Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

 

Christen und Muslime in Hamburg werden am Karfreitag erneut ein gemeinsames Friedenszeichen setzen und bei der mittelalterlichen Kreuzigungsgruppe vor der Sankt-Georgskirche um 15 Uhr eine interreligiöse Kreuzwegandacht gestalten, kündigte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde an. Das Gebet findet seit 15 Jahren statt und steht dieses Mal unter dem Motto "Meine Seele ist betrübt bis an den Tod", einem Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. „Als Christen und Muslime am Sterbetag Jesu gemeinsam und in aller Öffentlichkeit zu beten, sehen wir als wichtiges sichtbares Zeichen des Friedens und Zusammenlebens hier in unserem Stadtteil und für die Welt", sagte Pastor Kay Kraack. (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

 

In Jordanien sollen die Frauen in den christlichen Kirchen künftig im Erbrecht Männern gleichgestellt werden. Das berichtet das arabisch-christliche Nachrichtenportal „Abouna“. Auf den Prüfstand kommen sollen Gesetze zu Fragen des Erbes, Sorgerechts, der Adoption, des Unterhalts sowie der Ehe. So sollen z. B. künftig auch Ehefrauen und Töchter eines Verstorbenen erbberechtigt sein, sollte es keinen Sohn geben. Die lateinische Kirche in Jordanien habe bereits mit der Überprüfung des Entwurfs durch einen Rechtsausschuss begonnen. Demnach ist auch ein Rechtsausschuss der griechisch-orthodoxen Kirche mit der Modernisierung des Kirchenrechts einschließlich des Personenstandsrechts befasst. (kap u. vn v. 5. 4.)

 

Der Beauftragte der deutschen Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel, hat sich für eine Beteiligung der römisch-katholischen Kirche am interreligiösen Berliner „House of One" ausgesprochen. Er erklärte, das geplante gemeinsame Bet- und Lehrhaus von Juden, Christen und Muslimen könne helfen, den Blick zu weiten, „wobei viele übersähen, dass es viele Gemeinsamkeiten gebe. […] Im Zentrum Berlins einen Ort zu haben, an dem das Gemeinsame gelebt wird, finde ich ein gutes Zeichen - und ich fände es auch gut, wenn die katholische Kirche sich da einbringt." Evangelische Vertreter sind an dem Vorhaben bereits beteiligt. Der Name „House of One" bezieht sich auf den Glauben der beteiligten Religionen an den einen Gott. Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant. Der Sakralbau soll Synagoge, Kirche und Moschee unter einem Dach sowie einen zentralen Raum der Begegnung umfassen. (kna u. vn v. 1. 4.)

 

Die Christen „sind ein fester Bestandteil der arabischen Welt“, bekräftigte der jordanische König Abdullah II. gegenüber dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. in Amman. Abdullah betonte, dass das Königreich weiterhin seine historische Rolle zu Schutz und Pflege der islamischen und christlichen Heiligen Stätten in Jerusalem spielen werde. Der Islam ist zwar Staatsreligion, aber in der Verfassung von 1952 ist die Gleichheit aller Bürger und Bürgerinnen ohne Diskriminierung aufgrund von „Nation und Religion" gesetzlich verankert. (Fides u. vn v. 12. 4.)

 

In Minya (Ägypten) ist ein Polizist wegen Mordes an zwei koptischen Christen zum Tode verurteilt worden. Der Polizist war mit dem Schutz einer koptischen Kirche in Minya beauftragt, als er im Dezember 2018 einen Mann und dessen Sohn vor der Kirche tötete. (JA v. 14. 4.)

Ahmed al-Tayyeb, Großimam der bedeutsamen islamischen Universität Al-Azhar in Kairo, hat anlässlich des Großbrands der Kathedrale Notre-Dame in Paris sein Mitgefühl bekundet. „Ich bin sehr traurig über den Brand der Notre-Dame-Kathedrale, die ein historisches Meisterstück ist", schrieb er am 16. April auf Twitter. Im Herzen sei man bei den „Brüdern in Frankreich", die „unsere volle Unterstützung haben", so der Großimam. (kap u. kna u. vn v. 16. 4.)

 

Ein Etappensieg für die römisch-katholische Minderheit in Indien: Zwei Unionsterritorien müssen den Karfreitag wieder als öffentlichen Feiertag einführen. Das hat der Gerichtshof von Mumbai an 15. April entschieden. Die beiden Territorien hatten den Karfreitag als Feiertag abgeschafft. Die Kirche sowie die betroffenen Erzdiözesen von Goa und Daman hatten gegen die Entscheidung geklagt. Der Generalsekretär der indischen Bischofskonferenz, Weihbischof Theodore Mascarenhas, zeigte sich zufrieden über den Urteilsspruch. „Wir haben gewonnen“, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Asianews. Die Kirche habe bei ihrem Kampf gegen die Entscheidung viel Unterstützung durch Nichtchristen erfahren: „Das sind die schönen Dinge Indiens, die wir uns bewahren müssen.“ In Indien gibt es nur zwei christliche Hochfeste, die als Feiertage anerkannt sind und auch von Gläubigen anderer Religionen gewürdigt werden: Weihnachten und Karfreitag. Wie Mascarenhas betonte, seien es in diesem Fall vor allem Hindus gewesen, die die römisch-katholischen Petitionen unterstützt und moralischen und juristischen Beistand geleistet hätten: So sind der Anwalt, der den Fall kostenlos übernommen hatte, sowie die beiden zuständigen Richter Hindus. (asianews u. vn v. 17. 4.; JA v. 28. 4.)

 

Der Bischof von Szombathely in Westungarn, Janos Szekely, bezeichnet den Dialog mit dem Islam als eine Aufgabe, die immer wichtiger werde. Er sei zuversichtlich, „dass immer mehr Muslime das Evangelium akzeptieren werden, dass das europäische Christentum wieder zu sich findet und stärker wird“. Der Islam basiere genauso wie das Christentum und Judentum auf dem einzigen, persönlichen Schöpfergott, hob Bischof Szekely in der Kirchenzeitung seiner Diözese, „Martinus" hervor. Die Kirche bestärke die Führungspersönlichkeiten im Islam darin, zu betonen, dass eine glaubwürdige Religion mit Gewalt und Terrorismus nichts zu tun habe. „Zum Glück gibt es immer mehr humane islamische Führer, die sich dessen bewusst sind und das auch aussprechen wollen. Die katholische Kirche will das humane Bild des Islam stärken, um die ‚bessere Hälfte' dieses facettenreichen Glaubens ans Tageslicht zu bringen“. (kap u. vn v. 18. 4.)

 

Nach 30 Jahren ist das christliche Osterfest im Jahr 2019 wieder Teil des öffentlichen Kalenders von Bangladesch. Am 21. April werden alle Schulen des Landes geschlossen bleiben. Erfolgreich dafür eingesetzt hat sich Gloria Jharna Sarker, die erste römisch-katholische Abgeordnete im Parlament. „Wir wissen nicht, ob das auch in den kommenden Jahren so sein wird, doch zum ersten Mal können die Christen das Triduum auch in den öffentlichen Schulen begehen. Das ist wirklich eine riesige Freude“, so eine Christin im nördlichen Bangladesch-Distrikt Dinajpur. (asianews u. vn v. 19. 4.)

 

Papst Franziskus und der Oberrabbiner von Rom haben Glückwünsche zu den jeweiligen Feierlichkeiten ausgetauscht. In diesem Jahr überschneiden sich das katholische Ostern und das jüdische Pessach-Fest. „Möge der Gott der Barmherzigkeit euch mit seinem Segen begleiten und euch Frieden und Eintracht gewähren“: Mit diesem Gruß wandte sich der Papst an Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni, berichtet der Osservatore Romano. In seiner Nachricht erinnert der Papst auch an den gemeinsamen „Bund der Freundschaft und des Einsatzes für die Notleidendsten unserer Gesellschaft“. Auch der Oberrabbiner hatte ein Schreiben an den Papst gesandt, in dem er ihm für seine Glückwünsche dankt und zu den bevorstehenden Osterfeierlichkeiten gratuliert. Er wünsche ihm „Freude, Zufriedenheit und Gesundheit“. (or u. vn v. 19. 4.)

 

Der Irak hat eine neue Botschafterin beim Vatikan: Am 27. April überreichte Frau Amal Mussa Hussain Al-Rubaye dem Papst ihr Beglaubigungsschreiben. Die studierte Medizinerin arbeitete 20 Jahre im irakischen Gesundheitsministerium und hatte seit 2017 mehrere Abteilungen des irakischen Außenministeriums geleitet. Nach dem Zweiten Irak-Krieg war sie in mehreren politischen Organen zum Wiederaufbau ihres Landes tätig. Zwischen dem Irak und dem Heiligen Stuhl bestehen seit 1937 diplomatische Beziehungen. Weibliche Botschafter beim Vatikan sind bereits seit vielen Jahren keine Ausnahme mehr. (kna u. vn v. 27. 4.)

 

Bei einem antisemitisch motivierten Attentat auf eine Synagoge in Poway (bei San Diego, Kalifornien) ist am 27. April eine Frau erschossen und weitere drei Menschen verletzt worden. Der Bischof von San Diego, Robert W. McElroy, bat die Priester seiner Diözese, in den Sonntagsmessen für die jüdische Gemeinde zu beten. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen. „Gotteshäuser sollten Orte des Friedens sein“, twitterte Bischof McElroy. An die jüdischen Gläubigen gerichtet, fuhr er fort: „Sie sollen wissen, dass die ganze katholische Gemeinde von San Diego Ihrer im Gebet gedenkt.“ Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) verurteilte die Attacke auf die Synagoge auf Schärfste. ÖRK-Generalsekretär, Olav Fykse Tveit, sprach der jüdischen Gemeinde seine Solidarität aus: „Diese mörderischen Angriffe auf Menschen, die sich zum Gebet versammeln, verletzen uns alle. Als Reaktion darauf dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Gemeinschaften auseinandergedrängt werden, sondern müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um in Frieden und Respekt zusammenzuleben." (vn v. 28. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

     

  • Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

     

  • Dass Jerusalem zum „Inbegriff des Friedens“ wird, wünschen sich die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft. Der „multireligiöse und multikulturelle Status“ Jerusalems müsse erhalten werden, damit alle abrahamitischen Glaubensbekenntnisse die Stadt als Inbegriff des Friedens und der Ruhe erfahren können. Die Patriarchen und Bischöfe versprechen, „für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Jerusalem und in der ganzen Welt“ zu beten, vor allem in Regionen, die von Gewalt und Angst gegen schuldlose Menschen und Gottesdienststätten geprägt sind. Dass die menschliche Würde respektiert und geehrt werden muss, zeige sich besonders an Ostern. Die Menschen seien nach Gottes Bild geschaffen und darum gleich an Würde. (vn v. 17. 4.)

     

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