Wir sind Kirche: Jesus Christus hat weder Frauen noch Männer für das Priesteramt geweiht

03.06.2008

 

Stellungnahme zum Dekret der Glaubenskongregation zur Frauenordination

Solange sich der Geist unserer Kirchenführung in dieser Weise weiter verhärtet, wird die römisch katholische (Amts-)Kirche weiter an Glaubwürdigkeit und evangeliumskonformen Charakter verlieren, erklärt „Wir sind Kirche“ zum neuesten Dekret der Glaubenskongregation zur Frauenordination. Es ist beschämend, mit welch schwacher und unzulänglicher Argumentation der Vatikan so gewichtigen Ansprüchen und Anfragen an die Kirche begegnet, und dies ausgerechnet im Marien-Monat Mai. Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ fordert die Streichung des Can. 1024 aus dem römisch-katholischen Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici CIC) und die Aufhebung der gegen die geweihten Frauen ausgesprochenen Exkommunikationen. Sie seien kein Mittel, welches sachlich fundierte Einsichten und wechselseitiges Vertrauen fördern könne.

 

In einem bereits im Dezember 2007 beschlossenen aber erst jetzt veröffentlichten Allgemeinen Dekret zur Weihe von Frauen wird deren Exkommunikation erneut deutlich verkündet. Davon sind jene betroffen, die „versuchen“ Frauen zu Priesterinnen zu weihen und Frauen, die ihrer Berufung folgen und sich gegen das geltende Kirchenrecht weihen lassen. Dabei bezieht sich die Kongregation für die Glaubenslehre auf den Willen des Kirchenstifters Jesus Christus.

Allerdings sind von Jesus Christus keinerlei Willensäußerungen zu Priester-Weihen - weder von Männern noch von Frauen – überliefert. Dem entgegen stehend hat Jesus sowohl Frauen als auch Männer gesandt, seine Lehre zu verkünden. In der frühen Kirche sind Apostelinnen (Maria von Magdala, Thekla, Nino), Presbyterinnen (z.B. Ammion, Epikto, Laeta) und sogar Bischöfinnen (Theodora und eine weitere namenlose Frau) sowie andere Amtsträgerinnen auch nach der Institutionalisierung bis ins 9. Jahrhundert tätig. Ihre Dienst-Funktionen sind durch Inschriften auf Gräbern, in Kirchen und durch literarische Zeugnisse belegt. (Vgl. Dissertation von Ute E. Eisen „Amtsträgerinnen im frühen Christentum“, Göttingen 1996)

Neben allen nicht mehr von der römischen Amtskirche verwendeten Argumenten gegen die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen muss nun auch dieser Bezug auf den Willen Jesu Christi endlich durch die Forschung der letzten zwei Jahrhunderte als widerlegt angesehen werden. Die römische Kurie sollte dies nicht länger ignorieren sondern die Forschung nach der Wahrheit fördern. In vielen Pfarren Österreichs bieten gut ausgebildete Frauen ihre Dienste an. Ihr Einsatz bewährt sich und wird von den Menschen als Bereicherung geschätzt. Bleibt den römischen „Glaubenshütern“ nur noch der Verweis auf Can. 1024 des Kirchenrechtes: „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann“. Wie die Geschichte zeigt, ist Kirchenrecht änderbar. Es soll auch änderbar bleiben und muss dort geändert werden, wo es Not wendend ist.

 1994 hatte Papst Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis” betont, dass die Priesterweihe nur Männern vorbehalten sei. Das damals gleichzeitig ausgesprochene Denk- und Redeverbot zeigte die gegenteilige Wirkung. Die Frage nach der Frauenordination wurde immer virulenter. Denn die Erklärungen Roms, dass Frauen auch ohne das Amts-Priestertum „im Leben und in der Sendung der Kirche ... für die Kirche absolut notwendig und unersetzbar” seien, überzeugen schon lange nicht mehr.

 

             Für den Vorstand der Plattform "Wir sind Kirche" Dr. Martha Heizer und Hans Peter Hurka

 

Weitere Informationen:

 

Vatikan: Exkommunikation bei Frauenordination

Die Glaubenskongregation hat am Donnerstag, dem 29. Mai 2008, ein Allgemeines Dekret zum Thema „Frauenordination” erlassen. In dem im „L`Osservatore Romano” veröffentlichten Text wird betont, dass alle, die versuchen, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, automatisch exkommuniziert sind. Dasselbe gelte für die Frauen selbst.

Die Kongregation für die Glaubenslehre möchte mit diesem Dekret „die Natur und die Gültigkeit des Sakraments der Weihe schützen”, so der Text, der auf Latein und Italienisch veröffentlicht wurde. Das Dokument trägt den lateinischen Titel „Decretum generale de delicto attentatae sacrae ordinationis mulieris”; es wurde bereits am 19. Dezember letzten Jahres von der Kongregation beschlossen. Von der Exkommunikation seien auch Gläubige betroffen, die den mit Rom unierten Kirchen angehören.

 

Der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Angelo Amato, hält das neue Dokument aus seinem Haus für notwendig, weil… „in einigen Regionen der Welt wieder so genannte Frauenordinationen stattgefunden haben. Des weiteren handelt es sich auch um eine Hilfe für Bischöfe, damit alle Oberhirten eine gemeinsame Antwort zu diesem Thema geben können.”

Zur Gültigkeit einer Priesterweihe für Frauen sagt Amato: „Sie sind von vornherein ungültig - und das bedeutet, dass sie nichtig sind. Es handelt sich nämlich nicht um „Ordinationen” im eigentlichen Sinn. Denn die kanonische Richtlinie der Kirche besagt, dass „die heilige Weihe nur für einen getauften Mann gültig ist” (Can. 1024).

Die Kirche fühle sich nicht berechtigt, den Willen ihre Stifters Jesu Christi zu ändern, so Amato weiter, auch wenn das nicht der Sichtweise anderer christlicher Konfessionen entspricht.

„Das ist aber nicht nur in diesem Fall so. Jedenfalls befindet sich die katholische Kirche in guter Gesellschaft wenn man sieht, dass die altorientalischen Kirchen und die orthodoxen Kirchen dieselbe Praxis beibehalten wie die katholische Kirche. Einige aus der Reformation hervorgegangene kirchliche Gemeinschaften haben mit einer zweitausend Jahre alten Tradition gebrochen.”

Bereits 1994 hatte Papst Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis” betont, dass die Priesterweihe nur Männern vorbehalten sei. Er erklärte, dass „die Präsenz und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden sind”; dennoch „bleiben die Frauen für die Kirche absolut notwendig und unersetzbar”.

 

Berichte aus den Medien:

 

Der Standard vom 3. Juni 2008:

Rom: Vatikan bekräftigt Exkommunikation für "Priesterinnen"
Frauen, die sich an Priesterinnenweihe beteiligen, sollen exkommuniziert werden - Kritik von "Wir sind Kirche"

Rom - Am Freitag wurde in Rom vom Vatikan erneut bekräftigt, dass Frauen in der katholischen Kirche nicht zu Priesterinnen geweiht werden können. Jede, die an einer versuchten Ordination von "Priesterinnen" beteiligt sei, gelte damit automatisch als exkommuniziert, erklärte Erzbischof Angelo Amato von der Glaubenskongregation am Freitag in Rom.

 

Versuchte Priesterinnenweihe

Er reagiere damit auf die versuchte Priesterinnenweihe von Frauen in "verschiedenen Teilen der Welt". Im vergangenen März hat Raymond Burke, Erzbischof von St. Louis im US-Staat Missouri, drei Frauen exkommuniziert, die an einer Priesterinnenweihe von Frauen teilgenommen hatten. Sie gehörten der Bewegung "Roman Catholic Womenpriests" an. Die Bewegung war bekanntgeworden, als im Juni 2002 auf der Donau zwischen Passau und Linz sieben Frauen zu "Priesterinnen" geweiht wurden, darunter die Oberösterreicherinnen Christine Mayr-Lumetzberger und Adelinde Theresia Roitinger.

 

"Natur des Sakraments" solle bewahrt werden
Am Donnerstag veröffentlichte die Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" eine Erklärung der Glaubenskongregation, in dem bekräftigt wurde, dass Personen, die sich an der Priesterinnenweihe beteiligen, automatisch ("latae sententiae") exkommuniziert seien. Die Glaubenskongregation, die bis 2005 von Kardinal Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI. geleitet wurde, erklärte, sie wolle mit ihrem Vorgehen "die Natur und Gültigkeit des Sakraments" bewahren. Exkommunizierte KatholikInnen dürfen keine Sakramente mehr empfangen und keine Ämter in der Kirche bekleiden. Amato wies aber darauf hin, dass die Strafe aufgehoben werden könne, wenn die Bestraften Reue zeigten.

Der 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. hatte in dem Apostolischen Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" (1994) die seit Anfang an bestehende Lehre und Praxis der katholischen Kirche bestätigt, dass nur Männer zum Priester geweiht werden können. Die Kirche sei nicht befugt, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, heißt es in dem Schreiben.

 

Kritik von "Wir sind Kirche"

"Es ist beschämend, mit welch schwacher und unzulänglicher Argumentation der Vatikan so gewichtigen Ansprüchen und Anfragen an die Kirche begegnet", meint die hierarchiekritische Gruppierung "Wir sind Kirche" dazu. Während die Kongregation sich auf den Willen des Kirchenstifters Jesus Christus beziehe, seien von diesem Willensäußerungen in dieser Hinsicht gar nicht überliefert. (APA/AP)

 

 

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