Ein Freund Gottes und der Menschen

13.03.2004

 

Die Plattform "Wir sind Kirche" hält an der Bahre von Kardinal Franz König in aufrichtiger Wertschätzung und tiefer Trauer inne. Er hat mit seinen Bemühungen um eine Aussöhnung der katholischen Kirche mit moderner Wissenschaft und Kunst, mit unterschiedlichen Strömungen der Politik und mit allen Gruppen und Schichten der modernen Gesellschaft Geschichte geschrieben und der Kirche in einer Zeit der beginnenden Glaubensauszehrung noch einmal Ansehen und Glaubwürdigkeit verschafft.

 

Niemals hat er es an Loyalität gegenüber Päpsten und Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes fehlen lassen, obwohl ihm diese Loyalität nicht immer gelohnt worden ist. Immer aber hat er das Schicksal konkreter Menschen höher bewertet als abstrakte Prinzipien und Gebote. Zweifelnden ist er ein verständnisvoller Begleiter, Kritikern ein kritischer Freund, Verunsicherten stets ein Herold der Hoffnung gewesen.

 

Wenn alle Amtsträger der katholischen Kirche die Gesinnung Kardinal Königs hätten, gäbe es nirgendwo die Mutlosigkeit und Resignation, die heute weite Teile der Kirche erfasst haben. Seine Offenheit war niemals Grundsatzlosigkeit. Er hat sich nie angebiedert und doch immer glaubhaft zum Ausdruck gebracht, dass er auch abweichende Standpunkte versteht und respektiert.

 

Kardinal König war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man durchaus nicht allen in allem Recht geben muss, um als Kirchenoberer geachtet und geliebt zu werden. Mit seinem Tod ist die katholische Kirche, mehr noch: ist die Gemeinschaft der christlichen Kirchen weit über Österreich hinaus ärmer geworden.

 

 

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