweihe für Frauen sei, ein Thema, das in den Emiraten viele zu interessieren scheint. Das Ziel der Medien ist es, Abu Dhabi als Welthauptstadt der Toleranz und als „Multikulti-Modell“ darzustellen. Eine Staatsbürgerin, Scheicha Hend Faisal al-Quassemi, befindet: „Das Judentum mag die Religion der Gerechtigkeit sein, das Christentum die der Liebe, der Islam die der Barmherzigkeit; aber wir Emiratis können jetzt das Volk der Toleranz sein!“ (vn v. 4. 1.)

 

Papst Franziskus und der Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichnen die Gemeinsame Erklärung von Abu Dhabi und erhalten einen Preis für „Geschwisterlichkeit für die Menschen“. Kronprinz Muhammad bin Zayid verlieh den Preis im Rahmen der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate am 4. Februar zu Beginn einer interreligiösen Konferenz am Denkmal für Staatsgründer Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1918-2004). Anschließend unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung. Hier einige Zitate aus der offiziellen deutschen Übersetzung mit dem Titel: „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“: „Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Geschöpfe und alle Menschen – aufgrund seines Erbarmens – mit gleicher Würde erschaffen hat, ist der Gläubige gerufen, diese menschliche Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er die Schöpfung und das ganze Universum bewahrt und jeden Menschen unterstützt. […] Ausgehend von diesem transzendenten Wert haben wir uns in verschiedenen Begegnungen, die von einer Atmosphäre der Brüderlichkeit und Freundschaft geprägt waren, über die Freuden, Leiden und Probleme der heutigen Welt im Hinblick auf den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, die Errungenschaften in der Medizin, das digitale Zeitalter, die Massenmedien und Kommunikationsmittel ausgetauscht. […] Aus diesem brüderlichen und aufrichtigen Austausch, den wir hatten, und aus der Begegnung voller Hoffnung auf eine strahlende Zukunft für alle Menschen, entstand die Idee dieses »Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen«. […] Im Namen Gottes, der alle Menschen mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleicher Würde geschaffen hat und der sie dazu berufen hat, als Brüder und Schwestern miteinander zusammenzuleben, die Erde zu bevölkern und auf ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten. Im Namen der unschuldigen menschlichen Seele, die zu töten Gott verboten hat, wenn er sagt, dass jeder, der einen Menschen ermordet, so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet. […] Im Namen der Freiheit, die Gott allen Menschen geschenkt hat, als er sie frei geschaffen und mit dieser besonderen Würde auszeichnet hat […] erklären Al-Azhar al-Sharif – mit den Muslimen von Ost und West – und die Katholische Kirche – mit den Katholiken von Ost und West – gemeinsam, dass sie die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab annehmen wollen. Wir – die wir an Gott und an die endgültige Begegnung mit ihm und an sein Gericht glauben – verlangen […] von den Architekten der internationalen Politik und der globalen Wirtschaft, ein ernsthaftes Engagement zur Verbreitung einer Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Friedens. [… Wir betonen, dass Gott] die Gabe des Lebens geschenkt hat, um sie zu behüten. Niemand hat das Recht, diese Gabe wegzunehmen, zu bedrohen oder nach seinem Gutdünken zu manipulieren. Im Gegenteil müssen alle diese Gabe des Lebens von ihrem Anfang bis zu ihrem natürlichen Tod zu bewahren. Deshalb verurteilen wir alle Praktiken, die das Leben bedrohen, wie die Genozide, die terroristischen Akte, die Zwangsumsiedlungen, den Handel mit menschlichen Organen, die Abtreibung und die Euthanasie sowie die politischen Handlungsweisen, die all dies unterstützen. Ebenso erklären wir mit Festigkeit, dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gefühle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergießen auffordern. […] Deshalb bitten wir alle aufzuhören, die Religionen zu instrumentalisieren, um Hass, Gewalt, Extremismus und blinden Fanatismus zu entfachen. Wir bitten, es zu unterlassen, den Namen Gottes zu benutzen, um Mord, Exil, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen. […] Die Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: Ein jeder genießt Bekenntnis-, Gedanken-, Meinungs- und Handlungsfreiheit. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen. […] Der Schutz der Gottesdienststätten – Tempel, Kirchen und Moscheen – ist eine von den Religionen, den menschlichen Werten, den Gesetzen und den internationalen Konventionen gewährleistete Verpflichtung. Jeder Versuch, die Gottesdienststätten anzugreifen oder sie durch Attentate oder Explosionen oder Zerstörungen zu bedrohen, ist eine Abweichung von den Lehren der Religionen. […] Es ist unbestreitbar, dass die Beziehung zwischen dem Westen und dem Osten von gegenseitiger Notwendigkeit ist und weder ersetzt noch vernachlässigt werden kann, damit beide durch den Austausch und Dialog der Kulturen sich gegenseitig kulturell bereichern. […] Es ist auch wichtig, die allgemeinen gemeinsamen Menschenrechte zu festigen, um dazu beizutragen, ein würdiges Leben für alle Menschen im Westen und im Osten zu gewährleisten. […] Es ist eine unabdingbare Notwendigkeit, das Recht der Frau auf Bildung, auf Arbeit und auf Ausübung der eigenen politischen Rechte anzuerkennen. Ferner muss darauf hingearbeitet werden, die Frau von allen historischen und sozialen Zwängen zu befreien, die gegen die Grundsätze des eigenen Glaubens und der eigenen Würde stehen. Es ist ebenso notwendig, sie vor der sexuellen Ausbeutung zu beschützen wie auch davor, als Ware oder Mittel zum Vergnügen oder zum finanziellen Gewinn zu behandelt zu werden. Daher muss man alle unmenschlichen Praktiken und volkstümlichen Bräuche, welche die Würde der Frau erniedrigen, einstellen und dafür arbeiten, dass die Gesetze geändert werden, welche die Frauen daran hindern, ihre Rechte voll zu genießen.“ Nach dem Kapitel über Kinderrechte und den Schutz der älteren Menschen schließt das Dokument mit Hoffnungen: „Das hoffen und suchen wir zu verwirklichen, um einen universalen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genießen können. – Abu Dhabi, am 4. Februar 2019“ (kna u. vn v. 4. 2.; Kirche In 03/2019)

 

Hand in Hand haben die drei Männer den Ort des interreligiösen Treffens betreten: Papst Franziskus, Premierminister Scheich Mohammed bin Rashid und der Kairoer Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb. Die Bilder aus Abu Dhabi zeigten den Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate und die beiden Religionsführer, den Scheich in der Mitte, Seite an Seite die schmale Rampe zur Freilichtarena hinaufgehen – zu den Klängen meditativer Musik. Die interreligiöse Konferenz über „Geschwisterlichkeit zwischen den Religionen“ fand am Denkmal für Staatsgründer Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1918-2004) statt. Zu Beginn der Veranstaltung verlieh Kronprinz Muhammad bin Zayid dem Papst und dem Großimam einen neu geschaffenen Preis für „Geschwisterlichkeit für die Menschen“. Zuvor zeigten die Organisatoren des Meetings mit mehreren Hundert Religionsvertretern ein Video zum Thema Toleranz und Frieden. In dem Film rufen der Papst und Al- Tayyeb gemeinsam für ein Ende der Kriege auf der Welt auf. (vn v. 4. 2.)

 

„Ihr seid Bürger, keine Minderheit“: mit diesen Worten wandte sich der Großimam von der Kairoer al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, an die Christen in der Region des Nahen Ostens und im arabischen Raum. Es war eine kraftvolle und mutige Rede, die der muslimische Religionsführer am 4. Februar vor den Teilnehmern der Interreligiösen Konferenz von Abu Dhabi hielt. „Ihr seid vollwertige Mitbürger, mit Rechten und Pflichten. Wisset, dass unsere Einheit, ihr und wir, der Fels sein wird, an dem der Konflikt abprallen wird. Es darf keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen geben!“ Und weiter: „Ich sage den Muslimen im Westen: Fügt euch in die Gesellschaften ein, integriert euch auf positive Weise, um eure religiöse Identität zu schützen, so wie ihr die Gesetze dieser Gesellschaften respektiert. Ihr müsst wissen, dass die Sicherheit dieser Gesellschaften auch in eurer Verantwortung liegt.“ Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und einer Reihe von blutigen Unruhen in der arabischen Welt seien es nun die Terroranschläge im Namen eines falsch verstandenen Islams, die eine ganze Religion weltweit in Misskredit gebracht hätten. Und zum Dokument zur Geschwisterlichkeit unter den Menschen, das der Papst und der Großscheich gemeinsam ausgearbeitet haben, sagte al-Tayyeb: Die Idee dazu sei „an einem Tisch“ geboren worden, als der Papst und der Großimam im Vatikan zusammengetroffen waren. Einer der jungen Gäste an der „gesegneten Tafel“ habe die Idee zu einem derartigen Dokument gehabt, der Papst und er selbst hätten sie sofort aufgegriffen: „Und in verschiedenen Treffen und Dialogen haben wir über die Situation der Welt nachgedacht [..] und haben uns gefragt: ,Was können die himmlischen Religionen […] als Rettungsring anbieten?‘ “ Er habe mit Erstaunen festgestellt, dass die Gedanken des Papstes exakt seinen eigenen Gedanken und Sorgen entsprachen: „Wir waren uns einig, dass die himmlischen Religionen nichts mit diesen Bewegungen, mit diesen bewaffneten Gruppen zu tun haben, die als Terroristen bezeichnet werden.“ Unter Bezug auf die gemeinsame Tradition der zehn Gebote sagte er, die drei großen Leitgestalten der monotheistischen Religionen, Moses, Jesus und Mohammed, hätten dargelegt, dass Gott der Gewalt gegen die Mitmenschen eine klare Absage erteilt habe und gestand ein, dass dazu auch die fehlgeleitete Interpretation Heiliger Texte durch Religionsführer selbst beigetragen habe. „Wir stellen fest, dass das ehrliche Studium der religiösen Texte ihnen weder zugesteht, die Gewalt gutzuheißen, noch ihnen das Recht gibt, den Heiligen Text zu betrügen, der ihnen anvertraut ist. […] Gott hat die Menschheit nicht geschaffen, um sich gegenseitig umzubringen.“ Dann nannte er die unterzeichnete gemeinsame Erklärung sogar eine „Weiterführung der Verfassung des Islam und der evangelischen Seligpreisungen“. „Ich werde mit meinem Bruder, seiner Heiligkeit dem Papst, für die uns verbleibenden Jahre [für den Religionsfrieden] zusammenarbeiten“, versprach al-Tayyeb abschließend. (vn v. 5. 2.)

 

Papst Franziskus hat zwei Ordensgemeinschaften, die vor allem in Afrika tätig sind, für ihre Rolle im Dialog mit dem Islam gedankt. Die „Afrikamissionare“ – wegen ihres Ordensgewandes auch „Weiße Väter" genannt – wurden 1868 für die Afrikamission gegründet. Ein Jahr später entstand der weibliche Zweig der „Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika". Die Mitglieder beider Gemeinschaften leisten einen wichtigen Beitrag für eine Kultur der Begegnung, in der Unterschiede respektiert und als Reichtum betrachtet werden, sagte der Papst bei einer Begegnung mit Vertretern der beiden Orden zu ihrem 150-jährige Bestehen. Die Missionare sollten „Geschwister zu der Oase zu führen, die Jesus ist", jedoch nicht durch „Abwerben, sondern durch Nähe und geteiltes Leben". (kap u. vn v. 8. 2.)

 

Papst Franziskus spricht in einer Videobotschaft zu den Teilnehmern des „World Government Summit“, der bis 12. Februar in Dubai stattfindet. Das berichtet die staatliche Zeitung „Khaleej Times“ unter Berufung auf den Gipfelpräsidenten Scheich Mohammed bin Abdullah Al Gergawi. Erwartet werden rund 4.000 Teilnehmer aus dem öffentlichen wie privaten Sektor von 140 Staaten. Das jährliche Treffen von Politikern, Wirtschafts- und Technologie-Experten befasst sich mit politischen, sozialen und technologischen Zukunftsfragen. 2016 wurde sie mit einer Videobotschaft von US-Präsident Barack Obama eröffnet. (kna u. vn v. 9. 2.)

 

Ägypten ruft einen neuen Ausschuss gegen Religionskonflikte ins Leben. Präsident Abdel Fattah al-Sisi ordnete per Dekret die Einrichtung eines solchen Gremiums unter Vorsitz seines Sicherheitsberaters an. Aufgabe soll es sein, eine Strategie zur Vermeidung religiös motivierter Konflikte zu entwickeln. Ein Sprecher der koptisch-orthodoxen Kirche bezeichnete die Entscheidung als einen entscheidenden Schritt gegen Extremismus und Terror. Der Ausschuss werde helfen, Ägyptens Bild als Beispiel für Toleranz und friedliches Zusammenleben wiederherzustellen. (JA v. 10. 2.)

 

Erstmals zieht eine christliche Frau ins Parlament von Bangladesch ein. Mit der römisch-katholischen Rechtsanwältin Gloria Jharna Sarker sitzt erst zum dritten Mal seit der Unabhängigkeit des Landes von Pakistan 1971 ein Christ bzw. Christin in der Nationalversammlung, berichtete die asiatische Nachrichtenagentur Ucanews. Die zweifache Mutter gehört der Regierungspartei Awami-Liga an. Die zuständige Wahlkommission bestätigte die Nominierung Sarkers. Sie sprach von einem „Sieg für alle“ und äußerte sich dankbar „gegenüber Gott, den vielen Frauen und der christlichen Gemeinschaft“, die sie unterstützt hätten. Sie wolle sich in ihrer Position besonders für die Ermächtigung und Entwicklung der Frauen sowie für die Rechte der christlichen Minderheit in Bangladesch einsetzen. Zu den vorrangigen politischen Anliegen der Christen in Bangladesch gehören laut Nirmol Rozario, Präsident der Christlichen Gesellschaft des Landes, u.a. der arbeitsfreie Ostersonntag, sowie die Einrichtung eines Ministeriums für Minderheiten. Der Parlamentseinzug Sarkers sei für Frauen eine Inspiration. Man freue man sich sehr und hoffe, dass sich die Christin für die genannten Anliegen wie auch für die Rechte der anderen Minderheiten besonders einsetzen werde, sagte Rozario. Neben Gloria Jharna Sarker ist mit Jewel Areng derzeit auch ein weiterer Katholik Parlamentsabgeordneter. (KAP u. ucanews v. 13. 2.; CSI-Zeitung 02/2019; JA v. 24. 2.)

 

Für die römisch-katholischen Bischöfe in Deutschland ist das Gespräch mit dem Judentum von herausgehobener Bedeutung, betonen sie in einer am 13. Februar in Bonn von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Stellungnahme. Sie wollen sich weiterhin gegen jede Form von Antisemitismus und für die Förderung jüdischen Lebens einsetzen. Zu den Voraussetzungen des Dialogs gehöre ferner, „dass die Kirche keine Judenmission betreibt. […] Angesichts der jahrhundertelangen Existenz auch eines christlichen Antijudaismus, dessen Erbe uns immer noch mit Schmerz und Scham erfüllt, sehen wir in den freundschaftlichen Beziehungen zum Judentum, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind, einen Durchbruch zu einer gemeinsamen friedlichen Zukunft.“ In einer Welt, in der nicht selten soziale und politische Konflikte religiös motiviert oder verstärkt würden, könnten der Dialog und die Zusammenarbeit von Juden und Christen ein Modell sein für ein „friedliches, von gegenseitigem Respekt und Verständnis bestimmtes Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Erfahrungen“. Mit Blick auf die aktuelle politische Lage zeigen sich die Bischöfe dankbar dafür, „dass die Rabbiner auf die schwierige Lage der Christen im Mittleren Osten und anderen Teilen der Welt aufmerksam machen“. (kna u. vn v. 13. 2.)

 

Papst Franziskus hat am 15. Februar die Präsidentin der libanesischen „Imam Sadr“-Stiftung, Rabab al-Sadr, in Privataudienz empfangen. Die nach dem schiitischen Geistlichen Musa al-Sadr (1928-1978) benannte Stiftung mit Sitz in Tyrus engagiert sich in sozialen, medizinischen sowie in Bildungsprojekten. Über nähere Inhalte der Begegnung teilte man nichts mit. (kna u. vn v. 15. 2.)

 

Kardinal Leonardo Sandri wird Ende Februar im Auftrag des Papstes nach Ägypten reisen. Er vertritt den Papst als dessen Sonderbeauftragter für die Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag des historischen Treffens zwischen dem heiligen Franz von Assisi und dem Sultan AI-Malik AI-Kamel. Der Präfekt der Kongregation für die orientalischen Kirchen wird in dieser Funktion an dem Jubiläum teilnehmen, das vom 1. bis 3. März 2019 begangen wird. Das historische Treffen zwischen Franz von Assisi und Sultan Malik al-Kamil fand 1219 im ägyptischen Damietta statt. (vn v. 23. 2.)

 

Der wegweisenden interreligiösen Erklärung von Abu Dhabi, wo Papst Franziskus und hochrangige Vertreter des Islam zuletzt an einer Dialogkonferenz teilnahmen, müssen „praktische Schritte“ folgen, fordert der Islamwissenschaftler der Universität Münster, Mouhanad Khorchide. Im Blick auf seine eigene Religion regt er an, dass sich der Islam für Religionsfreiheit öffnen und der Koran im historischen Kontext verstanden werden müsse. „Sind wir auch bereit, manche Positionen zu hinterfragen, womöglich zu verwerfen?“, fragte er in einem Interview der Redaktion der österreichischen Kirchenzeitungen. „Das zu thematisieren, war mir ein Anliegen“ als einer der Vortragenden bei der Konferenz in Abu Dhabi. Und zur historischen „Erklärung der Brüderlichkeit“ von Abu Dhabi sagt Khorchide: „Wenn in diesem gemeinsamen Dokument zu lesen ist, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, die gleichen Rechte und Pflichten haben sollten, dann müsste das zur Folge haben, dass auch in islamischen Ländern z. B. an öffentlichen Schulen Religionsunterricht angeboten werden soll auch für Nicht-Muslime; dass in islamischen Ländern Religionsfreiheit gewährt wird und der Bau nicht nur von Moscheen, sondern auch von Kirchen und anderen Gotteshäusern unterstützt werden sollte“. Es gebe auch immer noch ein Heiratserbot muslimischer Frauen mit nicht-muslimischen Männern. Mekka und Medina dürften nicht von Nicht-Muslimen betreten werden „mit dem Argument, sie seien unrein“. Solche Positionen stünden „im völligen Widerspruch zur Rede von der Gleichheit der Menschen“. (JA v. 24. 2.; Die Furche v. 28. 2.)

 

Papst Franziskus hat am 25. Februar den Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate in seiner Vatikanresidenz Santa Marta empfangen. Bei dem Gespräch mit Außenminister Scheich Abdullah bin Zayid Al ist es um die konkrete Umsetzung und Förderung der gemeinsamen historischen Erklärung über die „Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt“ gegangen, die der Papst und Großscheich Ahmed al-Tayyeb am vergangenen 4. Februar unterzeichnet hatten. Einige der in dem Dokument angesprochenen Punkte seien bereits in die Gesetzgebung der Vereinigten Arabischen Emirate eingeflossen, andere seien auf dem Weg, erläuterte der Interims-Leiter des Pressesaals Alessandro Gisotti. (vn v. 25. 2.)

 

Der römisch-katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr wünscht sich mehr öffentliches Interesse am christlich-jüdischen Dialog: Es müsse bekannter werden, wie die römisch-katholische Kirche heute die Beziehungen zum Judentum gestalte und wie viele Missverständnisse ausgeräumt worden seien. Dies sagte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum in Erfurt. Neymeyr verurteilte zugleich jede Form von Antisemitismus und Antijudaismus: „Wir wollen auch alles ausräumen, wo im Christentum noch Judenfeindschaft mitschwingt“. Neymeyr äußerte den Wunsch nach einem noch intensiveren Austausch mit der jüdischen Gemeinschaft, der auch theologische Fragen miteinschließt. Dabei sei es wichtig, gerade auch den unterschiedlichen Ansichten Raum zu geben. Auch Thüringens Landesrabbiner Alexander Nachama sprach von einem „beispiellosem Wandel“ in den christlich-jüdischen Beziehungen: „Nur im Dialog redet man miteinander und kann Missverständnisse ausräumen. Aber solch ein Dialog ist nur auf Augenhöhe möglich und nicht, wenn man den anderen Glauben teilweise als defizitär betrachtet“, sagte Nachama unter Verweis auf den Streit um die römisch-katholische Karfreitags-Fürbitte für die Juden. Er hoffe, dass es im Christentum künftig solche Gebete nicht mehr geben werde. (kna u. vn v. 26. 2.)

 

Papst Franziskus will im jüdisch-christlichen Dialog einen „breiteren Weg“ einschlagen: Die guten Beziehungen zwischen Juden und Christen sollen sich in gemeinsamen Taten konkretisieren. So wäre es „schön, wenn in derselben Stadt Rabbiner und Pfarrer mit ihren jeweiligen Gemeinschaften zusammenarbeiten würden, um der leidenden Menschheit zu dienen und Wege des Friedens und des Dialogs mit allen zu fördern“, sagte Franziskus bei einer Audienz mit jüdischen und christlichen Teilnehmern eines Gedenktreffens zum 50. Todestag des deutschen Kardinals Augustin Bea (1881-1968). Der Jesuit Bea war ein Vordenker der Ökumene und des jüdisch-christlichen Dialogs. Studien und Kenntnisse seien zwar „unerlässlich, aber sie reichen nicht aus“. Heute seien die Freundschaft und der Dialog zwischen Juden und Christen dazu aufgerufen, die Grenzen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu überschreiten. Franziskus würdigte die Figur Kardinal Beas „nicht nur für das, was er getan hat, sondern auch für die Art und Weise, wie er es getan hat“. Der deutsche Kirchenmann sei „sympathisch, voller menschlicher Güte und mutig“ gewesen, zitierte der Papst den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Nahum Goldmann. Diese freundschaftliche Herangehensweise bleibe ein Modell gerade für den „innerfamiliären" Dialog mit dem Judentum. (vn v. 28. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

     

  • Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

     

  • Dass Jerusalem zum „Inbegriff des Friedens“ wird, wünschen sich die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft. Der „multireligiöse und multikulturelle Status“ Jerusalems müsse erhalten werden, damit alle abrahamitischen Glaubensbekenntnisse die Stadt als Inbegriff des Friedens und der Ruhe erfahren können. Die Patriarchen und Bischöfe versprechen, „für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Jerusalem und in der ganzen Welt“ zu beten, vor allem in Regionen, die von Gewalt und Angst gegen schuldlose Menschen und Gottesdienststätten geprägt sind. Dass die menschliche Würde respektiert und geehrt werden muss, zeige sich besonders an Ostern. Die Menschen seien nach Gottes Bild geschaffen und darum gleich an Würde. (vn v. 17. 4.)