US-amerikanische Ordensfrauen erhalten den Herbert-Haag-Preis 2013 für Freiheit in der Kirche

15.11.2012

 

Der Herbert-Haag-Preis 2013 für Freiheit in der Kirche geht an 46.000 US-amerikanische Nonnen und an die Führungscrew ihres Dachverbandes LCWR (Leadership Conference of Women Religious). Ihr Kampf für Menschen in Bedrängnis und am Rand der Gesell­schaft, ihr Einsatz dort, wo sie die Welt ruft, und ihre sorgfältige Reflexion der Zeichen der Zeit im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils, machen sie zu einer Säule der US-amerikanischen katholischen Kirche.

 

Gleichwohl stehen die Ordensfrauen und insbesondere ihre Führung im Auge des Orkans, den die römische Glaubenskongregation im April 2012 ausgelöst hat. Deren Untersuchungsbericht wirft dem Dachverband gravierende lehrmässige Mängel in seinen Veranstaltungen vor und klagt ihn an, dass seine Positionen bezüglich Abtreibung, Priesterweihe für Frauen, Feminismus und Homosexualität von der katholischen Lehre abweichen. Ein dreiköpfiges bischöfliches Gre­mium unter der Leitung von Erzbischof J. Peter Sartain von Seattle (USA) soll nun zum Rechten schauen. Es kann in den nächsten fünf Jahren in alle Vorgänge der Ordensleitung eingreifen, neue Statuten erzwingen sowie Schriften, künftige Aktivitäten und Stellungnahmen zensurieren.

 

Die LCWR-Leitung weist die vom Vatikan erhobene Kritik als unbegründet zurück. Die Vorwürfe der Römischen Glaubenskongregation hätten keine substanzielle Basis und seien das Resultat eines mangelhaften und intransparenten Untersuchungsverfahrens. Keine der Anschuldigungen hätte der Vatikan in offiziellen Verlautbarungen der Ordensleitung nachweisen können. Am 12. Juni 2012 trugen ihre obersten Vertreterinnen, die Präsidentin Pat Farrell, eine Franziskaner-Schwester, und die Exekutiv-Direktorin Janet Mock, eine Josefs-Schwester, bei einem Spitzen­treffen mit Kardinal William J. Levada, dem damaligen Präfekt der römischen Glaubenskongre­gation, und Erzbischof J. Peter Sartain ihre Sache in Rom „offen und ehrlich“ vor und verwahr­ten sich gegen Anschuldigungen, die in ihren Augen falsch sind.

 

Der Eingriff der Glaubenskongregation wurde von vielen Katholikinnen und Katholiken vor allem in den USA als Skandal empfunden und löste in der Öffentlichkeit ein Riesenecho aus. Zahlrei­che katholische Organisationen und unzählige Gläubige aus aller Welt bekundeten ihre Solida­rität mit den US-amerikanischen Nonnen. Ihr guter Ruf ist seit langer Zeit weit über die Verei­nigten Staaten hinaus bekannt und hebt sich wohltuend ab von den Schlagzeilen rund um den Kindesmissbrauch von Priestern und vom finanziellen Missmanagement in anderen Bereichen der Kirche.

 

Die Herbert-Haag-Stiftung bezeugt der LCWR mit fast 1500 Mitglied-Organisationen und Zehn­tausenden von engagierten Ordensfrauen grossen Respekt für ihre freimütige Haltung in dieser Krise, für ihre hartnäckige Treue zur christlichen Botschaft und für die spirituelle Kraft, mit der sie den Konflikt austragen. Sie freut sich über die Energien und Initiativen, mit denen die Or­densfrauen die Kirche erneuern und zukunftsoffen gestalten. Die Preisverleihung will der star­ken Stimme dieser Frauen auch in Europa ein Gewicht geben und jene ermuntern, die aus Resignation verstummen. Wenn die Kirche den künftigen Generationen wieder Hoffnung ver­mitteln will, ist sie auf den Freimut angewiesen, der aus diesen Stimmen spricht. „Wir stehen in einer Zeit der Krise, und es ist sehr hoffnungsvoll, an diesem Ort zu sein, Krisen kündigen eine Transformation an“, meinte Pat Farrell im August 2012 vor ihrer Ordenskonferenz.

 

Der Preis für Freiheit in der Kirche wurde gestiftet von Herbert Haag (1915–2001), Professor für Altes Testament an der Universität Tübingen. Mit dem Preis werden Personen und Institu­tionen ausgezeichnet, die sich im Sinn des Apostels Paulus für Freiheit in der Kirche einsetzen und dafür vor der Welt Zeugnis ablegen.
Die Preisverleihung findet am Sonntag, 14. April 2013, um 16.30 Uhr im Hotel Schweizerhof in Luzern (Schweiz) statt. Den Preis für Freiheit in der Kirche wird die Franziskaner-Schwester Pat Farrell im Namen der Leitung der LCWR entgegennehmen.

 

Mehr über die Dachorganisation der US-amerikanischen Frauenorden LCWR (Leadership Conference of Women Religious), zur Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche siehe www.herberthaag-stiftung.ch.

 

 

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