Wir sind Kirche: Kardinal Schönborn möge den Bogen nicht überspannen

11.08.2011, Hans Peter Hurka

 

„Wir sind Kirche“ rät Kardinal Schönborn in der Auseinandersetzung mit der Pfarrer-Initiative, den Bogen nicht zu überspannen. Mit Machtdemonstration und Sanktionen lassen sich weder Probleme lösen noch Menschen überzeugen. Ein Nachdenkprozess tue auf beiden Seiten gut.

Schönborn hat zwar das Kirchenrecht auf seiner Seite. Es widerspricht aber dem biblischen Beispiel Jesu und den Menschenrechten, die im göttlichen Naturrecht gründen. Der Wiener Kardinal kann zwar im Auftrag vatikanischer Scharfmacher jetzt Härte zeigen. Es ist aber bei einer Machtdemonstration mit einem Schaden zu rechnen, den weder Schönborn wollen kann und der auch nicht der Welt-Kirche hilft. Wer tatsächlich die Einmütigkeit der Welt-Kirche im Auge hat, kann eine solche Vorgangsweise nicht wollen und muss sie daher entschieden ablehnen.

 

Wenn in diesen Fragen, wie konkret beim Pflichtzölibat, das Gespräch von der Kirchenleitung weiter verweigert wird kann es zu Dammbrüchen kommen, welche die Kirchenleitung nicht mehr übersehen kann. Der Aufruf der Österreichischen Pfarrer-Initiative weist ausschließlich auf feststellbare und allseits bekannte Fakten hin und ist weltweit bekannt. Strafmaßnahmen könnten zu dominoartigen Solidarisierungen führen, die auch die vatikanischen Auftraggeber Schönborns nicht mehr stoppen könnten.

 

Die Nerven liegen wegen des offenkundigen Reformstaus an vielen Stellen der römisch-katholischen Kirche blank. Deshalb sind ein ruhiger Kopf, einfühlsame Gespräche und aufrichtiger Dialog gefragt, keine Sanktionen. Scharfmacher, egal auf welcher Seite, leisten keinen konstruktiven Beitrag zu einvernehmlichen Lösungen. Die Auseinandersetzung rund um die Reformanliegen hat mit dem Aufruf der Pfarrer-Initiative wieder einmal eine Öffentlichkeit erlangt, wo für alle klar sichtbar wird, wie die römisch-katholische Kirchenleitung Konflikte löst: In christlicher Grundhaltung, unter Anerkennung des gegenseitigen guten Willens, in einem ergebnisoffenen Dialog auf gleicher Augenhöhe oder mit einseitiger Machtdemonstration und Sanktionen. Die Kirche ist wieder einmal auf einem Scheideweg. Mögen die Verantwortlichen die richtigen Schritte setzen.

 

Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka

 

Einen Brief gleichen Inhalts haben wir an Kardinal Schönborn geschickt.

 

Medienreaktionen:

12. August 2011: religion.ORF ; 

Interview mit Helmut Schüller in den Oberösterreichischen Nachrichten am 12. August 2011

Interview mit Kardinal Schönborn  in der Zeitung DER STANDARD vom 12. August 2011

NEWSLETTER Nr. 9 der Pfarrer-Initiative vom 11. August 2011.

Zur Vorgeschichte: Bericht und Solidarisierung. Presseaussendung: Dialog statt Kadavergehorsam

 

 

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